Die LANDTIERE – Kunst in Büchern für Babys

Die LANDTIERE – Kunst in Büchern für Babys

Nachdem der von der Pandemie erzwungene Rhythmenwechsel unsere diesjährige Novität abseits des Pappebuchs SUSANNE HAUN | Werkschau 2013 – 2020 gleichermaßen ermöglicht, wie auch erschwert und verzögert hat, steht sie nun ganz kurz davor, endlich in den Druck zu gehen, damit ihr sie an Weihnachten in den Händen halten könnt! Wir nehmen das zum Anlass, euch hier schon einmal einen kleinen Einblick zu gewähren. Es ist eine persönlich-philosophische Diskussion von Kunstwerten und ihren Abhängigkeiten im Allgemeinen und auch ein Blick in die Gründungsgeschichte des Eichhörnchenverlags und ich freue mich sehr, dass dieses Thema in der Werkschau Platz gefunden hat! Es ist im Übrigen aber auch die einzige Stelle, an welcher die Verbindung der Künstlerin Susanne Haun mit dem Eichhörnchenverlag besonders beleuchtet wird, denn diese vielseitige Künstlerin hat noch so viel mehr zu bieten! Einen weiteren Einblick in die Werkschau könnt ihr hier gewinnen.


Die LANDTIERE – Kunst in Büchern für Babys

von Nina A. Schuchardt

Was ist ein gutes Kunstwerk?

Ich glaube, eine Teil der Antwort auf diese Frage lautet: Ein gutes Kunstwerk ist eines, das Interesse weckt. Ein wertvolles Kunstwerk ist eines, das Bedeutung entfaltet und zwar entweder in einem größeren kulturellen oder gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, innerhalb einer bestimmten Personengruppe oder in einem individuell persönlichen Rahmen.

Jede Person hat nach dieser Grundannahme die Möglichkeit einem Kunstwerk Qualität und Wert beizumessen oder abzusprechen, ohne dass sich daraus ein allgemeingültiges Urteil ableiten ließe.

Kunstbetrachtung ist ein fluider Prozess und wird nach meiner persönlichen Überzeugung niemals zu einem unumstößlichen Schluss führen. Höchstens in – an der Zahl existierender Kunstwerke bemessen – ganz wenigen Fällen zu einer, über längere Zeit und weiten Raum geltenden, Urteilseinigkeit.

Die Beurteilung eines Kunstwerks ist also stets von seinem konkreten Betrachtungszusammenhang abhängig. Das bedeutet auch, dass die Beurteilung von Bilderbüchern in all ihren Teilen allen Leser*innen und Betrachter*innen gleichermaßen zusteht. In diesem Fall zweier sehr unterschiedlichen Personengruppen, nämlich Babys und kleiner Kinder sowie deren erwachsenen Bezugspersonen mit unterschiedlichen Bedürfnissen.

Wir wissen, dass Babys und Kleinkinder bestimmte visuelle Reize ansprechend finden. Dazu gehören kräftige, klare Farben, deutlich erfass- und erfahrbare Strukturen, Formen und Figuren, an denen die Umwelterfahrung und Begriffe geübt werden können.

Erwachsene Menschen bringen ein anderes Set an Erwartungen und Kriterien in die Betrachtung mit ein, z. B. den Wunsch nach der Sichtbarkeit handwerklichen Könnens und nach Bedeutungszusammenhängen auf verschiedenen (Meta-)Ebenen, die wir mit unseren gewachsenen Erfahrungs- und Wissenshorizonten verknüpfen und entschlüsseln können. Dies soll heißen, ein Werk wird dann als gut empfunden, wenn wir es als interessant und lohnend empfinden, uns emotional oder intellektuell eingehend damit zu beschäftigen.

Eine weitere Besonderheit der kindlichen Bild- und Buchbetrachtung ist der dringende Wunsch nach Wiederholung. Das Lieblingsbuch eines einjährigen Kindes schauen seine Bezugspersonen womöglich über Wochen jeden Tag mehrmals mit dem Kind an. Bei jedem dieser Betrachtungsvorgänge wird das Kind wieder mit Interesse und Begeisterung dabei sein und bei jeder dieser Gelegenheiten wird es sich wünschen, diese Emotionalität auch bei seiner Bezugsperson gespiegelt und begleitet zu finden. Diesen Wunsch zu bedienen ist eine große Herausforderung für den Menschen und auch für das Werk.

Es gehört zu den bemerkenswerten Qualitäten und Alleinstellungsmerkmalen der Bilder Susanne Hauns, dass sie es schaffen, solch unterschiedliche Betrachter*innengruppen für sich zu gewinnen. So ist es möglich, dass eine erwachsene und in der Kunstbetrachtung erfahrene Person und ein Kleinkind gemeinsam in eine Ausstellung Hauns gehen und beide auf unterschiedliche Weise bewegt und beschäftigt sind!

In der Folge dieser Beobachtung war es eine logische Entscheidung des Eichhörnchenverlags die Künstlerin Susanne Haun um ihre Mitarbeit am ersten Bilderbuch des Verlags mit dem Titel LANDTIERE zu bitten. Die so explizit für ein Bilderbuch entstandene Bilderserie LANDTIERE, bringt die dem ganzen Werk Hauns inhärente Eigenschaft der Vielzahl verschiedenster Anknüpfungspunkte für unterschiedlichste Betrachtungswinkel auf den Punkt.

Beitragsautorin: Nina A. Schuchardt

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