So viele Arten vorzulesen…

So viele Arten vorzulesen…

Es waren Herbstferien und wir haben ein bisschen Pause gemacht, na ja, so halb zumindest. So ganz lässt uns das Verlagsleben nie los und es gibt immer etwas zu tun. Ich habe dem Brandenburger Herbst den Rücken gekehrt und Familienurlaub am Meer gemacht. Neben den Spaziergängen am Wasser war vor allem eine neue Entwicklung mit dem großen Kind besonders beeindruckend für mich. Zwar haben Bücher schon immer einen großen Platz in unserem Alltag und wir schauen sie intensiv an und sprechen über alles, was es auf den kleinen und großen Seiten zu entdecken gibt. Da das Kind Sachbücher und Wimmelbücher liebt, ist das immer so einiges. In diesem Urlaub aber haben wir zum ersten Mal so richtig vorgelesen. Eine Geschichte und noch eine. Das Kind hat gebannt den Worten gelauscht und auf die dazugehörigen Bilder geschaut. Kaum etwas nachgefragt, sondern war nochmal ganz anders vertieft, als ich das sonst kenne. Und obwohl ich das Fragen und Nachdenken und Entdecken von Dingen, die mir selbst gar nicht aufgefallen wären, liebe, war auch das irgendwie total schön und eine ganz neue Dimension im Umgang mit Büchern, der mich ein bisschen ergriffen gemacht hat, weil das Kind noch so klein und doch schon so groß ist.

Unser Lieblingsbuch zum Anschauen und Vorlesen aus dem Eichhörnchenverlag sind übrigens die LANDTIERE. Und auch auf das Öffnen der Türchen unserer Adventskalender freuen wir uns schon sehr.

Beitragautorin: Katharina Schulze

Der Name Jella Lepman ist heute gar nicht so vielen Menschen bekannt, obwohl die deutsche Journalistin und Autorin einen sehr großen Einfluss auf die deutsche Kinderliteratur der Nachkriegszeit hatte. Zeit ihres Lebens setzte sie sich dafür ein, durch Lesen das Leben von Kindern zu verbessern und ihnen den Zugang zu Büchern zu ermöglichen. Gerade für die Kinder der Nachkriegszeit hatte dies eine enorme Bedeutung, denn ihr Leben war vor allem durch Hass und Entbehrung gekennzeichnet. Ihr 1964 veröffentlichtes Buch Die Kinderbuchbrücke ist auch Teil der Bibliothek des Eichhörnchenverlags. Wir können euch seine Lektüre sehr empfehlen.

Geboren wurde Jella Lepman 1891 als älteste Tochter eines jüdischen Textilfabrikanten und seiner Frau in Stuttgart. Hier gründete sie bereits mit 17 Jahren eine internationale Lesestube für die Arbeiter der berühmten Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik, deren Muttersprache oft nicht deutsch war. 1913 heiratet sie den Deutsch-Amerikaner Gustave Horace Lepman. Er verstarb schon neun Jahre später und Lepman war mit den zwei gemeinsamen Kindern auf sich allein gestellt. (1)

Sie arbeitete in den folgenden Jahren als journalistische Mitarbeiterin beim Stuttgarter Neuen Tageblatt und gründete das Beiblatt Die Frau in Haus, Beruf und Gesellschaft. Hier versammelte sie Beiträge, die sich für eine liberale gesellschaftliche Entwicklung, internationale Verständigung und Gleichberechtigung der Frau einsetzten. Sie veröffentlichte in dieser Zeit Der verschlafene Sonntag und das Kindertheaterstück Der singende Pfennig und kandidierte 1929 zusammen mit Theodor Heuss für den Bundestag. (2)

1936 musste sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft emigrieren und zog mit ihren beiden Kindern nach London. Dort angekommen war das Leben nicht leicht und Lepman nahm verschiedene Jobs an, um sich und ihre Kinder zu versorgen. Nach zwei Jahren im Ausland wurde sie mit der Durchsicht des geretteten Nachlasses von Arthur Schnitzler durch die Universität Cambridge betraut. Sie arbeitete später auch bei der BBC und wurde schließlich zur Botschaft der Vereinigten Staaten in London versetzt, um eine europäische Nachkriegsillustrierte zu gründen. (1)

1946 kam Jella Lepman dann aber nach zehn Jahren im Exil im Rahmen des Reeducation Program zurück nach Deutschland, um dort als Beraterin für die kulturellen und erzieherischen Belange der Frauen und Kinder mitzuarbeiten und die Entnazifizierung der deutschen Gesellschaft voranzutreiben. Dabei wog für sie die geistige Verarmung der Kinder noch stärker als die körperliche und Lepman kam zu der Erkenntnis, dass Nahrung und Kleidung nicht ausreichend waren und man den Menschen, vor allem den Kindern, auch geistige Nahrung geben musste. Dies sollte über Kinderbücher geschehen, für die allerdings kein Etat vorgesehen war. (1)

Bei all dem dachte Lepman immer international. Ihre Idee war es, die internationale Verständigung durch Kinderbücher und den Austausch von Kinderzeichnungen zu fördern und sie begann, eine Ausstellung zu planen. (2) Finanzielle Mittel dafür zu bekommen, war allerdings nicht leicht. Lepman schrieb 20 Länder an und bat um Unterstützung für das Projekt. Schließlich war es eine Begegnung mit Eleanor Roosevelt im Frühling 1946, die die amerikanische Besatzungszone besuchte, die Jella Lepman die entscheidende Unterstützung einbrachte. So wurde schließlich am 3. Juli 1946 die Internationale Jugendbuchausstellung im noch halb zerstörten Haus der Kunst in München eröffnet. Noch im selben Jahr wurde die Ausstellung in Stuttgart, Frankfurt, Hannover und Berlin gezeigt. (2) Sie stellte die erste internationale, kulturelle Veranstaltung im Nachkriegsdeutschland dar und erlaubte den vielen Besuchern aller Altersstufen und Bevölkerungsschichten durch Kinderbücher die Welt zu erkunden. (1)

Schließlich ging aus der Ausstellung die Internationale Jugendbibliothek (IJB) hervor, die 1949 ihre Pforten öffnete. Dort wurden vielfach neue Wege eingeschlagen, denn obwohl Jella Lepman keine ausgebildete Bibliothekarin war, oder vielleicht auch gerade deswegen, hatte sie viele Visionen für die neu entstandene Büchersammlung. Sie ließ ein Jugendkomitee gründen, in dem die jungen Benutzer mitbestimmen konnten, sie waren Mitgestalter bei Diskussionsrunden und in Theatergruppen. Jedes Kind sollte individuell behandelt werden. Der enge Zusammenhang zwischen Bild und Buch war für Lepman immer sehr wichtig, da so alle Kinder angesprochen werden konnten, egal welche ihre Muttersprache war und da sie darüber auch immer mehr zusammenwachsen können. In den USA war diese Vorstellung schon weiter verbreitet, in Deutschland stieß sie wiederholt auf Verstimmung. Sinnbildlich dafür ist der Kampf um das in der Bibliothek beheimatete Malstudio. Vielen anderen Bibliothekaren und den Verwaltungsbeamten war nicht klar, was dieses in einer Bibliothek zu suchen hatte. (1)

Lepman verwirklichte ihre Visionen aber weiter und gründete 1953 das International Board on Books for Young People (IBBY), eine Weltorganisation, die inzwischen Sektionen in vierundsiebzig Ländern hat. Die Ziele von IBBY sind die Förderung der internationalen Verständigung, Zugang und Verbreitung von guter Kinderliteratur weltweit und die Weiterbildung für alle an Kinder- und Jugendliteratur interessierten Menschen. Der Hans-Christian-Andersen-Preis, der alle zwei Jahren an jeweils eine/n Kinderbuchautor*in und eine/n Illustrator*in vergeben wird und der Deutsche Jugendliteraturpreis für die besten Kinder- und Jugendbücher gehen sind auf IBBY zurück. (3)

Mit über 60 verließ Lepman Deutschland wieder und ging nach Zürich. Hierzulande ist ihre Person dann auch weitestgehend vergessen und wird den großen Leistungen, die sie für die Kinderliteratur und Verständigung und Frieden zwischen den Ländern der Welt erbracht hat, kaum gerecht.

Wer noch mehr über die von Jella Lepman gegründete Organisation IBBY erfahren möchte, kann in unseren Blogbeitrag „The Music of Words“ – Heute ist Internationaler Kinderbuchtag“ 2021 reinlesen. Das diesjährige Motto lautet „Geschichten sind wie Flügel, mit denen Ihr täglich abheben könnt“. (4)

Das Zitat aus der Überschrift ist übrigens der Ausruf eines Kindes, das Lepman bei der Ausstellungseröffnung tief berührte. (3)

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Quellen

1 Anna Becchi, „Jella Lepman: Die Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek. „. LIBREAS. Library Ideas, 25, 2014, unter: https://libreas.eu/ausgabe25/05becchi/ (letzter Aufruf 15.10.2022).

2 Scherf, Walter: Lepman, Jella, In: Neue Deutsche Biographie 14, 1985, S. 304-305, unter: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119008874.html (letzter Aufruf 15.10.2022).

3 Stuttgarter Zeitung: Vor 50 Jahren starb Jella Lepman: Frieden schaffen mit Kinderbüchern, 01.10.2020, unter: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.vor-50-jahren-starb-jella-lepman-frieden-schaffen-mit-kinderbuechern.66ad3641-2f2a-48a5-bb2e-4fe298d91f9c.html (letzter Aufruf 15.10.2022).

(4) https://www.jugendliteratur.org/ibby-germany/c-100 (letzter Aufruf 15.10.2022).

Wie sind du und der Eichhörnchenverlag zusammengekommen?

Irgendwo stieß ich auf eine Ausstellung des Eichhörnchenverlags in Berlin und habe mir daraufhin die Verlags-Seite angesehen. Mir war das Konzept total sympathisch – Kunst im Bilderbuch – und ich war gerade auf der Suche nach einem Zuhause für meinen Potoschnik*. Daraufhin schrieb ich Nina an und bekam eine so wunderschöne Antwort und Reaktion auf meine Arbeit 🙂 Potoschnik war dann nicht unser Projekt – da dieser zu textlastig ist.
Bei einem wunderschönen und sehr sympathischen Atelier-Treffen und Kennenlernen haben Nina und ich dann Ideen gesammelt – und ich bekam völlig freie Hand für mein erstes Buch im Eichhörnchenverlag, was ein toller Vertrauensvorschuss und natürlich perfekte Voraussetzung für ein kreatives Arbeiten war.

Wie startest du mit einem (Buch-)Projekt?

Das ist sehr unterschiedlich – Ideen sind ja sehr eigenwillige Geister, die man nicht rufen und nur wahrnehmen kann. So kam z. B. die Idee zu UNTERWEGS irgendwie zu mir, als ich letztes Jahr auf der Rückfahrt von der Buchmesse nachts in Frankfurt strandete, da mein Nachtbus nach Berlin nicht kam. Back in Berlin musste ich dann erstmal ausschlafen und habe dann sofort ein Storyboard erstellt – dies ist aber wirklich nur eine Strukturierung der Abfolge und Seitenzahl etc. und lässt mir dann beim eigentlichen Zeichnen noch alle Freiheit. Manchmal brauche ich noch einige Zeit, um mir über das Format, die zeichnerischen Mittel u. ä. klar zu werden.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus? Wie hat Corona deine Arbeit verändert?

Corona hat mich verändert. 🙂 Meine Arbeit betreffend könnte ich das nicht genau definieren – vielleicht hat sich mein Blick mehr nach Innen gerichtet, um die Welt etwas auszublenden.
Einen normalen Arbeitsalltag gibt es nicht so ganz – ich arbeite noch 22 Stunden in einer Grundschule und versuche mir Zeiten einzuräumen, in denen ich wirklich Ruhe und Zeit finde für meine Zeichnungen. Das ist nicht immer ganz einfach und manchmal verbunden mit kleinen inneren Kämpfen… wenn ich gerade schwer vertieft bin, muss ich gleich los… und manchmal switched der Schalter im Kopf nicht so einfach um.

Wie bist du auf die Idee zum STADTSPAZIERGANG gekommen?

Die Idee einen Spaziergang durch eine Stadt zu illustrieren war schon lange bei mir – durch mein tägliches Erleben in Berlin, Erinnerungen an bereiste Städte… war meine eigentliche Idee, ein Leporello daraus zu machen. Da kam mir die oben erwähnte Freiheit für mein Bilderbuch sehr entgegen.
Eigentlich habe ich mich auch immer als Stadt-Mensch – was gerade kippt – wahrgenommen und bin fasziniert von den vielen Entdeckungen, die man spazierend so machen kann und dachte, bei all den Büchern über das Leben auf dem Bauernhof müsste ich die Landkinder in das Großstadtleben einführen.

Wie hast du die Figuren ausgesucht, beziehungsweise welche Einflüsse sind in die Figuren eingeflossen (Wohnumfeld, Reisen,…)?

Diese Frage habe ich wohl gerade oben mit- beantwortet. 🙂

Hast du eine Lieblingsfigur im Buch und wenn ja, warum?

Eigentlich nein.

Wie sieht deine künstlerische Technik aus? Kannst du sie etwas beschreiben?

Es macht mir sehr viel Spaß, Materialien zu mischen. Früher habe ich als Zeichnung immer mit Monotypien gearbeitet – seit einigen Jahren zeichne ich auch sehr gerne klassisch mit Bleistift. Mit Farbstiften, Aquarellfarben, Papierschnipseln oder Collage-Motiven bette ich meine Zeichnung dann in ihre Welt ein. Es hängt auch vom Thema der Geschichte ab, welche Technik mir passend erscheint. Der oben erwähnte Potoschnik ist nur mit Fineliner und Tusche in s/w gezeichnet.

Was ist das Besondere an diesem Buchprojekt? Gab es Unterschiede zur Entstehung des Bilderbuchs KLEINER LÖWE WILLIAM?

Den kleinen Löwen William habe ich vor Jahren für meinen Sohn Johann William – Sternzeichnen Löwe – gezeichnet. Da war die Idee, einen Tag mit all seinen kleinen Beschäftigungen und Rhythmen zu gestalten.
Der Stadtspaziergang war in der Anlage schon monumentaler (nicht nur das Format); hier musste ich erst mal den Straßenzug perspektivisch anlegen und habe dann wild erzählt. Die Seiten – wie erwähnt, sollte es ursprünglich ein Leporello werden – gehen auch ineinander über, was zu beachten war. Der kleine Löwe William spielt ja in einem ganz privaten Rahmen und beim Stadtspaziergang finden wir uns mitten im Leben auf den Straßen einer großen Stadt. Auch durch die Spielfiguren im Stadtspaziergang bekommt das Buch noch eine Dimension mehr – und wird eine kleine Bühne für die Geschichten der Kinder.

Die Fragen stellte Katharina Schulze.

Vielen Dank, liebe Karoline, dass du dir die Zeit für ihre Beantwortung genommen hast!

*Karolines Bilderbuch POTOSCHNIK ist später im Goldblatt Verlag erschienen.

Als wir im Mai auf unserem Blog von der Odyssee des STADTSPAZIERGANG berichteten, rangen wir noch mit uns.

Hin- und hergerissen waren wir zwischen dem Wunsch, immer perfekte Bilderbücher für euch zu machen und dem gleichzeitigen Widerwillen dagegen, eine ganze Auflage eines fabelhaften Buches wegen eines kleinen Fehlers zu vernichten und dieses Buch womöglich niemals wieder zu verlegen.

Jetzt ist die Entscheidung gefallen und der STADTSPAZIERGANG von Karoline E. Löffler ist endlich da!

Mit Kurven, vor allem aber mit zauberhaften Stadtszenen voller erzählender Bildmomente kann das Spielbilderbuch als preisreduziertes Defektexemplar (auch von Buchhandlungen) direkt über den Verlag bezogen werden.

Schon erreichen uns die ersten Rückmeldungen von kleinen Kindern, bei denen der STADTSPAZIERGANG als neues Lieblingsbuch jede Nacht neben dem Bett liegen muss und größeren Kindern, die mit diesem Buch das Erzählen, sogar das Erzählen in einer für sie neuen Sprache entdecken und wir wissen, wir haben uns richtig entschieden.

Übrigens: STADTSPAZIERGANG ist nicht unser einziger Neuzugang! Ebenfalls brandneu und von Karoline E. Löffler ist UNTERWEGS. Ein Silent Book und freundlicher Begleiter für all die kleinen und großen Wege und Reisen im Leben inklusive all ihrer Unabwägbarkeiten, Spannungsmomente und Freuden! Außerdem debütiert Claudia Brüggemann als Kinderbuchautorin und -illustratorin mit einem spritzigen, herrlich absurden und liebevoll einfühlsamen Dialog zwischen MONSTER & MAUS.

Schon entdeckt?

Beitragsautorin: Nina A. Schuchardt

Jedes Jahr am 2. April ist Internationaler Kinderbuchtag und das schon seit über 50 Jahren. Das Datum wurde nach dem Geburtstag vom Kinderbuchautor Hans Christian Andersen ausgewählt, der am 2. April 1805 in Odense in Dänemark zur Welt kam und der Welt Werke wie „Die kleine Meerjungfrau“ geschenkt hat.

Ins Leben gerufen wurde der Internationale Kinderbuchtag 1967 durch das International Board on Books for Young People (IBBY), einer gemeinnützigen Organisation, die Kindern und Jugendlichen weltweit Interesse an Literatur vermitteln möchte. Gegründet wurde es 1953 Zürich, Schweiz durch die deutsche Journalisten Jella Lepmann (1891–1970) und umfasst inzwischen mehr als 60 Sektionen in verschiedenen Ländern. Der heutige Sitz ist in Basel. IBBY verfügt über einen offiziellen Status sowohl bei der UNESCO als auch bei UNICEF und nimmt so Einfluss auf politische Entscheidungen im Kinder- und Jugendbuchbereich und agiert als Sprecher in diesem Sektor. (1)

Jedes Jahr steht der Internationale Kinderbuchtag unter einem anderen Motto, welches von der nationalen Sektionen des IBBY ausgewählt wird. Diese Sektion bestimmt einen einheimischen Kinderbuchautor, der eine Botschaft an die Kinder der Welt richtet und wählt ebenfalls einen Illustrator, der das jährliche Plakat gestaltet. In Deutschland wird diese vom Arbeitskreis für Jugendliteratur e. V. mit Sitz in München übernommen.

Blick in das Mitmachbilderbuch İDA’NIN YOLU / IDAS WEG von Fulya Gezer in der Bearbeitung von Karoline E. Löffler, (c) Fotografie: Eichhörnchenverlag.

Dieses Jahr heißt das Motto „The Music of Words“ – „Worte sind Trommelschläge und Flöten auf Papier“. Schirmherrschaft und inhaltliche Ausrichtung werden von der US-amerikanischen IBBY-Sektion übernommen. Das jedes Jahr eigens für den Tag gestaltete Plakat stammt vom brasilianischen Illustrator Roger Mello, die dazugehörige Botschaft an die Kinder der Welt von der kubanisch-amerikanischen Lyrikerin Margarita Engle. (2)

Der Tag soll die Freude am Lesen bei Kindern unterstützen und darauf aufmerksam machen, wie wichtig Lesen und der Zugang zu Büchern für Kinder sind. Denn leider ist weltweit ein freier Zugang zu Literatur nicht selbstverständlich. (3) Generell setzt sich deshalb IBBY für die Veröffentlichung und Verbreitung von Kinder- und Jugendbüchern ein, was durch das Internationale Abkommen über die Rechte von Kindern 1990 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Dafür ist eine gute Infrastruktur nötig, also Verlage, Druckereien usw., weshalb auch die Veröffentlichung und Verbreitung von Kinderbücher in den Mittelpunkt gestellt werden soll, ebenso wie die Förderung von Autor:innen und Künstler:innen. (1)

Übrigens: die drei meist verkauften Kinderbücher sind: „Der Hobbit“ von J. R. R. Tolkin, „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry und „Anne auf Green Gabels“ von Lucy Maud Montgomery. (3)

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Quellen

1) Giese, Sven: Internationaler Kinderbuchtag – International Children’s Book Day 2021, 15. Januar 2021, unter: https://www.kuriose-feiertage.de/internationaler-kinderbuchtag/ (letzter Aufruf: 01.04.2021).

2) Internationaler Kinderbuchtag: Weltweites Fest für die Kinder- und Jugendliteratur 2021 unter Patenschaft von USBBY, 11.02.2021, unter: https://www.jugendliteratur.org/news/internationaler-kinderbuchtag-494/?page_id=1 (letzter Aufruf: 01.04.2021).

3) Internationaler Kinderbuchtag, 02.04.2020, unter: https://www.zdf.de/kinder/logo/internationaler-kinderbuchtag-100.html (letzter Aufruf: 01.04.2021).

Nachdem wir im Blog schon einen genaueren Blick auf die Kunst der Buchrücken geworfen haben, geht es im heutigen Beitrag um die Frage, was man eigentlich alles mit seinen Büchern machen darf.

Nicht nur Literaturblogs, auch eine Vielzahl von Foren von Bücherliebhabern befassen sich mit dem Thema und es wird heiß diskutiert. Ich lege meine Bücher zum Beispiel gern auch mal mit dem Buchrücken nach oben, wenn ich gerade kein Lesezeichen zur Hand habe. Das kommt öfter vor, da meine Bücher überall in der Wohnung verteilt rumliegen, ich meistens mehrere gleichzeitig lese und manchmal auch mein Kind die Bücher anschaut und das Lesezeichen dann am spannendsten findet. Für meine Kollegin Nina ist das der Horror. Dafür hat sie seit ihrer Bachelorarbeit überhaupt keine Probleme mehr, in Bücher Notizen zu machen, was für mich ein Graus ist.

Eine Ausnahme bilden hier nur Bücher, die ich verschenke und in die ich auf der ersten Seite eine Widmung für den oder die Beschenkte schreibe. Bei Büchern vom Flohmarkt sind diese manchmal auf der ersten Seite eingetragenen Widmungen eine tolle Sache, um zu erfahren, warum das Buch ausgesucht wurde und wer es geschenkt bekommen hat und geben dem erworbenen Buch eine ganz persönliche Note.

Bei Kinderbüchern und Pappebüchern gelten für mich noch etwas andere Maßstäbe. Die Kinder haben noch mal einen anderen Umgang mit Büchern. Die Seiten können manchmal (noch) nicht so ordentlich umgeblättert werden, wie wir Erwachsenen es tun. Das Seitenblättern, knicken, rascheln gehören zum Erlebnis des Bücheranschauens dazu. Auch das Zeichnen in Bücher kann großen Spaß machen. Gut, dass Pappebücher so strapazierfähig sind und unser Buch İDA’NIN YOLU / IDAS WEG sogar ganz explizit zum Reinmalen und Mitgestalten gedacht ist.

Schaut man in die Historie, so war der Umgang mit Büchern lange Zeit sehr sorgfältig, da es meist nur wenige oder sogar nur ein Exemplar eines Buches gab und die Abschrift und Illustration enorm viel Zeit und Aufwand in Anspruch genommen hat. Dementsprechend wurden diese dann auch behandelt. Auch waren die Bücher zumeist sehr groß und schwer und somit sehr unhandlich und nicht so leicht zu transportieren. Gelesen wurden sie nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung und das zumeist in Bibliotheken oder Leseräumen zu Studienzwecken, erst im zweiten Schritt rein fürs Vergnügen. Taschenbücher, die den Transport enorm erleichterten, wurden erst Mitte des 20. Jahrhunderts erfunden.

Wie seht ihr das? Was müssen eure Bücher alles aushalten? Oder sehen sie nach dem Lesen noch fast aus wie neu? Wir sind gespannt und wünschen ein schönes Wochenende!

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Quellen

Kalkowski, Uwe: Über den Umgang mit Büchern., 3. Oktober 2019, unter: https://kaffeehaussitzer.de/ueber-den-umgang-mit-buechern/, letzter Aufruf: 16.03.2021.

Rieger, Madelaine: Der Umgang mit Büchern., 22. März 2018, unter: https://blackndbeautiful.wordpress.com/2018/03/22/umgang-mit-buechern/, letzter Aufruf: 16.03.2021.

Titelbild: Bücher mit leichten Abnutzungserscheinungen, (c) Fotografie: Joseph Bergner.

Im Eichhörnchenverlag arbeiten wir derzeit an der Erstellung einer digitalen Pressemappe. Katharina Schulze hat dafür ein paar Fragen an die Verlagsgründerin Nina A. Schuchardt formuliert. Einige davon stellen wir euch nach und nach hier auf dem Blog vor:

Katharina Schulze: Wie kommst du mit den Künstler*innen und Autor*innen zusammen?

Nina A. Schuchardt: Das ist eine gute Frage und die Antwort darauf überrascht mich manchmal selbst. Einige der Künstler*innen kenne ich schon länger mehr oder weniger gut. Mit Susanne Haun zum Beispiel arbeite ich seit meinem Studium an verschiedenen Projekten zusammen. Mit der Zeit ist aus dieser punktuellen Zusammenarbeit eine sehr fruchtbare Beziehung und auch eine Freundschaft geworden. Mit Niki Amann verbindet mich ebenfalls eine sogar noch längere Freundschaft und auch Elisa Brückner kannte ich bereits über eine Ecke, wenngleich wir vor unserer gemeinsamen Arbeit am WINDKIND kaum persönlichen Kontakt hatten.

Andere Autor*innen und Künstler*innen dagegen lerne ich über gemeinsame Freunde oder ganz ohne Vorgeschichte in Ausstellungen, über Messen oder im Internet kennen. Mit Gerd Knappe bin ich beispielsweise über einen gemeinsamen Freund in Kontakt gekommen. Bis heute gehört das für mich zu den ganz glücklichen Zufällen in dieser Verlagsgeschichte. Es ist eine bunte Mischung.

Übrigens merke ich, dass mir momentan gerade auch solche Begegnungen mit weniger engen Freunden und entfernteren Bekannten sowie das zufällige Kennenlernen bei bestimmten öffentlichen Veranstaltungen wie Ausstellungseröffnungen oder Messen für die kreative Arbeit fehlt. Das ist eine Beobachtung, die gerade viele Menschen teilen, denke ich. Wir werden alle vieles nachzuholen haben, wenn diese Pandemie irgendwann vorüber ist, aber auf diesen Aspekt der sozialen Interaktion freue ich mich inzwischen ganz besonders.


Beitragsbild: Ausstellungsansicht mit Besucherin der Kunstausstellung „Farewell Monsterparty“ von Niki Amann, 2019. (c) S. Horovitz.

Neben dem Glück, an der Entstehung Bücher des Eichhörnchenverlages beteiligt zu sein, habe ich auch einen kleinen Testleser zu Hause, der mit mir immer wieder unsere alten und neuen Lieblinge anschaut. Seit einiger Zeit nun erlebt mein Kind Bücher auch auf eine viel bewusstere Weise und genießt nicht nur die Farben und den Spaß beim Umblättern, sondern entdeckt auch ganz konkrete Tiere und Gegenstände darin.

Es bereitet mir große Freude, meinem Kind dabei zuzusehen, wie es sich mehr und mehr die Welt der Bücher erschließt und manchmal schon vertieft irgendwo in der Wohnung sitzt und konzentriert in einem Buch blättert. Die gelesenen Worte ergeben auf einmal Sinn und werden manchmal direkt in die Tat umgesetzt wie bei den MONSTERKINDERN: „Zwei kleine Monster kuscheln“. Und manchmal müssen wir nach dem Betrachten der LANDTIERE auch direkt die Oma anrufen, denn da gibt es tatsächlich einen Hund, der so ähnlich aussieht wie der von Oma.

Es ist auch immer wieder interessant, wenn wir ein neues Buch haben oder eines aus dem Bestand zum ersten Mal oder nach langer Zeit wieder anschauen zu beobachten, welche Dinge am faszinierendsten sind und am meisten begeistern. Für mich gänzlich unverständlich ist die frühe Liebe meines Kindes zu Autos. Gern sucht es diese in allen Büchern oder Zeitschriften und ist schon sehr enttäuscht, wenn in einem Buch keine zu sehen sind. Zum Glück fährt auch der KLEINE LÖWE WILLIAM an seinem aufregenden Tag ein kleines Rennen in seinem roten Flitzer. Vielleicht auch einmal ein Thema für ein Buch im Eichhörnchenverlag? Es bleibt spannend.

Wir wünschen euch ein wundervolles Wochenende, genießt das warme Wetter und ein schönes Buch!

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Titelbild: Bücherregal, (c) Fotografie: Joseph Bergner.

Er ist oft nicht so aufregend und präsent wie das Titelblatt eines Buches oder die Rückseite, die uns mehr über den Inhalt des Buches verrät, aber das Erste, was wir von einem Buch im Bücherregal sehen und damit nicht minder wichtig: der Buchrücken.

Im heutigen Blogbeitrag widmen wir uns dieser schmalen Seite eines Buches, an der der Buchblock am Einband befestigt ist.

Journalistin Julia Rothhaas beschreibt den Buchrücken wie folgt: „Denn der Buchrücken ist der Agent zwischen Auge und Kopf, der uns ein Gefühl vermittelt – und nicht nur Titel und Autor nennt. Wir sehen kurz hin und haben auch nach längerer Zeit wieder ein Gespür dafür, wie die Lektüre war. Der Buchrücken ist wie das Loch, in das Alice im Wunderland fällt, die Eingangstür zu den bunten Welten dahinter und den Gefühlen, die wir beim Lesen hatten“.  (1)

Meistens enthält der Buchrücken den Autor, den Titel und den Verlag und ist auf gestalterischer Ebene eher zurückhaltend gestaltet, da an dieser Stelle die Fakten im Vordergrund stehen und das Auffinden des Buches erleichtert werden soll. Aufwändiger, vielleicht sogar mit einem Bild versehen, sind eher weniger Buchrücken, oft einfach wegen des fehlenden Platzes. Bei einer Dilogie, Trilogie oder anderen Mehrteilern, Schubern oder Sammelbandausgaben spielt das Design des Buchrückens eine größere Rolle. Sie sind oft zusammenhängend gestaltet oder sich in einigen Punkten ähnlich, sodass man sie als zusammengehörend ausmachen kann. (2)

Lange Zeit spielte der Buchrücken in der Geschichte des Buches keine Rolle. Im Mittelalter wurden die meist großen und schweren Bücher liegend aufbewahrt, der Rücken wurde sogar oft mit einer Vorrichtung versehen, die es erlaubte, das Buch anzuketten und vor Diebstahl zu schützen. (1) Da der Buchrücken verdeckt war, wurde der jeweilige Titel durch ein Stück Pergament oder Papier gekennzeichnet, welches an einem Band aus dem Buch heraushing. (3)

Mit der Erfindung des Buchdruckes kamen auch immer mehr Bücher in Umlauf und im 16. Jahrhundert reichte der Platz nicht mehr aus, um die Bücher wie bisher liegend aufzubewahren. Die Lektüre wurde aufgerichtet, allerdings erstmal mit dem Rücken nach hinten. „Die Bücher waren zum Schutz armiert, sie trugen Metallschließen“, sagt Andreas Wittenberg, Referatsleiter der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin. „Weil man sie daran auch gut aus dem Regal ziehen konnte, wurden sie mit dem Vorderschnitt, also den Seiten, in Richtung Betrachter aufgestellt.“ Die Privatbibliothek entwickelte sich mehr und mehr zum Statussymbol und die Bücher wurden je nach Einrichtung, Geschmack und Geldbeutel vom Buchbinder gebunden, denn man kaufte nur den gedruckten Teil, nicht den Einband dazu. (1)

Der heute verbreitete Schutzumschlag, der das Bücherregal bunt und schön macht, kam erst Ende des 19. Jahrhunderts in Umlauf. Dieser wurde von den Bibliotheken tatsächlich oftmals entsorgt – er diente zu dem Zeitpunkt eben nur zum Schutz beim Transport und noch nicht als Werbemittel. (1)

Langsam wurde es dann doch üblich, in Kloster-, Palast- und in Handbibliotheken die Bücher in den Regalen mit dem Rücken nach vorne aufzubewahren. Bis ins 20. Jahrhundert wurden Buchrücken mehrheitlich aufwendig gestaltet und verziert, zum Beispiel mit Goldprägungen, Silberprägungen, Farbprägungen und Farblosprägungen oder Blindprägungen, handverzierten Ornamenten oder kostbaren Rückenvignetten. (4)

Autor, Titel und Verlag sind die wichtigsten Informationen, die uns der Buchrücken liefert. Wie diese allerdings auf dem Buchrücken angeordnet sind, unterscheidet sich stark voneinander. Eine verbindliche Norm für die Laufrichtung auf einem Buchrücken existiert in Deutschland, Österreich und der Schweiz beispielsweise nicht. (3) Die meisten Bücher im deutschsprachigen Raum werden allerdings von unten nach oben beschriftet, weil die Verlage davon ausgehen, dass der Großteil der Leser Rechtshänder ist und somit ein Buch mit der rechten Hand aus dem Regal nimmt und während der Suche nach einem Buch den Kopf nach links neigt. So sind die Titel im Regal schnell lesbar und der gewünschte Titel schnell gefunden. (5)

Bei englischsprachigen Werken ist es genau andersherum. Im Gegensatz zum linksdrehenden Längstitel wird hier beim rechtsdrehenden Längstitel der Titel von oben nach unten abgebildet. Man muss also bei einem im Regal stehenden Buch den Kopf nach rechts neigen, um den Titel lesen zu können. (4) Sind die Bücher dick genug, kann ihr Titel auch horizontal aufgebracht sein.

Ein Vorteil der angelsächsischen Variante ist, dass der Titel auch lesbar ist, wenn das Buch mit der Vorderseite nach oben flach im Regal liegt. Das Cover und der Text auf dem Buchrücken können also gleichzeitig gelesen werden. (5) Außerdem kann diese Variante sinnvoll sein, wenn die Lesbarkeit des Rücktitels wichtig ist wie auch bei buchähnlichen Publikationen wie einem Geschäftsbericht oder Katalog. Auch großformatige Publikationen wie Fotobücher profitieren von dieser Variante. (4)

Wie haben wir das nun im Eichhörnchenverlag gemacht? Da wir (bisher) keine Reihe und nur zwei zusammenhängende Bücher herausgebracht haben, nämlich die KLEINE VOGEL-WUNDERKAMMER plus Begleitbuch, sind unsere Buchrücken unterschiedlich gestaltet und dem Design und dem Format der verschiedenen Bücher angepasst. Was sich allerdings fast immer findet ist unser Logo, dass durch seine Form ziemlich perfekt Platz auf einem Buchrücken findet. Und man weiß immer, wo die Bücher des Eichhörnchenverlags im Regal stehen. Bis auf eine Ausnahme ist immer der Titel des Buches zu lesen, oft auch der Name des/der Künstler*in.

Bei den LANDTIEREN findet sich gar keine Schrift auf dem Buchrücken, da Titel- und Rückseite aus einem weiteren zusammenhängenden Bild von Susanne Haun bestehen und ein Aufdruck dieses Bild eher gestört hätte. Die eindeutige Gestaltung des Buches gibt auch so Auskunft darüber, um welches Buch es sich handelt. Bei einer unserer Neuerscheinungen, dem WINDKIND, haben wir zum ersten Mal mit Goldfolienprägung gearbeitet, die sich auch auf dem Buchrücken wiederfindet und diesen zu etwas ganz Besonderem machen.

Schaut doch auch mal in euer Bücherregal und entdeckt die Feinheiten der Buchrücken. Es gibt erstaunlich viel zu entdecken.

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Quellen

1) Rothhaas, Julia: Umschlagplatz, 13. November 2015, unter: https://www.sueddeutsche.de/stil/buchruecken-umschlagplatz-1.2734411 (letzter Aufruf: 10.02.2021).

2) Merschmann, Yvonne: Ein schöner Rücken kann entzücken: Buchrücken, 26. August 2018, unter: https://seitenglueck.wordpress.com/2018/08/26/allgemein-ein-schoener-ruecken-kann-entzuecken-buchruecken/ (letzter Aufruf: 10.02.2021).

3) ZVAB – Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher: Rückblickend betrachtet – Von der Schönheit des Buchrückens unter: https://www.zvab.com/antiquarische-buecher/buchruecken.shtml (letzter Aufruf: 10.02.2021).

4) Beinert, Wolfgang: Buchrücken, 14. Mai 2020, unter: https://www.typolexikon.de/buchruecken/ (letzter Aufruf: 10.02.2021).

5) Michalski, Thomas: Haben Sie schon mal über die Ausrichtung von Buchrücken nachgedacht?, 19. März 2012, unter: https://thomas-michalski.de/2012/03/19/haben-sie-schon-mal-uber-die-ausrichtung-von-buchrucken-nachgedacht/ (letzter Aufruf: 10.02.2021).

Titelbild: Bücher des Eichhörnchenverlags. Fotografie: SH, (c) Eichhörnchenverlag.

Im Eichhörnchenverlag arbeiten wir derzeit an der Erstellung einer digitalen Pressemappe. Katharina Schulze hat dafür ein paar Fragen an die Verlagsgründerin Nina A. Schuchardt formuliert. Einige davon stellen wir euch nach und nach hier auf dem Blog vor:

Katharina Schulze: Wie bist du auf die Idee gekommen, einen eigenen Verlag zu gründen?

Nina A. Schuchardt: Ich bin in einem kunst- und kulturaffinen Umfeld aufgewachsen, das mich früh in die Welt der bildenden Künste, der Musik, des Theaters und der Literatur eingeführt hat. Als ich mich nach dem Abitur entschloss, Kunstgeschichte zu studieren, habe ich trotzdem – eher nicht von meiner Familie, aber doch von Freund*innen und Bekannten – oft die Frage gehört, was ich damit denn später mal anfangen wolle? Mit den Kultur- und Geisteswissenschaften sei schließlich kein Geld zu verdienen. Oft verbunden mit dem Hinweis, ich solle doch besser „etwas vernünftiges“ studieren.

Das ist eine Frage, die ich damals meistens als übergriffig empfunden habe, denn sie implizierte für mich die eigene Neigung und Leidenschaft sei es nicht wert, in größerem Umfang verfolgt zu werden, wenn sie nicht auch sicher monetär ausbeutbar wäre, ja verdiene nicht einmal die eine Chance, die in einem Versuch liegt. An schlechten Tagen habe ich auf diese Frage darum geantwortet, ich würde eigentlich auf Imbissbudenverkäuferin oder Taxifahrerin studieren. An guten Tagen habe sagte ich, dass ich mir zum Beispiel vorstellen könnte, in einem Kunstbuchverlag zu arbeiten, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatte, wie die Arbeit in einem Verlag eigentlich genau aussieht. Ich denke, dass in dieser Antwort auf eine unbequeme Frage das Samenkorn meiner späteren Verlagsgründung lag.

Die Idee zu einem eigenen Bilderbuchverlag reifte dann ab Anfang 2015. Da war mein Kind gerade ein Dreivierteljahr alt und schon ein echter Bücherwurm. Ich fand die Zeit, die wir gemeinsam mit dem Betrachten und Vorlesen von Bilderbüchern verbrachten richtig schön und unheimlich wertvoll und war gleichzeitig zunehmend frustriert davon, weil es so wenige Pappebücher gab, die uns beide gleichermaßen Freude gemacht hätten. Die bildnerisch spannendsten Pappebilderbücher in unserem Regal waren bis auf wenige Ausnahmen schon seit Generationen in der Familie. Das fand ich als betrachtungsgeschulte Person unbefriedigend und ich merkte, dass mir das auch die Lust an der gemeinsamen Bilderbuchbetrachtung mit meinem Kind schmälerte.

Der tatsächliche Gründungsimpuls entstand aber in einer Ausstellung der Künstlerin Susanne Haun, die ich 2015 kuratiert und auch gemeinsam mit meinem, dann schon ein Jahr alten Kind besucht hatte. In dieser Ausstellung konnte ich erleben, dass mein Kind und ich von den gleichen Bildern, aber auf ganz unterschiedlichen Ebenen angesprochen und fasziniert wurden und ich erkannte, dass genau das der Moment war, den ich in Pappebüchern oft vermisste und entsprechend selbst umsetzen wollte.

Zum Glück hat Susanne Haun dann auch gleich zugesagt, mit mir an einem ersten Bilderbuch zu arbeiten. Daraus wurde dann das Bilderbuch LANDTIERE von Gerd Knappe, Susanne Haun und Thomas Lemnitzer.

Beitragsbild: Die ersten fünf Bücher des Eichhörnchenverlags. (c) Eichhörnchenverlag.