ART IS FOR EVERYONE

ART IS FOR EVERYONE

Im Zuge unserer Arbeiten an unserem Verlagsprogramm 2020 ist ein weiterer Text entstanden. Nachdem der letzte Text das Thema Nachhaltigkeit behandelte, beschäftigt sich dieser mit dem Kunstbegriff des Eichhörnchenverlags.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und Nachgrübeln!

Übrigens: Wer uns und unsere Bücher live und in Farbe erleben möchte hat an diesem Wochenende bei der BuchBERLIN Gelegenheit dazu. Wir freuen uns auf euch!

GANS aus der Serie LANDTIERE. Collage von (c) Susanne Haun.

ART IS FOR EVERYONE

…und fragt nicht nach ihrer Betrachter*innen Alter!

Was ist Kunst? Was ist die Aufgabe der Kunst? Für wen ist die Kunst?

Wir suchen in unseren Bilderbüchern Kunstwerke zu zeigen, die für sich stehen und stets ihre ganz eigenen Geschichten erzählen, ohne Rücksicht und ohne Abhängigkeit von anderen Werken in Wort oder Bild.

Wir glauben, dass jedes in sich geschlossene und frei entwickelte Kunstwerk ein schier unerschöpflicher Fundus an Geschichten ist. Es erzählt von der Person und der Realität seiner Schöpfer*innen, von Materialien, Zeit und Motiven und immer wieder als Spiegel von den Horizonten seiner Betrachter*innen und von möglichen Perspektiven über diese Horizonte hinaus.

Jedes Mal, wenn wir uns einem Kunstwerk zuwenden, können wir eine Teilmenge dieser Geschichten erfahren und fügen unseren eigenen Anteil hinzu und jedes Mal, wenn wir unsere Betrachtungen mit einem anderen Menschen teilen, werden wir einen ganzen Schatz neuer Geschichten entdecken und uns an ihnen erfreuen und wachsen können. Darum glauben wir, dass Kunst in aller Menschen Hände und auch ins Bilderbuch für die Allerkleinsten gehört.

Kunst fließt. Ob unser Kunstbegriff tatsächlich der Kunst in unseren Büchern entspricht, können wir nicht beurteilen. Jede*r von uns, ob klein, ob groß hat einen eigenen Geschmack und so bleibt unser Kunstbegriff frei, mit unbestimmtem Ausgang ohne einer vorbestimmten Erzählung zu folgen – auch nicht unserer eigenen.

Hierin liegt das Wunder des Kunstwerks.

Wir laden herzlichst zur Adventskalendersoirée am 1. November um 17:30 Uhr im FUNDSTÜCK in Berlin-Prenzlauer Berg.

Wir freuen uns riesig mit dem FUNDSTÜCK einen wunderschönen Ort zur zeitweiligen Präsentation der Bilder WINTERSCHLOSS von Karoline E. Löffler und ADVENT AM WALDESRAND von Maike Schuchardt gefunden zu haben.

Die Inhaberin des FUNDSTÜCK Silke Strempel hat ihren Laden zu einem Hort hochkarätigen Designs in schönsten Materialien und ausgesuchter Literatur gemacht. Einen kleinen Ausblick auf diese Schätze findet ihr auf Instagram.

Im FUNDSTÜCK, scheint es, findet Platz, was gefällt, berührt und Bedeutung hat und so freuen wir uns auf einen Abend voller Kunstgenuss, anregendem Gespräch, manch einer Entdeckung und natürlich mit vielen neugierigen Besucher*innen.

Kommt vorbei!

Seit letztem Jahr schon darf sich der Eichhörnchenverlag einen Teil der wunderbaren Verlagsbuchhandlung unabhängiger Verlage SHAKESPEARES ENKEL nennen.

Die Idee hinter der Gründung der Verlagsbuchhandlung SHAKESPEARES ENKEL in Dresden war der Wunsch unabhängigen Kleinverlagen eine Bühne und einen realen Raum zu geben, in welchem sie sich und ihre Bücher den Leser*innen vis á vis vorstellen können. In diesem Sinne stehen im Laden in der Regel echte Verleger*innen hinter dem Tresen und werden zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt.

Eine Teilmenge der Kreativköpfe von SHAKESPEARES ENKEL steckt ihre Energie außerdem auch in die Buchmesse DRESDEN (ER)LESEN.

Die DRESDEN (ER)LESEN findet am Tag des Offenen Denkmals, am 8. September 2019 auf Schloss Albrechtsberg in Dresden statt. Der Eichhörnchenverlag ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei und wir freuen uns schon sehr auf die tolle Lokation, die wunderbaren Kolleg*innen und natürlich auf viele neugierige Besucher*innen!

Wenn ihr in Dresden seid, dann kommt vorbei – am 8. September 2019 bei der DRESDEN(ER)LESEN und jederzeit bei SHAKESPEARES ENKELN! 🙂

Wenn der Blog des Eichhörnchenverlags schläft, dann ist die Verlegerin mit anderen Aufgaben voll beschäftigt. Nun ist es an der Zeit den Blog wieder zu wecken und nach und nach von den vielen neuen und spannenden Projekten, Themen und Inspiration schaffenden Abschweifungen zu erzählen!

Den Anfang macht ein Blick auf die Ausstellung VERBUNDENE SPUREN von Carla Pohl und Doreen Trittel, die ich am vergangenen Wochenende eröffnen durfte.

Wer die Ausstellung besuchen möchte, hat dazu noch bis zum 28. September 2019 Gelegenheit. Eine Öffnung der Ausstellung ist nach vorheriger Absprache – zum Beispiel mit mir (Nina A. Schuchardt, kontakt@eichhoernchenverlag.de) – jederzeit möglich. Es lohnt sich!

Laudatio
VERBUNDENE SPUREN von Carla Pohl und Doreen Trittel

Sehr geehrte Gäste, liebe Freunde,

ich begrüße Sie herzlich zur Eröffnung der multidisziplinären Ausstellung VERBUNDENE SPUREN von Carla Pohl und Doreen Trittel.

Die Ausstellung wurde möglich gemacht durch eine Förderung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, wofür wir herzlich danken.

Das Kulturangebot in der Dorfkirche Roddahn, organisiert vom Arbeitskreis Offene Kirche Roddahn e. V. bedarf stets vieler helfender Hände. Alle Interessierten laden wir herzlich ein, ein Teil unseres Vereins zu werden und bitten darüber hinaus, wenn möglich eine Spende zum Erhalt des Gebäudes und der Finanzierung unserer Veranstaltung in unserem kleinen Kirchenmodell am Eingang dazulassen.

Auch möchte ich Sie auf die Crowdfunding-Kampagne „In erster Linie bin ich Mensch und die Kamele interessieren mich mehr“ von Carla Pohl, einem neuen Projekt mit dem Thema gelebter Feminismus, Umwelt-, Naturschutz und Landwirtschaft aufmerksam machen. Es handelt sich dabei um ein inhaltlich wie technisch hoch spannendes Projekt der Künstlerin und ist unbedingt unterstützenswert. Die Crowdfunding-Kampagne läuft noch bis zum 12. September 2019.

VERBUNDENE SPUREN …. was ist das eigentlich?
Nun es ist ein gemeinsames Installationskonzept der beiden Berliner Künstlerinnen Carla Pohl und Doreen Trittel.

Von beiden Künstlerinnen hängen Einzelarbeiten in dieser Ausstellung – von Carla Pohl stammen die fotografischen Triptychen, von Doreen Trittel die Schießscheiben und einige Collagen. Nicht nur, aber auch mit Blick auf den sich zum 30sten male jährenden Mauerfall haben sie diese Arbeiten und auch ihr aktuelles Schaffen zusammengetan und dieses gemeinsame Projekt gewagt, dass ihr geteilte Erfahrung der Kindheit und Jugend in der DDR zum Ausgangspunkt nimmt.

Die beiden Künstlerinnen ergänzen sich in diesem Projekt hervorragend, obwohl sie eigentlich recht unterschiedlich arbeiten. Ich stelle mir das so vor:

Beide Künstlerinnen beginnen ihre Interessenswege bei sich, aber während Carla Pohl eine Persönlichkeit auf ihren Facettenreichtum, ihre Identitätsvarianten untersucht und dabei quasi Strahlenförmig in alle möglichen Richtungen ausgreift, führt Doreen Trittels Weg ihr Arbeiten zurzeit fast linear in die Vergangenheit. Für mich fühlt sich das an, als würde sie tief und immer tiefer in den Boden greifen, in dem Versuch eine Wurzel zu fassen, wohl wissend, dass diese eine Wurzel vielleicht nie zu fassen sein wird.

Für VERBUNDENE SPUREN haben sich die beiden einer gemeinsamen Fragestellung gewidmet.

Sie haben sich mit Erinnerungen beschäftigt. Mit persönlichen, wie kollektiver Erinnerungen, mit solchen die privat sind und solchen die politische geprägt wurden sowie jenen, bei denen beides nicht zu trennen ist. Sie haben untersucht, was es bedeutet, selektiv zu erinnern und wie sich Erinnerungen mit wachsender Reife, mit jeder neuen Erkenntnis und neuem Wissen verändern, umdeuten. Sie haben sich gefragt, wie ihre Erinnerungen sie formen und sicher auch, welche von diesen Erinnerungen ihnen wertvoll sind und welche losgelassen werden sollten oder könnten.

Das Ergebnis dieses gemeinsamen Diskurses sehen wir in den gemeinsamen Werken der beiden, in den Fotografien Carla Pohls, von Doreen Trittel stickend fortgeführt. Das Hauptwerk dieses gemeinsamen Prozesses ist das Abbild einer Statue der allegorisierten „Mutter Heimat“. Der persönliche Blick Carla Pohls auf das politische Denkmal verbindet sich darin mit den Applikationen Doreen Trittels, die die ästhetische Verbindung historischer Artefakte nutzt, um das kritische Denken zu kitzeln.

Die gemeinsame Arbeit fördert und fordert das Gespräch zwischen den beiden Künstlerinnen wie auch unter den Betrachter*innen und es ist ein spannender Diskurs, auch oder vielleicht gerade, weil er auch diese Momente ans Licht bringt, in welchen klar wird, dass es auf manche Fragen keine oder gleich viele Antworten gibt.

30 Jahre ist der Wendepunkt her, auf welchen sich die Künstlerinnen immer wieder beziehen, über 30 Jahre liegt die ostdeutsche Kindheit und Jugend der beiden in der Vergangenheit und trotzdem…

Blicken wir auf das aktuelle politische Geschehen:
„Vollende die Wende“ … wer hat diesen Slogan in letzter Zeit gelesen?

Die AfD macht damit auf ihren Wahlplakaten [Wahlplakate zur Brandenburger Landtagswahl am 1. September 2019] auf perfide Weise Gebrauch vom diesjährigen Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“, das eben gerade in aller Munde ist. Sie missbraucht die Aufmerksamkeit, die durch die vielen großen und kleinen Feste, Momente der Rückschau, des Erinnerns und Begreifens, des Analysierens und Kritisierens – wie dieser Ausstellung hier – aufgebaut wird, um ihren ausgrenzenden und faschistoiden Ideen auf einen bereits vorhandenen breiten Diskurs aufzusetzen und ihnen vermeintliche historische Größe zu verleihen.

Und sie geht noch weiter. In einem Flyer, den viele von uns am letzten Wochenende in ihrem Briefkasten gefunden haben dürften, schreibt sie mit Blick auf die Wendezeit: „Wir wollten die Freiheit und bekamen […]“ etwas, das der AfD halt gerade nicht in den Kram passt.

Freiheit aber, die individuelle Freiheit eines jeden einzelnen von uns, geht immer nur so weit, wie die Freiheit aller anderen. Sie endet dort, wo sie die Freiheit eines anderen Menschen verletzt.

Deshalb sind Freiheit und Demokratie langsam und schmerzvoll, auch nach 30 Jahren noch. Sie brauchen Räume, die offen sind für Austausch und Diskussion, für Fest und Feier, Streit und Provokation, für Fragen, Trost und Mut. Solch einen Raum, in welchen allem Menschen willkommen sind, wollen wir mit dieser Ausstellung beitragen.

In diesem Sinne freut es mich sehr, dass Sie alle Ihren Weg heute hierher gefunden haben, um in der Installation VERBUNDENE SPUREN von Carla Pohl und Doreen Trittel ein Teil dessen zu werden! Und ich danke den beiden Künstlerinnen von Herzen dafür, dass sie ihre Arbeiten und Gedanken hierher getragen haben.

Ich möchte die Gelegenheit auch nutzen, Sie zu unserem nächsten Sommersalon und Erzählcafé „30 Jahre ’89“ am 21. September einzuladen, wo wir diesen Diskurs auch im Beisein der beiden Künstlerinnen fortsetzen werden.

Vorher aber nicht vergessen: wählen gehen und am besten noch jemanden einladen mitzukommen, denn morgen ist Wahl und die Größe der Macht, die die AfD in die Hände gelegt bekommen wird, wird nicht davon abhängen, wie viele Menschen sie wählen. Sie wird von der Zahl derer abhängen, die wählen gehen und ihr Kreuzchen irgendwo anders machen und damit ihre wie die Freiheit aller anderen feiern werden!

Jetzt aber lade ich Sie erst einmal zu einem Glas Sekt ein, bevor uns in wenigen Minuten Doreen Trittels Performance „immer bereit?!“ erwartet.

Vielen Dank!

Nina A. Schuchardt
Roddahn, den 31. August 2019

Carla Pohl und Nina A. Schuchardt erschöft, aber glücklich nach der Ausstellungseröffnung (es waren über 30° C an diesem Tag…). (c) Foto: Doreen Trittel.

Letzte Woche hatte ich die große Freude, an einer Ausstellungseröffnung teilnehmen und auch ein wenig mitwirken zu dürfen.

Das Bürgerhaus Gottin stellt zurzeit und noch bis September zahlreiche Werke Jesko Donsts aus. Die Schau umfasst Arbeiten aus vielen seiner Schaffensphasen und schafft den weiten Bogen von frühen Tuschezeichnungen aus der Kindheit des Künstlers, über seine Meisterschaft in der Porzellanmalerei, seine Entwicklung in der Acryllasurmalerei – darunter auch einige Originale aus unserem Bilderbuch KLEINE VOGEL-WUNDERKAMMER – bis hin zu jüngsten Aquarellgemälden.

Das Bürgerhaus Gottin steht etwas abgelegen in der Mecklenburgischen Schweiz und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen, nichtsdestotrotz ist die Qualität der versammelten Werke so groß, dass ich nur empfehlen kann einen Ausflug zu machen, besonders jenen, welche es zur sommerlichen Urlaubszeit eh in Richtung Ostsee oder Mecklenburger Seenplatte zieht!

Die Eröffnung der Ausstellung war wunderbar und sehr sympathisch organisiert. Die Gäste hatten Gelegenheit Platz zu nehmen und ein abwechslungsreiches Programm zu genießen. Renate Hippauf führte durch den Abend, gab eine Einführung in die Ausstellung und entlockte dem Künstler im Rahmen eines Live-Interviews noch manche spannende Anekdote und Hintergrundgeschichte. Ich selbst durfte auch ein paar Worte sagen, die unten nachgelesen werden können.

Die verschiedenen Wortbeiträge wechselten sich mit Klaviermusik ab. Wir lauschten mehreren Stücken der Romantik, welche sich mit dem Sehnsuchtsort Wald sowie dem Erleben und Empfinden von Natur auseinandersetzten, gespielt vom gerade erst mehrfach ausgezeichneten Pianisten Daniel Prinz.

Kurzum, es war sehr schön und ich danke allen Mitwirkenden!

Das Bürgerhaus Gottin bzw. der darin wirkende Förderverein Bürgerhaus der Gemeinde Warnkenhagen e. V. ist übrigens für den Engagementpreis Mecklenburg-Vorpommern 2019 nominiert, für welchen hier abgestimmt werden kann.

Herzlichen Dank an Dr. Lutz Rzehak für die Erlaubnis zur Verwendung seiner Fotos.

PS: nachdem der Eichhörnchenverlag zuletzt eine längere Blogpause eingelegt hatte, soll es nun wieder öfter etwas Neues von uns zu lesen geben. Wer deshalb zwar nicht jede Woche auf die Homepage gehen und trotzdem nichts verpassen möchte, kann übrigens auch unseren Newsletter bestellen. Unser Newsletter erscheint alle ein bis zwei Monate und enthält immer alle wichtigen Neuigkeiten und Termine.

Laudatio zur Eröffnung der Ausstellung „Naturschönheiten“ von Jesko Donst im Bürgerhaus Gottin

von Nina A. Schuchardt

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich zur Eröffnung der Ausstellung „Naturschönheiten“ hier im Bürgerhaus Gottin.

Ich möchte zuallererst meinen Dank aussprechen. Dank für die Einladung hierher an Jesko Donst und besonderen Dank an Frau Dr. Niemann und Frau Hippauf für die Organisation und Kuration dieser Ausstellung, sowie allen anderen, die hier am Bürgerhaus Gottin mitwirken. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass solch ein Engagement viel Zeit und Energie und Leidenschaft abverlangt und manchmal sehr anstrengend ist. Es sind aber genau solche Projekte wie die kultur- und miteinanderstiftende Nutzung des Bürgerhaus Gottin, die kleine und abgelegenere Orte und Gemeinschaften lebendig und fruchtvoll halten. Mit diesem Wissen also: Vielen Dank Ihnen allen!

Mein Name ist Nina Alice Schuchardt, ich bin Kunsthistorikerin und Verlegerin von Bilderbüchern.

Ich hatte das Glück, eines dieser Bilderbücher mit Jesko Donst machen zu können. Die KLEINE VOGEL-WUNDERKAMMER -so heißt es – ist im März dieses Jahres erschienen und diesem Umstand verdanke ich wohl auch das ich heute hier sprechen darf. Das Bilderbuch versammelt fünf Acrylgemälde, die von den vier Jahreszeiten bzw. dem Lauf eines Tages inspiriert sind und von Vögeln und diversen anderen Lebensformen bevölkerte Landschaften und Arrangements vorstellen.

Auf meinem Lieblingsbild in diesem Buch – wenn man das überhaupt so sagen kann – sind Eisvögel die Stars der Stunde. Unter den Nebendarstellern im Bild finden sich aber auch zwei Hain-Bänderschnecken und warum ich das jetzt besonders bemerkenswert finde, möchte ich gern mit einer kleinen Anekdote erläutern, die geeignet ist zu zeigen, was die Bilder Jesko Donsts mir persönlich bedeuten.

Letzte Woche war ich mit meiner Familie im Museum für Naturkunde in Berlin. Ich liebe dieses Museum. Ich war als Kind schon oft mit meinen Großeltern dort und fahre heute ebenso gern mit meinem Kind hin, welches – wie ich – nicht genug bekommt, von diesem Haus.

Das Museum für Naturkunde in Berlin legt ganz besonders großen Wert auf die Darstellung der wunderbaren Artenvielfalt unseres Planeten Erde und deren evolutionäres Werden. Ein ganzer Hauptsaal ist der Vielfalt unserer Biodiversität und der Funktion der Evolution gewidmet und zeigt diese in einer umfassenden Umschau von Exponaten aus allen Teilen der Erde, als eine große bunte und vielfältige Familie vereint.

In diesem Saal findet sich unter anderem eine Sammlung Schneckenhäuser von Hain-Bänderschnecken. Sie illustrieren im Ausstellungskontext den großen Variantenreichtum, der innerhalb mancher Arten vorkommt ebenso, wie die schier unglaubliche Kraft mancher Arten, sich neuen Gegebenheiten anzupassen und mit dieser Anpassungsfähigkeit neue Räume zu erschließen und zu emigrieren. Im Falle der Hain-Bänderschnecke inzwischen bis nach Nordamerika.

Vor dieser Vitrine habe ich festgestellt, dass es für all das, was ich an Jesko Donsts Bildern bewundere und was sie für mich bedeuten ein Symbol gibt und dieses Symbol habe ich hier in meiner Hand. Es ist das Haus einer Hain-Bänderschnecke.

Der perfekte Aufbau eines Schneckenhauses, der einer logarithmischen Spirale gleicht, steht mir für die präzise Technik, das perfektionierte Handwerk des Künstlers, welches wir als ästhetisch und im höchsten Maße bestaunenswert wahrnehmen.

Das Haus der Hain-Bänderschnecke steht mir auch für das Wissen, dass jedes seiner Bilder vermittelt. Nicht nur gereicht die bereits erwähnte präzise Malweise manch wissenschaftlicher Beschreibung zu Ehre, es ist aus diesen Bildern tatsächlich für jede*n von uns viel Wissen zu erlangen. Ich zum Beispiel habe bei der Beschäftigung mit ihnen (und besonders mit dem eingangs erwähnten Eisvogelbild) gelernt, dass es ganz unterschiedliche gestreifte Schnecken gibt, darunter die Garten- und die Hain-Bänderschnecken und wodurch sie sich unterscheiden: Die Hain-Bänderschnecke hat eine dunkle Hausmündung.

Schon in dem allerersten Bild, dass ich mir von Jesko Donst je näher angesehen und mit welchem ich mich intensiv beschäftigt habe, war der heimliche Star eine Hain-Bänderschnecke und dabei fiel mir etwas auf: Der Duktus, die Inszenierung des Motivs ähnelte der niederländischen Stilllebenmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts, besonders der Wald- und Blumenstilllebenmalerei.

Die Niederlande wurden im 17. Jahrhundert zu einer der wichtigsten See- und Wirtschaftsmächte und oft genug dienten die Stillleben dieser Zeit dazu, den neugewonnen Reichtum; die aus allen Teilen der Welt – zum Beispiel in Form von Tulpenzwiebeln – herbeigebrachte Pracht, zu zeigen. Der Unterschied ist nur, dass Jesko Donst uns in der Regel die Pracht vor unserer Haustür vorführt, die wir sonst so oft übersehen oder sogar mit Füßen treten.

Die Zurschaustellung der Schneckenhäuser im Berliner Museum für Naturkunde zielt in eine ähnliche Richtung. Sie bedeutet die sichtbare Bewunderung dieser zunächst unscheinbaren Wesen und eine Würdigung ihres Platzes in unseren Ökosystemen. Dieselbe Achtung und Bewunderung für alles Lebendige findet sich in den Bildern Jesko Donsts, die uns die Einzigartigkeit und Schönheit allen Seins vorführen und uns mahnen, dies zu schätzen und zu schützen.

Ich bin froh, Jeskos Donsts Bilderkosmos in meinem Leben zu haben, denn er öffnet mir für diese Dinge die Augen und lässt mich auf den Wegen der Ästhetik entdecken, erfahren, begreifen und empfinden, wie wertvoll jedes noch so kleine und noch so andere Leben ist.

Lieber Jesko, deine Bilder sind mir stets aufs neue ein Fest für die Augen, den Kopf und das Herz. Es ist wunderbar, dass dieses Fest in dieser Ausstellung wieder einmal in großer Runde gefeiert wird!

Ich wünsche uns allen viel Freude dabei!

Vielen Dank.

Wir lieben ihre Monster, ihre Ornamente, ihre Farben… Die Künstlerin Niki Amann begleitet den Eichhörnchenverlag schon seit seiner Gründung. Erst als Freundin, dann auch als Urheberin unseres zweiten Bilderbuchs MONSTERKINDER.
Nun zieht es sie aus unserer Nachbarschaft im schönen Brandenburg in die ebenfalls schöne Schweiz. Grund genug für uns, gemeinsam mit dem Arbeitskreis Arbeitskreis Offene Kirche Roddahn e. V. eine kleine Retrospektive über ihr bisheriges Schaffen zu wagen und mit einer bunten Ausstellung einen schönen Abschied zu feiern!

Am 8. Juni 2019 um 14:00 Uhr werden wir die FAREWELL MONSTERPARTY feierlich eröffnen. Kommt vorbei* und nutzt die Gelegenheit in den quirlig-spritzigen, manchmal auch grausam-melancholischen, immer lebensfeiernden Bilderkosmos der Niki Amann einzutauchen!

FAREWELL MONSTERPARTY
Malerei und Zeichnung von Niki Amann
08.06. – 29.06.2019

Vernissage: 08.06.2019, 14:00 Uhr
Laudatio: Nina Alice Schuchardt (Kunsthistorikerin und Verlegerin)

Finissage: 29.06.2019, 14:00 Uhr
Weitere Öffnungszeiten nach Absprache (kontakt@eichhoernchenverlag.de)
Kuratorin: Nina A. Schuchardt

* Für Berliner*innen, die gern mit dem Zug zur Ausstellung kommen würden, richte ich gern einen Shuttle vom Bahnhof Neustadt(Dosse) zum Veranstaltungsort und zurück ein! Eine kurze Mail an kontakt@eichhoernchenverlag.de (Nina A. Schuchardt) genügt.

Auf geht es, zu unserem ersten Outdoor-Termin dieses Jahres.

Am Montag, den 15. April von 17 bis 20 Uhr feiert die Stadtbibliothek Wittstock/Dosse (Bibliothek im Kontor) ihr zweites Hoffest und wir freuen uns sehr, in diesem Jahr dabei sein zu können.

Das explizit für die Bibliotheksnutzung sanierte und 2012 als Bibliothek eröffnete denkmalgeschützte Gebäude verströmt bereits auf Fotos viel Charme und auch eine sehr geschmackvolle Einrichtung lässt sich erahnen. Wir sind wahrhaftig wahnsinnig neugierig! Ebenso beeindruckend wie die Erscheinung und außerordentlich vielfältig ist außerdem das Veranstaltungsprogramm, dass die Bibliothek mit ihrem Förderverein auf die Beine stellt. Dazu gehören nicht nur besagtes Hoffest, sondern auch Talkshows, Poetry Slams und zahlreiche Angebote für Kinder.

Ich hoffe, wir können uns, wie im letzten Jahr auf ein sonniges Hoffest freuen. Der Wetterbericht verspricht es. Fröhlich wird es auf jeden Fall!

Vielleicht sehen wir uns und erkunden Bibliothek, historisches Kontorgebäude und das vorgestellte regionale Angebot gemeinsam?!

Das Hoffest in der Bibliothek am Kontor ist uns im Übrigen ein willkommener Anlass noch einmal auf unser besonderes Angebot zum neuen Bilderbuch-Set KLEINE VOGEL-WUNDERKAMMER von Jesko Donst und Antje Rother hinzuweisen:

Kindergärten, Grundschulen und Bibliotheken bekommen die KLEINE VOGEL-WUNDERKAMMER – BEGLEITBUCH MIT NAMEN vom Eichhörnchenverlag geschenkt.

Unterstützen Sie uns, die KLEINE VOGEL-WUNDERKAMMER und ihr BEGLEITBUCH MIT NAMEN in möglichst viele Kindergärten, Grundschulen und Bibliotheken zu bringen.

Wir wünschen uns, dass unsere Bilderbücher möglichst viele Kinder unabhängig von ihrem finanziellen und sozialen Hintergrund erreichen. Dabei setzen wir auf Kindergärten, Grundschulen und öffentliche Bibliotheken. Der Eichhörnchenverlag hat sich daher entschlossen, jeder in diesen Bereichen tätigen Institution, die die KLEINE VOGEL-WUNDERKAMMER von Jesko Donst erwirbt, das Begleitbuch KLEINE VOGELWUNDERKAMMER – BEGLEITBUCH MIT NAMEN von Antje Rother kostenlos dazuzuschenken.

Wenn wir an diesem Wochenende nicht auf einem wirklich wunderbar anklingenden Weihnachtsmarkt wären (siehe unten!), dann wären wir auf jeden Fall auf Gut Dölitz, wo am 2. Adventssonntag um 16:00 Uhr eine neue Ausstellung der zauberhaften Bilder Jesko Donsts eröffnet.

Zur Erinnerung: Jesko Donst ist der Maler, der seine herausragende Beobachtungsgabe und seine ebenso präzise wie berührende Wiedergabe tierischen und pflanzlichen Lebens auch unserem nächsten Bilderbuch schenkt.

Die originalen Bilder für dieses neue Buch, das voraussichtlich den Titel „Vögel“ tragen wird, sind inzwischen fertiggestellt und können in der Ausstellung betrachtet werden. Die Journalistin Silke Voß schrieb am 13. Oktober im Nordkurier am Wochenende trefflich, sein „ganzes Künstlerherz“ habe Jesko Donst in diese Bilder gegeben und ja, das Verlegerinnen Herz hüpft. Aus diesem Grund ist die Ausstellung ein absoluter Geheimtipp, der auch eine weitere Anreise lohnt und euch allen dringend empfohlen sei!

 

Ausstellungseröffnung Jesko Donst – Malerei und Illustration

9. Dezember, 16 Uhr

Dölitz 62

17179 Dölitz, Mecklenburg-Vorpommern

Nordkurier am Wochenende, S. 20. 13./14. Oktober 2018, alle Artikel von Silke Voß.

Wer es, mit dem Wissen, dass die Ausstellung in Dölitz noch den ganzen Dezember hindurch zu besichtigen ist, an diesem Wochenende „nur“ bis nach Brandenburg schafft, den hoffen wir unbedingt auf dem Weihnachtsmarkt in der Patent-Papierfabrik Hohenofen zu sehen! Hier findet ihr hervorragende Künstler*innen, Kunsthandwerker*innen und Handwerksleute und ihre Werke zahlreich versammelt. Wir sind auch dabei und haben ein paar wunderbare Geschenke für eure Kleinsten und auch etwas größeren Lieblingsmenschen dabei und wir freuen uns, wenn ihr vorbeischaut, auf einen Plausch stehen bleibt und uns von euren sonstigen Entdeckungen auf dem Markt berichtet!

 

Weihnachtsmarkt in der Patent-Papierfabrik Hohenofen

8. Dezember, 11 – 18 Uhr

9. Dezember, 11 – 18 Uhr

Neustädter Straße 25

16845 Sieversdorf-Hohenofen

 

Am nächsten Wochenende lassen wir es ordentlich krachen!

Am Samstag und Sonntag (24. und 25. November) erwarten wir euch von 10 bis 18 Uhr bei der BuchBerlin in bester Gesellschaft unter vielen, vielen anderen wunderbaren Ausstellern und am Montag machen wir einfach weiter!

 

 

Der Eichhörnchenverlag zeigt vom 26. November 2018 bis 3. Januar 2019 die Originalbilder aus den Bilderbüchern LANDTIERE und MONSTERKINDER in der Bibliothek am Schäfersee (Stadtteilbibliothek Reinickendorf).

Die Ausstellung ist für kunst- und geschichteninteressierte Kinder und Erwachsene gleichermaßen gedacht, was auch in der Hängung der Bilder wiederum Ausdruck finden wird.

Die Künstlerinnen Susanne Haun und Niki Amann sowie die Verlegerin Nina A. Schuchardt werden zur Eröffnung anwesend sein und einen Einblick in ihre Arbeit geben.

Die ausstellungsbegleitende Lesung und der Workshop am 11. Dezember 2018 sind bereits ausgebucht. Die Ausstellungseröffnung ist daher die beste Gelegenheit miteinander ins Gespräch und ins Staunen zu kommen.

Der Eintritt ist frei.

 

Öffnungszeiten:

Mo. und Fr. 11 – 19 Uhr

Di. – Do. 11 – 17 Uhr

 

Bibliothek am Schäfersee

Stargardtstraße 11-13

13407 Berlin-Reinickendorf

 

Die Ausstellung BilderBuchBanden ist eine Kooperation von Eichhörnchenverlag, Bibliothek am Schäfersee und Buchhandlung am Schäfersee.

Wir freuen uns riesig auf euch! Egal ob am Wochenende zur BuchBerlin oder am Montag bei den BilderBuchBanden. Am besten kommt ihr einfach zu beiden Veranstaltungen, denn beide werden richtig gut! 🙂

Die Arbeiten an unserer neuen wandernden Verlagsbibliothek, die wir euch beim Schulfrei-Festival im September zum ersten Mal präsentieren werden, gehen langsam aber stetig voran. (und sind auch schon etwas weiter, als es auf diesen Bildern den Anschein hat 😉 )

Als Erstes sollte die alte Acrylfarbe entfernt werden. Dafür habe ich mich entschieden mit einem Heißluftföhn und einem Spachtel zu arbeiten. Bei dieser Methode wird die Farbe Stück für Stück erwärmt, bis sie Blasen aufwirft und dann mit dem Spachtel entfernt. Das ist langwierig, führt aber zu einem ganz ansehnlichen Ergebnis. Die Alternative wäre für mich gewesen, die Farbe abzuschleifen. Diese Methode wäre sicher schneller gewesen, weil dann aber der ganze Farbstaub letztendlich in meiner Nase und überhaupt in Luft und Umwelt gelandet wäre, habe ich mich dagegen entschieden. Acrylfarben sind im wesentlichen Kunststoffe, die nicht in die Umwelt, weder in Luft noch Wasser oder Erde gehören, sie sollten wegen der entstehenden giftigen Gase auch nicht im Feuer landen. Der beste Weg, Farb- und Lackreste aller Art zu entsorgen, ist die städtische Sondermüllentsorgungsstelle!

Bei meiner Arbeit an der Kiste habe ich auf dem Kistenboden eine überraschende Entdeckung gemacht, von welcher heute berichtet werden soll. Ich hatte eben erst mit der Farbentfernung begonnen, da zeichnete sich ein Muster und kurz darauf ein ganzer Löwenkopf ab. Schwach aber lesbar hatte ich zum Schluss ein ganzes Firmenlogo samt Firmen bzw. Produktnamen, Symboltieren (zwei Löwenköpfe) und Adresse vor mir. Meine Freude darüber, hier ein Objekt mit (lesbarer!) Geschichte vor mir zu haben war groß und natürlich waren sogleich Forschergeist und Forscherlust geweckt. Provenienzrecherche gehört nämlich, wie ich finde, zu den spannendsten und oft auch befriedigendsten Tätigkeitsfeldern auf dem Gebiet der (Kunst-)Geschichte und ein Firmenname ist ein hervorragender Anhaltspunkt.

Dieses steht in unserer Kiste:

[Löwenkopf] REMY’S [Löwenkopf]

REISSTÄRKE

DÜSSELDORF HEERDT

 

Dank einer winzigen Internetrecherche weiß ich bereits jetzt, dass unsere Kiste wohl schon gut 50 Jahre oder mehr auf dem Buckel hat (Dieses lässt sich aus unten stehendem Zitat vorläufig folgern. Natürlich sollte diese Quelle unbedingt noch hinterfragt und nach Möglichkeit noch andere Belege für die Schließung der Firma im Jahr 1971 gefunden werden. Sollten keine Firmenunterlagen aufgetrieben werden können, sind historische Adressen- und Branchenverzeichnisse gute Hinweisgeber.) und habe diverse Ideen, wie meine Provinienzrecherche weiter gehen könnte.

  1. Interview der Vorbesitzerin (welche meine Mutter ist…)
  2. Recherche und Sichtung spezifischer Literatur z. B. Weber, Friedrich: Die Remy’s Reisstärke A.G. in Heerdt und ihr Untergang in den Kriegswirren 1940 – 1945. Düsseldorf 2005.
  3. Kontaktaufnahme Bürgerverein Heerdt
  4. Suche nach und Kontaktaufnahme mit Erben und Nachkommen der Firmeninhaber
  5. Recherche der Entwicklung des Logos -> wie hat es sich über das Bestehen der Firma hinweg verändert und welche Rückschlüsse kann ich daraus auf unsere Kiste ziehen?
  6. Sichtung historischer Düsseldorfer Adressen- und Branchenverzeichnisse
  7. evtl. Sichtung lokaler Zeitungen und Zeitschriften der fraglichen Zeit -> vielleicht wurden hier Anzeigen mit dem Logo geschaltet? Einige Postkarten und Briefmarke mit dem werbenden Logo (in einer anderen Variante, als der mit vorliegenden) der Firma habe ich bereits im Netz gefunden…

„1881 Remy’s Reisstärke produziert auf der Wiesenstraße Wäschestärke und Puddingpulver. Das moderne Werk hat eigene Strom- und Wasserversorgung, Reisturm, Wasserturm. Das Fabrikgebäude wurde 1942 durch Kriegseinwirkung zerstört, die Firma wurde 1971 aufgelöst.“ (gefunden auf: http://your-web.de/buergerverein-heerdt/historisches.html [Stand: 09.08.2018])

 

Ein Wenig hat diese Arbeit etwas von Detektivrecherche, wie sie im Buche steht, nicht wahr? Darum macht sie Spaß! 🙂

Ich hoffe sehr, ich werde demnächst etwas Zeit finden, der Geschichte unserer zukünftigen wandernden Kinderbuchbibliothek genauer nachzugehen! Ich habe große Lust dazu.