Bildschön und trotzdem nicht im Buch?! (Nr. 4: Die Geschichte von Tui-Tiu)

Bildschön und trotzdem nicht im Buch?! (Nr. 4: Die Geschichte von Tui-Tiu)

In dieser Miniserie stellen wir euch Motive unserer neuen Postkarten vor. Sie enthält Motive, die nicht oder nur unvollständig in unseren drei Büchern zu finden sind, obwohl sie doch bildschön sind! Hier soll erklärt werden, weshalb dies so ist und auch, weshalb wir sie dennoch unbedingt zeigen wollen.

 

Gerda Kazakou hat im Laufe ihres künstlerischen Wirkens eine faszinierende Technik für sich entwickelt, die ich hier schon einmal vorgestellt habe.

Die Flüchtigkeit ihrer Legearbeiten ist gleichermaßen faszinierend und reizvoll, sie birgt aber auch ein paar Schwierigkeiten, mit welchen wir uns im Laufe der Erstellung des Bilderbuchs Die Geschichte von Tui-Tiu auseinandersetzen mussten. Da Gerda Kazakou ihre Bilder spontan gleich nach ihrer Fertigstellung fotografiert und dafür auf die Mittel und Umstände zurückgreift, die eben gerade zur Hand sind, ist die technische Qualität der Fotografien großen Schwankungen unterworfen. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob ein Bild im Morgen-, Mittags- oder Abendlicht aufgenommen wurde. Manchmal schleichen sich auch Unschärfen ein, die erst bei der Vergrößerung der Bilder am PC sichtbar werden und die verschiedenen Aufnahmegeräte speichern die Bilder entsprechend ihrer Speichereinstellungen auch in unterschiedlichen Größen ab und limitieren damit das weitere Bearbeitungspotenzial der Bilder.

Aus diesen Gründen haben wir uns entschlossen, mit Die Geschichte von Tui-Tiu unser bisher kleinstes Buchformat (13 x 15 cm) zu produzieren. Wir wollten vermeiden, dass die Bilder durch eine Vergrößerung an Schönheit und Strahlkraft verlören.

Die meisten Bilder des Bilderzyklus Die Geschichte von Tui-Tiu sind Querformate. An diese haben wir dann auch das Format des Buches und seine Proportionen angepasst, zwei der Bilder jedoch sind Hochformate. Diese beiden Bilder zeigen Schlüsselmomente der Geschichte. Sie zeigen das Schlüpfen des Vogelkindes Tui-Tiu und den Ausklang der Geschichte in der Betrachtung des Kosmos. Wir konnten und wollten sie nicht außen vorlassen. Wie also umgehen, mit dem anderen Format? Möglichkeit Nr. 1 wäre gewesen, die Bilder als Hochformate in das Querformat des Buches einzusetzen. Dies hätte zum einen bedeutet, sie stark zu verkleinern und dadurch ihre Erfassbarkeit zu schmälern und zum anderen die entsprechenden Buchseiten mit sehr viel bedeutungslosem weiß blank zu lassen. Möglichkeit Nr. 2 war, die Bilder zu beschneiden und auf ihren Bildkern zu beschränken. Wir haben uns für Möglichkeit Nr. 2 entschieden. Leicht gefallen ist die Entscheidung uns nicht. Besonders die Künstlerin hat die Beschneidung der Bilder verständlicherweise nur mit Wehmut ertragen. Zum Glück gab es aber zu diesem Zeitpunkt schon einen Lichtblick am Horizont, denn wir wussten bereits, dass wir Postkarten drucken lassen wollten, die dem vollständigen Format auch dieser beiden Tui-Tiu-Bilder entsprechen würden. So konnten wir mit Vorfreude im Herzen gemeinsam diese Entscheidung treffen.

Im Buch haben sich die beiden Bilder Tui-Tiu im Nest und Tui-Tiu unterm Sternenhimmel ein Stück weit der Illustration der Erzählung untergeordnet, auf den Postkarten erscheinen sie nun als das, was sie eigentlich auch sind: Eigenständige, in sich geschlossene Kompositionen. Es ist schön, dass sie nun auch in dieser Form unser Sortiment bereichern und allen Freunden Tui-Tius zugänglich werden!

 

PS: Liebe Gerda, ein ganzer Schwarm dieser Schönheiten ist übrigens längst, in der Post und auf dem Weg zu dir in ihr Geburtsland Griechenland. Ich hoffe, sie werden dich bald erreichen!

Nina

In dieser Miniserie stellen wir euch Motive unserer neuen Postkarten vor. Sie enthält Motive, die nicht oder nur unvollständig in unseren drei Büchern zu finden sind, obwohl sie doch bildschön sind! Hier soll erklärt werden, weshalb dies so ist und auch, weshalb wir sie dennoch unbedingt zeigen wollen.

Bei den Vorbereitungen zu unserem Bilderbuch Monsterkinder entstanden einige Textfragmente und Bilder, die später nicht im Buch gelandet sind.

Einige sind raus gefallen, weil sie schlicht nicht in die Struktur des Buches gepasst haben. Das Bilderbuch Monsterkinder ist aus Reimpaaren aufgebaut, darunter beispielsweise: „Ein kleines Monster spielt mit dem Ball – Ein kleines Monster kommt zu Fall“. Zu diesem Reim gab es auch ein Bild (Es gibt es im Grunde immer noch), dass dem Satz „Ein kleines Monster hört einen Knall“ entsprach. Dieses Bild kam nicht ins Buch, um die paarweise gereimte Struktur nicht zu brechen. Neben „Ball“ und „Fall“ war der „Knall“ sozusagen das fünfte Rad am Wagen.

Manche Bilder fielen auch raus, weil wir das Buch nicht zu lang werden lassen wollten. Wir mussten eine Balance finden, zwischen dem Anspruch es spannend und facettenreich zu gestalten und dem gleichzeitigen Anspruch möglichst keine kleinen Betrachter und Zuhörer wegen Ungeduld und Überforderung auf halber Strecke zu verlieren. Diesem Gedanken fielen z. B. „Zwei kleine Monster spiegeln sich“ und „Zwei kleine Monster striegeln sich“ und ihre entsprechenden Bilder zum Opfer.

Außerdem gab es eine größere Menge an potenziellen Titelbildern, die nicht an den Text im Buch gebunden waren. Zwei dieser Bilder, das „Monsterkind auf violettem Grund“ und das „Monsterkind auf blauem Grund“ haben wir nun auf Postkarten drucken lassen. Besonders das „Monsterkind auf violettem Grund“ war kurzzeitig in der ganz engen Wahl für den Titelplatz. Ähnlich dem jetzigen Titelbild „Monsterkind auf gelbem Grund“ strahlt es viel Spielfreude und Dynamik aus, lässt den Schalk aus den Augen lachen und auch eine kleine Prise wohlwollende Verrücktheit. Es gehört definitiv zu meinen persönlichen Monsterfavoriten.

Dass das „Monsterkind auf violettem Grund“ nicht das Titelbild geworden ist, lag nicht zuletzt am Wunsch der Künstlerin Niki Amann, die ihre Stimme für das „Monsterkind auf gelbem Grund“ erhob und so Zünglein an der Waage spielte. Ich glaube, letztendlich war das auch die richtige Wahl.

Es freut mich nichtsdestotrotz sehr, dass nun beide Motive, wie auch „Die kuschelnden Monsterkinder“ und das „Monsterkind auf blauem Grund“ als Postkarten unser Haus verlassen!

 

Vor einem Hintergrund aus dichtem grünen Blattwerk hält eine Hand vier quadratische Postkarten in die Höhe. Die Karten zeigen vier verschiedene Zeichnungen kleiner Monster.

Monsterkinderpostkarten. Mixed-Media von (c) Niki Amann, Foto von (c) Nina A. Schuchardt.

Der Eichhörnchenverlag wünscht allen Monsterkindern gute Reise und frohe Botschaften! 🙂

Unser gesamtes Postkartenangebot findet ihr in unserem Onlineshop und könnt es dort auch erwerben.

In dieser Miniserie stellen wir euch einige Motive unserer neuen Postkarten vor. Die Serie beschäftigt sich mit sechs Motiven, die nicht oder nur unvollständig in unseren drei Büchern zu finden sind, obwohl sie doch bildschön und sehenswert sind! Hier soll erklärt werden, weshalb sie trotzdem nicht in den Büchern sind und auch, weshalb wir sie dennoch unbedingt zeigen wollen.

 

Die etwas anderen Landtiere

In den Jahren 2016 und 2017 schuf Susanne Haun im Auftrag des Eichhhörnchenverlags und unter Verwendung von Tierfotografien von Thomas Lemnitzer eine Anzahl von Collagen, die wir die Serie „Landtiere“ nennen. Die Serie umfasst 17 Einzelbilder alle im Format 40 x 30 cm. 13 dieser Bilder sind im Buch zu finden. Vier wurden von Verlagsseite für die Verwendung im Buch aus verschiedenen Gründen und mit zum Teil sehr schwerem Herzen abgelehnt. Die Katze und den Grashüpfer aus dieser Gruppe drucken wir nun auf Postkarten.

 

Das Bild ist eine Collage aus in Tusche gezeichneten und fotografischen Elementen. Es zeigt zwei Grashüpfer. Es wurde ausschließlich die Farbe Grün verwendet. Dadurch wird das Bild besonders reizvoll.

Grashüpfer aus der Serie „Landtiere“. 2017 (c) Collage von Susanne Haun.

Grashüpfer

Gelegentlich kam schon der Einwand, dass der Grashüpfer doch ein Tier sei, das sehr wohl auf dem Land zu finden, also ein Landtier ist und als solches doch wohl auch gut ins Buch gepasst hätte… Stimmt.
Trotzdem habe ich ihn für das Buch abgelehnt. Warum?
Wie bei der Katze, liegt auch hier die Antwort im Konzept für unsere Bilderbücher im Allgemeinen und das Bilderbuch Landtiere im Besonderen. Der Eichhörnchenverlag verfolgt bei der Konzeption und Erarbeitung seiner Bücher im Grunde drei Leitgedanken.

  1. Wir machen Bilderbücher für Babys und Kleinkinder. Unsere Bücher sollen darum so gestaltet sein, dass diese sie problemlos auf ihre Weise handhaben und benutzen können, also gewisse materielle Voraussetzungen erfüllen (Pappebuch).
  2. Die Bücher sollen außerdem so gestaltet sein, dass sie diesen kleinen Menschen Freude machen und das bedeutet auch, dass sie für die Kinder neben der materiellen Ebene auch auf textlicher und visueller Ebene zugänglich sein müssen.
  3. Die Bücher sollen so gestaltet sein, dass sie auch erwachsenen Personen nachhaltig Freude machen, damit auch sie nicht die Lust am gemeinsamen Vorlese- und Betrachtungserlebnis verlieren und sich zu diesen Gelegenheiten immer wieder gern auf ihre Kinder einlassen können.

Bei der Beschäftigung mit den Texten von Gerd Knappe im Buch, kann man feststellen, dass es sich durchaus um anspruchsvolle, mit sprachlicher Raffinesse und verschiedenen Metaebenen versehene Lyrik handelt. Wenn man dann aber auf die einzelnen gebrauchten Worte schaut, wird man außerdem sehen, dass es sich im Wesentlichen um „einfache Worte“ handelt. Sie sind kurz und einprägsam, es sind keine Fremdwörter darunter und sie sind alltäglich gebräuchlich. Aus diesem Grund und auch wegen der Sprachmelodie der Gedichte können auch kleine Kinder einen guten Zugang zu ihnen finden, ohne dabei schon das ganze gelernte Wissen von Sprache und Interpretation zu haben, dass mach ein*e erwachsene Leser*in mitbringt.

Ähnliche Ansprüche wie an die Texte stellten sich auch an die infrage kommenden Bilder. Die Landtiere sollten ja ein Buch werden, dass sich in die Reihe der ersten Tierbilderbücher eines Kindes eingliedern ließ. Es sollte auch ein Buch für Babys werden, die gerade erst anfangen, sich ihre ersten (visuellen) Begriffe zu bilden und das Erfahren von Bildern zu üben. Das Grün-in-Grün des Grashüpfers ist allerdings sehr schwer zu lesen und als Grashüpfer in seinem Lebensraum zu entdecken, wenn man noch kein großes mentales Formenrepertoire hat.

Nun kann es gelegentlich sehr reizvoll sein – sicher auch für kleine Kinder – sich über etwas zu wundern, etwas erst entschlüsseln zu müssen oder es sich von jemand anderem erklären zu lassen, aber spätestens für diese Erklärung braucht es ein gemeinsames Referenzsystem, damit sich ein Aha-Moment, ein Erkennen einstellen kann. Wenn ein kleines Kind nun die visuellen Herausforderungen des Bildes gemeistert hat, wie viele Grashüpfer hat es in seinem Leben wohl schon gesehen, um diesen speziellen Grashüpfer von Susanne Haun einordnen zu können?
Wie würde sich wohl das Gewicht und auch die Aufgabe des ganzen Buches verschieben, wenn ich nun sagte: Dann ist dies eben der erste Grashüpfer, den das Kind sieht und an welchem ich das Konzept „Grashüpfer“ diesem Kind erklären kann?
Ich denke, dass es für diese ersten Bilderbücher wichtig ist, dass die darin vorgestellten Dinge und Konzepte mit anderen Erfahrungen des Kindes abgeglichen werden können, weil es neben der geteilten Zeit und Zuwendung zwischen den Betrachtenden und Lesenden – ob gezielt gewollt oder eben nebenbei – immer auch um das Bilden und Üben von Begriffen geht. Darum kam der Grashüpfer nicht ins Buch.

Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dem Grashüpfer unbedingt um ein Lieblingsbild! Gerade das monochrome Grün-in-Grün entspricht absolut und mit Witz den natürlichen Lebensumständen eines Grashüpfers, weshalb ich für sich genommen zustimme, dass es sich um eine sehr gelungene Arbeit Susannes Hauns handelt, die lebendig und ansprechend umgesetzt ist!
Aus diesem Grund freue ich mich auch jedes Mal sehr, wenn es mir bei Ausstellungen oder an diesem Wochenende bei der Landpartie in Roddahn in die Hände und vor die Augen kommt! Den Grashüpfer jetzt auch als Postkarte in der Hand halten zu können, ist ein weiteres Sahnebonbon!

Es liegen im Übrigen noch einige Fotografien Thomas Lemnitzers mit verschiedenen Insekten in unserem Fundus und Susanne hat wohl auch Spaß daran gefunden, sie zu zeichnen. Wer weiß also, vielleicht machen wir zu einem anderen Zeitpunkt doch noch ein Buch speziell mit diesen krabbeligen Gesellen. Bis dahin haben sich einige von ihnen aber auch in Landtiere eingeschlichen. Schmetterlinge, Regenwürmer und Fliegen zum Beispiel. Wenn euch das Thema interessiert, könnt ihr hier – speziell zur Fliege – mehr lesen.

PS: Die Postkarten sind in dieser Woche im Verlag angekommen und wie jedes Mal war es auch dieses Mal hochspannend. Wie würden sie aussehen? Wie würden sie sich anfühlen? Würden sie die erhoffte Qualität haben? Ja, sie haben sie! Sie sind wunderschön und sie können zu € 1,- das Stück in den Online-Shop bestellt werden. Am Sonntag in Roddahn könnt ihr sie auch direkt von uns erwerben.

In dieser Miniserie stellen wir euch einige Motive unserer neuen Postkarten vor. Die Serie beschäftigt sich mit sechs Motiven, die nicht oder nur unvollständig in unseren drei Büchern zu finden sind, obwohl sie doch bildschön und sehenswert sind! Hier soll erklärt werden, weshalb sie trotzdem nicht in den Büchern sind und auch, weshalb wir sie dennoch unbedingt zeigen wollen.

 

Die etwas anderen Landtiere

In den Jahren 2016 und 2017 schuf Susanne Haun im Auftrag des Eichhhörnchenverlags und unter Verwendung von Tierfotografien von Thomas Lemnitzer eine Anzahl von Collagen, die wir die Serie „Landtiere“ nennen. Die Serie umfasst 17 Einzelbilder alle im Format 40 x 30 cm. 13 dieser Bilder sind im Buch zu finden. Vier wurden von Verlagsseite für die Verwendung im Buch aus verschiedenen Gründen und mit zum Teil sehr schwerem Herzen abgelehnt. Die Katze und den Grashüpfer aus dieser Gruppe drucken wir nun auf Postkarten.

 

Katze

Die Katze wurde besonders mit Blick auf die linke Bildhälfte nicht in das Buch mitaufgenommen.

„Katze“. Aus der Serie „Landtiere“. Collage (c) Susanne Haun.

Das Bilderbuch Landtiere wurde von Anfang an so gedacht, dass es auf manche Reflexe, die sich in vielen Tierpappebüchern finden lassen, verzichten sollte. Wir wollten Tiere zeigen, wie sie spontan angetroffen werden können. Ungestellt und ungeputzt, in ihrer tatsächlichen Lebensumgebung. Sie durften ruhig Dreck im Fell und Fliegen an den Augen haben, krummbeinig und alt sein, wenn sie dies nun einmal waren. Jedenfalls sollten sie sie selbst sein dürfen, auch in den Bildern. Aus diesem Grund wurde bereits für die fotografischen Arbeiten am Buch bewusst darauf verzichtet, die Tiere in irgendeiner Form herzurichten oder in ein bestimmtes Setting zu versetzen. Es wurde auch keine Vorauswahl getroffen, welche Tiere fotografiert werden sollen. Die Vorgabe für den Fotografen lautete: Was dir vor die Linse kommt, fotografiere. (Weil er sich zu dieser Zeit in der Nachbarschaft des Verlags aufhielt – also in tiefer Brandenburger Provinz und in direkter Nachbarschaft zu einem Biobauernhof – war klar, dass es sich bei allem, was ihm begegnete, wohl um Land- und Bauernhoftiere handeln würde. 😉 )

Zu dem konzeptuellen Hintergrund des Buchprojektes gehörte auch der Verzicht darauf, die dargestellten Tiere zu vermenschlichen.

Selbstverständlich ist es im Grunde unmöglich, ein „unverfälschtes Abbild“ zu schaffen. Jedes Ding verändert sich, wenn es einen Betrachter hat und nichts kann wohl von einem Menschen gemacht und dennoch nicht menschelnd sein. In unserem Fall bedeutete dies zum Beispiel: Die Tiere ändern ihr Verhalten mit Bezug auf den Fotografen, wenden sich ihm etwa zu, wenn sie seiner gewahr werden; Die Zweidimensionalität des Produkts (auf Papier entwickelte Fotografie, Zeichnung auf Papier) kann unmöglich die ganze Körperlichkeit des Objektes (Tierkörper) wiedergeben; Die Künstler*innen bringen ihren eigenen Erfahrungshorizont / ihre eigene Ideenwelt in das Werk ein. Sie wählen Betrachterwinkel, Licht, Fokus, Bildausschnitt… haben Hände die bestimmte Formen schon oft auch an anderen Vorbildern geübt haben etc. Kurz: die Betrachtung der Tiere ist auch in diesem Buch natürlich immer eine menschliche und menschlich manipulierte.

Es ist nichtsdestotrotz ein ganz anderer Schritt der Darstellung eines Tieres ein bewusst menschliches Attribut mitzugeben. Weil die Katze in der linken Bildhälfte eine Perlenkette trägt, welche ein eindeutig menschliches Attribut ist, schien sie uns mit solchen Hintergedanken nicht so recht passend für dieses Buch.

Es ist im Übrigen ja nicht ungewöhnlich, dass Tiere in manchen Kinderbüchern vermenschlicht oder gar in eigentlich vollkommen menschlichen Rollen dargestellt werden – man denke nur an den Bilderbuchkosmos der Beatrix Potter! – und das hat auch gute Gründe! Nur hier, hier wollte es eben nicht so recht passen.

Eine Weile haben wir noch überlegt, ob wir zumindest Teile des Bildes, einen Ausschnitt auf einem Innentitel verwenden könnten, weil es uns schwergefallen ist, das Bild auszulassen. Dann haben wir viele verschiedene Pappebücher in die Hand genommen und ausprobiert, wie andere Verlage die Frage nach einem Innentitel gelöst haben und haben festgestellt, dass das ganze Konzept eines Innentitels für ein Pappebuch eigentlich überflüssig, wenn nicht gar störend ist und damit war die Katze dann erstmal in der Kiste verschwunden.

Ein weiterer Grund, weshalb wir die Katze nicht in das Buch aufgenommen haben, entspann sich wie folgt:
Natürlich nutzen wir die Gelegenheiten, die sich uns in unserem Alltag bieten, mit den Kindern die uns begegnen, über unsere Bücher zu sprechen. Auch vor Erscheinen der Bücher, lesen wir die Manuskripte gern vor, schauen die Bilder mit Kinder gemeinsam an, sprechen darüber oder beobachten einfach still, wie sie darauf reagieren. Dies ist einer der schönsten Teile unserer Arbeit! Als das Katzenbild fertig war, stellten wir fest, dass es manchen kleineren Kindern sehr schwerfiel, mit der Schwebesituation des Katzenkopfs umzugehen. Offenbar ist es für manch kleine Betrachter*in schwer, in solcher Art der Fragmentierung einen verständlichen Sinn zu finden, zumal sich der Abschnitt nicht durch einen Bildrand, eine Überlappung eines anderen Körpers oder sonst eine nachvollziehbare Grenze ergibt. Die Entschlüsselung von Abstraktionen und die Deutung dieser (zum Beispiel in transzendenten Zusammenhängen, wie viele erwachsene dieses Bild deuten) sind eben komplexe Fähigkeiten deren Erlernung bestimmt nicht in den ersten Pappebüchern erfolgt oder gar in die Wiege gelegt ist. Trotzdem sind Irritationen und Verwunderungen beim Entdecken der Welt natürlich gar nicht schlimm. Im Grunde sind sie sogar omnipräsent und können wunderbare Gesprächseinstiege und Gedankenspieleinstiege sein! Nur in die Gruppe der sonst im Buch versammelten Landtierebilder schien die Katze mit ihrem hohen Abstraktionsgrad wiederum nicht so recht passen zu wollen… Sie ist eben eher eine Eigenbrötlerin. 😉

Nun endlich haben wir aber unsere Katzenkiste in diesem Frühjahr wieder geöffnet und siehe da, es ward eine Postkarte und wir freuen uns sehr darauf, dieses schöne Motiv in die Welt zu schicken!

In den letzten Wochen wurde langsam und mit vielen Unterbrechungen, aber doch kontinuierlich, eine kleine Aus-Alt-mach-Neu-Aufgabe bewältigt. Ein alter und mit Flechten bewachsener Postkartenständer erhielt ein neues Gesicht.

Ratet wofür. 😉

Noch ist das schöne Stück mit unseren Programmflyern und einem Ausstellungsflyer bestückt, Postkarten lassen aber nicht mehr lang auf sich warten.

Unser erster Schwung Postkarten wird sich mit Motiven schmücken, die im Zuge der Arbeiten an unseren Büchern, zum Beispiel als Teil der Landtiereserie entstanden sind, aber aus verschiedenen Gründen nicht oder nur unvollständig in den Büchern gelandet sind. Sie alle sind nichtsdestotrotz zu schön, um nicht gesehen zu werden, deshalb freuen wir uns sehr, sie bald im Postkartenformat präsentieren zu können!

Die Geschichten hinter den Motiven können in den nächsten Wochen hier auf dem Blog nachgelesen werden. Die Postkarten selbst, der Postkartenständer, alle unsere Bücher, manches Originalbild sowie Katharina Schulze und Nina A. Schuchardt könnt ihr live und in Farbe am 10. Juni bei der Landpartie in Roddahn erleben. Wir freuen uns auf euch! Um dieselbe Zeit werden die Postkarten natürlich auch im Shop zu finden sein.

Ein sehr herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an den lieben Freund, welcher an der Drehbank die Spitze für unseren Postkartenständer geschaffen hat! Sie symbolisiert in meinen Augen eine Fichte, in welcher das Eichhörnchen klettert!