Idas vielgestaltige Wege – Susanne Hauns Vision von İDA’NIN YOLU / IDAS WEG

Idas vielgestaltige Wege – Susanne Hauns Vision von İDA’NIN YOLU / IDAS WEG

İDA’NIN YOLU / IDAS WEG von Fulya Gezer ist eine leichte, spielerisch-philosophische Geschichte auf Türkisch und Deutsch, die dazu ermuntert, sich selbst zu vertrauen. Es ist außerdem ein Mitmachbuch, das auf allen Seiten viel Platz lässt, um selbst kreativ zu werden. Es darf nach Herzenslust gezeichnet, gemalt und geklebt, Idas Weg weiter gestaltet und den eigenen Ideen und Wünschen nachgespürt werden!

Der Eichhörnchenverlag hat einige Künstler*innen gebeten, Ihre persönliche Vision von Idas Weg zu gestalten. Die Ergebnisse stellen wir euch in der Serie „Idas vielgestaltige Wege“ vor.

Susanne Haun hat sich İDA’NIN YOLU / IDAS WEG, das merkt man gleich, in Bild und Text zunächst ganz genau angeschaut, um dann treffsicher die drei zentralen Motive/Charaktere des Bilderbuchs in ihren Ergänzungen neu zu interpretieren: ein Rehkitz, einen Vogel und Walnüsse.

Bilderbuchansicht (İDA’NIN YOLU / IDAS WEG von Fulya Gezer, Seite 1/2) mit Ergänzungen von Susanne Haun (Tuschezeichnung). Foto von (c) Susanne Haun.

Ergänzt wurde in der Künstlerin liebster Technik, nämlich der Tuschezeichnung mittels Zeichenfeder, versehen mit einigen Lavierungen. Auch ein paar ihrer liebsten Stilmittel hat sie uns eingeflochten. So zum Beispiel das Spiel mit Sprache. Gut zu sehen auf Seite 1, wo das Wort Walnuss markiert und damit auch die gezeichnete Walnuss noch einmal als besonders bedeutend hervorgehoben wird und auf Seite 5. Dass der Hase auf Idas Weg auch in Schrift als Hase benannt wird, das Motiv im Bild selbst also betitelt wird, ist ein Spiel mit Sprache und besonders mit der Form von Buchstaben, die sich im Übrigen auch im Bilderbuch LANDTIERE von Gerd Knappe und Susanne Haun selbst wiederfindet.

Bilderbuchansicht (İDA’NIN YOLU / IDAS WEG von Fulya Gezer, Seite 3/4) mit Ergänzungen von Susanne Haun (Tuschezeichnung).Foto von (c) Susanne Haun.

Mit Susanne Hauns Zeichnungen wird das Spielerische und Märchenhafte in Idas Geschichte betont. Besonders die vielen gezeichneten Sterne und Schleifen (Seiten 1, 3 und 4) erzeugen diesen Eindruck. Gleichzeitig sind sie auch die Elemente, die die Künstlerin als Mittler zwischen den im Buch vorgefundenen Collagen und ihren eigenen Zeichungen einsetzt. Sie sind also Ausdruck des spielerischen Dialogs mit der Bildsprache Fulya Gezers.

Bilderbuchansicht (İDA’NIN YOLU / IDAS WEG von Fulya Gezer, Seite 5/6) mit Ergänzungen von Susanne Haun (Tuschezeichnung).Foto von (c) Susanne Haun.

Bei mir persönlich entsteht auf Seite 1 durch die Platzierung der Walnuss auf dem Vogelkopf und dem Stern auf dem waagerechten Collagenelement/Baumstamm der Eindruck, als handele es sich bei dem Vogel um einen Bischof oder sogar einen Zauberer, was ich herrlich verwunderlich finde.

Zu guter letzt, gibt uns Seite 5 und 6 noch einen Hinweis zur Datierung der Ergänzungen. Easter was on her mind! 😉 Es ist übrigens sehr ungewöhnlich, dass Susanne Haun ihre Werke (wenn sie sie nicht gleich verwirft) nicht am Bildrand datiert und signiert. Vielleicht ist das hier dem Umstand geschuldet, dass sie sich zum Teil des Werkes einer anderen Künstlerin machen. Vielleicht, aber nur ganz vielleicht ist Susanne Haun aber auch noch nicht sicher, ob sie hier schon ganz fertig ist, denn die Signatur kommt in jedem Fall zuletzt auf das Bild! 🙂

Liebe Susanne, vielen Dank für deine träumerisch-schöne Interpretation von İDA’NIN YOLU / IDAS WEG!

Das Mitmachbilderbuch İDA’NIN YOLU / IDAS WEG von Fulya Gezer gibt es selbstverständlich auch zu kaufen! Hier im Verlagsshop (siehe unten) oder in der Buchhandlung eures Vertrauens. Es ist das perfekte Bilderbuch für alle, die schöne und leicht-philosophische Geschichten und Bilder lieben und die Lust haben selbst zu gestalten sowie für alle, die etwas Abwechslung vom Corona-Blues gut vertragen können.

Wir wünschen euch allen und euren lieben, dass ihr wohlauf seid. Passt auf euch auf!

Ein weiteres neues Gesicht begrüßen wir in diesem Jahr im Eichhörnchenverlag. Gerda Kazakou legt ihre Bilder aus Schnipseln älterer Arbeiten. Aus ihrer konsequenten Weigerung an altem unbedingt festzuhalten, entsteht ein faszinierendes Moment großer Flüchtigkeit bei gleichzeitig immenser Potenz. Aus einer handvoll Schnipsel schöpft sie ganze Bilderzyklen, indem sie die stets gleichbleibenden Fragmente auf immer wieder neue Weise arrangiert.

Mit dem Eichhörnchenverlag wird Gerda Kazakou noch in diesem Frühling eine märchenhafte Vogelfamiliengeschichte veröffentlichen.

Dazu in der nächsten Woche an dieser Stelle mehr!

Herzlich willkommen, liebe Gerda!

 

Gerda Kazakou. (c) Fotografie von M. Fanke. 2017.

Dr. Gerda Kazakou

Kurze Selbstvorstellung

Behalte den Flug im Gedächtnis — der Vogel ist sterblich.“

(Forugh Farrokhzad, 1934 –1967)

Geboren und aufgewachsen in Heiligenhafen an der Ostsee, studierte Gerda Kazakou (geb. Struck) in Tübingen, Aix-en-Provence, West-Berlin und Kiel. Dort machte sie den Magister Artium in Sozialpädagogik, Germanistik und Philosophie. In Frankfurt/Main promovierte sie zur Dr. phil. Seit 1979 lebt und arbeitet sie in Athen, Griechenland.

In Athen begann Gerda Kazakou sich intensiv mit Zeichnung und Malerei zu befassen und stellte ihre Arbeiten in Athen, Berlin sowie in zahlreichen griechischen Städten aus. Zusätzliche Kenntnisse, die sie sich durch ein kunsttherapeutisches Aufbaustudium aneignete, halfen ihr bei ihrer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie ist Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler Griechenlands.

Im Dezember 2014 versuchte Gerda Kazakou fast zufällig, eine ältere Arbeit zu zerschneiden und aus dem Verschnitt eine Bildgeschichte zu legen. Was als Spiel begann, wurde zu ihrem wichtigsten künstlerischen Medium. Denn es entspricht ihrer Lebensphilosophie. Wozu noch Dinge für die Ewigkeit schaffen? Wozu Material, Festes, Dauerndes, Schweres der Welt hinzufügen? Alles fließt und verändert sich.

Ihre Technik beschreibt sie so: „Ich zerschneide ausrangierte Bilder zu unregelmäßigen Stücken („Schnipsel“), lege daraus auf großen Pappen Bilder und Bildgeschichten, mache Fotos davon und sammle alles wieder ein. Jeder Schnipsel kann von Bild zu Bild eine neue Bedeutung annehmen. Was Flügel war, kann Wolke werden oder das Blatt einer Blume, es kann zur Welle werden, zum Ast oder zum Vogel am Himmel. Das Hosenbein wird zum Hut, zum Mond, zur Nase oder zum Arm, zum Schwanz eines Fuchses oder zur wehenden Fahne am Bug eines Schiffes. Warum auch nicht? Kinder machen das so.

Oft fragt man mich: Warum verklebst du die Schnipsel nicht? Es ist schade um deine Kreationen. Doch nein! Πάντα ρέει! Alles muss im Fluss bleiben! Etliche Bilder habe ich allerdings großformatig ausgedruckt, um sie in Ausstellungen zu zeigen. Es gibt auch handgemachte Leporellos mit den Abenteuern des Odysseus und Wandzeitungen in Fahnenform, auf denen man die Bildgeschichten bequem nachlesen kann. Nun ja und ein Blog habe ich auch, in dem ich meine Kunst laufend vorstelle.“

Unter meinen persönlichen Lieblingsbüchern findet sich ein ganz besonderes Bilderbuch. Meine Mama hat es für mich gemacht, als ich noch ein Kind war. An der Seite mit den Elefanten und dem Krokodil war ich wohl auch selbst beteiligt. Vielleicht war ich es auch, die die Schäferhunde ausgesucht hat? Ich habe keine klare Erinnerung mehr daran.
Es handelt sich eigentlich weniger um ein Bilderbuch, als um ein Leporello (od. Faltbuch). Die einzelnen Glieder bestehen aus je zwei dünnen, aneinander geklebten Pappen, welche mit, zuvor mit Kleber bestrichenen, Textilbändern verbunden sind. Dadurch sind die einzelnen Glieder sehr fest, bleiben aber hervorragend faltbar. Die einzelnen Seiten wurden zuletzt mit Collagen aus Magazinausschnitten beklebt.

Dieses Bilderbuch kommt (fast) ganz ohne Text aus. Auf acht Seiten zeigt es acht wunderschöne Bilder. Jedes für sich eine ganz eigene Welt, jedes eine eigene Erzählung. Ich liebe es sehr!
Durch seine Auffaltbarkeit und seine an einen Hausgiebel erinnernde Form eignet es sich auch sehr gut als Kulisse bei einem Spiel mit kleinen Puppen oder Figuren. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich allerdings nicht erinnern, ob ich es wirklich jemals als solche benutzt habe. Vielleicht spielt mein Gedächtnis mir auch eine spätere Imagination als vermeintliche Erinnerung vor.

Überhaupt sind Erfreuen, Vergessen, Erinnern und Imaginieren bei diesem Buch zu einem wiederkehrenden Kreislauf geworden. Auch das macht heute seinen Zauber für mich aus. Immer wieder habe ich Phasen in meinem Leben, in welchen dieses besondere Buch für mich sehr präsent wird. Als identitätskriselnder Teenager hatte ich solch eine Phase und auch als junge Erwachsene, als ich nach Berlin zog. Damals bekam ich viele Kisten mit meinen alten Sachen (insb. Bücher 😉 ) mit auf den Weg, die nicht mehr auf dem mütterlichen Dachboden verbleiben sollten. Danach kam es wieder, als meine Tochter geboren wurde und nun mit der Gründung des Eichhörnchenverlags.
Das repetitive Auftauchen dieses Buches scheint in der Reflexion wie ein sehr langsamer aber steter Pulsschlag in meinem bisherigen Leben. Es ist eines jener Lieblingsbücher, die wirklich bleiben.