Blick in die Pressemappe I

Blick in die Pressemappe I

Im Eichhörnchenverlag arbeiten wir derzeit an der Erstellung einer digitalen Pressemappe. Katharina Schulze hat dafür ein paar Fragen an die Verlagsgründerin Nina A. Schuchardt formuliert. Einige davon stellen wir euch nach und nach hier auf dem Blog vor und weil gestern Tag des Eichhörnchens war, macht die Frage nach dem Verlagsnamen den Anfang:

Katharina Schulze: Wie bist du auf den Namen Eichhörnchenverlag gekommen?

Nina A. Schuchardt: Ich habe einmal ein Eichhörnchenkind gefunden und aufgepäppelt, das offenbar aus dem Kobel gefallen und von seiner Familie verlassen worden war. Aus dem Familienkreis kam kurz vor der Verlagsgründung dann der Vorschlag, auf diese Geschichte Bezug zu nehmen.

Es hat sich übrigens herausgestellt, dass das Eichhörnchen blind war, weshalb auch das Verlagshörnchen im Logo eine Augenbinde trägt. Ich denke, dass das gerade für einen Bilderbuchverlag eine interessante Einladung zur Beschäftigung mit dem Sehen als Fähigkeit und Prozess ist. Der Begriff des Sehens führt für mich dabei weit über das rein visuelle Sehen hinaus und bedeutet mir vielmehr Entdecken, Erforschen und Begreifen im weiteren Sinne.

Das Eichhörnchen selbst erhielt von uns damals den Namen Mad Eye Artemis Moody nach der Romangestalt mit dem magischen Auge aus den Harry Potter-Büchern und der griechischen Göttin des Waldes.


Mehr über das blinde Eichhörnchen in unserem Logo könnt ihr unter Das Logo und das Eichhörnchen und unter Das Logo und das Eichhörnchen – Teil II. Von blinden und sehenden Eichhörnchen… nachlesen.

(c) Beitragsbild: Eichhörnchen. Collage von Susanne Haun.

Am Mittwoch nächster Woche ist es wieder soweit. Es ist der 3. Oktober und damit Türöffner-Tag der Sendung mit der Maus.

Wie schon im letzten Jahr wird sich die Patent-Papierfabrik Hohenofen mit der Bastelkompetenz von muckout in eine Bücherbastelwerkstatt verwandeln, in welcher Kinder ihre eigenen und mitgebrachten Ideen in ganz persönliche Bücher verwandeln können.

Bücherwerkstatt am Türöffnertag 2017 in der Patent-Papierfabrik Hohenofen (c) Sivia Last (muckout).

Außerdem wird erstmalig auch mit alten, ausrangierten Büchern gebastelt, sodass die immer noch so schönen Geschichten und Bilder in buchstäblich neue Formen gebracht werden. Zum Beispiel als kleine Origami-Vogel-Geschwisterchen von Tui-Tiu?

Der Eichhörnchenverlag bringt eine Kunstausstellung für Kinder mit. Gezeigt werden einige Landtiere- und Monsterkinderoriginale, aber auch neue Eichhörnchenbilder und eine multimediale Installation der Tui-Tiu-Bilder! Wir sind schon etwas aufgeregt. 😉

Die Papierfabrik bietet je eine Führung durch das technische Denkmal um 12 und 14 Uhr an und dann erwarten die kleinen und großen Besucher*innen noch eine Mitmachgeschichte, die im Anschluss an die Veranstaltung für alle Besucher*innen zugänglich auf den Websites von Eichhörnchenverlag und muckout veröffentlicht werden wird und eine Tombola.

 

Wir freuen uns auf euch! Anmeldungen nehmen wir gern unter kontakt@eichhoernchenverlag.de entgegen.

Der Eintritt ist frei.

Manchmal werden wir gefragt, ja mit Vorwurf gescholten, weshalb es beim Eichhörnchenverlag keine Eichhörnchen in den Büchern gebe… Nun ja. Es kann durchaus andere Gründe für die Wahl eines Logos, eines Symbols geben, als dessen tatsächlich Repräsentation in und auf den Produkten. (Siehe hier und hier, wo die Entstehung des Logos und dessen Hintergründe beleuchtet werden.)

Nichtsdestotrotz fliegt das Verlagsherz allen Eichhörnchen in besonderer Weise zu und wir freuen uns auch, wenn sie ihre Wege in unsere Bücher und Non-Books finden! Es sei darum nur so viel verraten, dass sich ein Eichhörnchen in unserem für 2019 geplanten Bilderbuchschatz Vögel (welch‘ Ironie 😉 ) von Jesko Donst finden wird und es sei auch folgendes Bild nicht vorenthalten:

 

Tuschezeichnung von einem Eichhörnchen von Susanne Haun.

Das Eichhörnchen schaut uns an (c) Zeichnung von Susanne Haun.

Dieses schöne Eichhörnchen ist gerade erst der Zeichenfeder Susanne Hauns entsprungen und wir finden es einfach fantastisch! Bestimmt wird es sehr bald einen Weg in unser Programm finden.

Vielen Dank für diese tolle Arbeit, Susanne!

Warum also ist das Eichhörnchen im Logo des Eichhörnchenverlags blind? Warum trägt es eine Augenbinde?
Ich versprach euch im Beitrag vom 31. März, diese Frage zu einem späteren Zeitpunkt zu beantworten.
Wie das so ist mit Vorbildern und Modellen, auch sie sind nicht makellos und glatt gebügelt – Gott sei Dank, denn so bleiben sie Individuen! – und so könnte hier nun ein blindes Eichhörnchen Modell gestanden haben…
Es steckt aber noch etwas mehr dahinter. Eine geschätzte Kunsthistorikerin und liebe Freundin gab noch vor der (offiziellen) Gründung des Verlags den Rat, die Blindheit des Eichhörnchens unbedingt auch im Logo abzubilden. Recht hatte sie, denn in der Verbindung mit einem BILDERbuchverlag wird das Attribut Augenbinde und die dadurch symbolisierte Blindheit zu einer Betonung des Sehens selbst. Die Vorstellung vom Verzicht auf die visuelle Wahrnehmung soll den Betrachter anregen, über die Bedeutung des Sehens und sensueller Erfahrung im Allgemeinen zu reflektieren.


Die Augenbinde als solche ist ein Objekt, dass vielfältig bei verschiedenen Spielen zum Einsatz kommt. Zum Beispiel bei unterschiedlichen Varianten des Blinde-Kuh-Spiels oder beim Topfschlagen. Sie steht uns daher stellvertretend für kindliches Spiel und Entdeckerlust.
Überhaupt ist die Augenbinde auch (bild-)geschichtlich betrachtet ein starkes und durchaus positiv besetztes Symbol. Man denke zum Beispiel an Darstellungen der Justitia. Ihre Augenbinde soll ihre vorurteilsfreie, ohne Ansehen der Person geschehende Rechtsprechung anzeigen. Eine vorurteilsfreie Begegnung also, die auch jedem Kind zu wünschen ist.
Zu guter Letzt ist der Akt der Abnahme einer Augenbinde auch ein Akt der Befreiung, Bestandteil eines Prozesses des Entdeckens, Erkennens und Erkenntnisgewinns. Unsere Bücher sollen Kindern und Erwachsenen helfen, sich Räume zu schaffen, in welchen sie achtsam und liebevoll Zeit miteinander verbringen können, in welchen sie in den Bildern und Geschichten gemeinsam abtauchen oder über sie in Kommunikation kommen können. All das hilft uns letztendlich, sehenden Auges und zugewandt in das Leben und durch das Leben zu gehen.
Für die symbolische und zeremonielle Kraft des Abnehmens einer Augenbinde oder eines anderen sichtraubenden Stoffes finden sich übrigens auch Beispiele in Kunst und Geschichte.
Am südlichen Eingang zum Park Sanssouci in Potsdam etwa sitzen zwei Sphingen mit auf ihnen spielenden Putti. Links (bzw. bei der westlichen Figurengruppe) trägt einer der Putti noch einen Schleier über dem Gesicht, der ihm rechts (bzw. bei der östlichen Figurengruppe) abgenommen wurde. Die Sphinx greift ihm in das Haar und dreht seinen Kopf (dem Licht entgegen?). Auch ihr Gesicht wird von dem zweiten Putto in die gleiche Richtung geführt. Die beiden von Georg Franz Ebenhech in der 1. Hälfte des 18. Jhdts. geschaffenen Skulpturen sind eigentlich als Narration in zeitlicher Abfolge zu lesen. Betrachtet man sie also nacheinander – zuerst die linke und dann die rechte – wird deutlich, dass es sich hier ebenfalls um die Darstellung eines Erkennens- und Erkenntnisprozesses handelt, auch wenn dieser gewaltsam herbeigeführt wird. Das kindliche Spiel der Putti wird hier als blind und unbedarft dargestellt und durch Zwang unterbrochen. Wir werden daran erinnert, dass Erkennen manchmal auch ein schmerzhafter Weg ist und Erkenntnis ein verletzendes Ziel sein kann. Adrian von Buttlar und Marcus Köhler, die sich einer zusammenhängenden ikonologischen Deutung des Parks Sanssouci angenommen haben, interpretieren die Skulpturen als Darstellung eines freimaurerischen Initiationsritus.


Auch wenn die starke Fokussierung der Interpretation Buttlars und Köhlers auf Freimaurersymbolik im Park Sanssouci mitunter hinterfragt werden kann, sei ihre Publikation „Tod, Glück und Ruhm in Sanssouci. Ein Führer durch die Gartenwelt Friedrichs des Großen“ an dieser Stelle zur Lektüre und besonders als Begleiter bei einem sommerlichen Besuch im schönen Park Sanssouci in Potsdam empfohlen. Es lässt sich einiges entdecken!

Buttler, Adrian von; Köhler, Marcus: Tod, Glück und Ruhm in Sanssouci. Ein Führer durch die Gartenwelt Friedrichs des Großen. Ostfildern 2012.
(Zu den Sphingen: ebd., Seite 17 und folgende.)
erschienen im Hatje Cantz Verlag

 

Hier noch ein Link zu einer Pressemitteilung der SPSG und einer anderen Interpretation der beiden Sphingen als Darstellungen von Tag und Nacht.