Die Monster sind los

Die Monster sind los

Es ist wieder soweit – die Monster sind los. Am vielleicht gruseligsten Tag des Jahres können sie einem überall begegnen: skurrile und lustige Gestalten wohin das Auge blickt auf der Suche nach süßen Kleinigkeiten und Abenteuern.

Gar nicht so gruselig kommen unsere Monster daher. Besonders sind sie aber allemal und sie lassen uns gern an ihrem kunterbunten Alltag teilhaben. Mit den MONSTERKINDERN wird jeder Tag zur Monsterzeit.

Ein besonders schönes Erlebnis mit unseren Monsterkindern hatten wir beim Türöffner-Tag 2017 in der Patent-Papierfabrik Hohenofen, bei der die Monsterkinder von Niki Amann auch auf der großen Leinwand zu sehen waren. Als ein paar Monate altes Kind mit seinem Vater den Ausstellungsraum betrat, freute es sich so sehr über die bunten Farben und die außergewöhnlichen Figuren, dass es vor Begeisterung kringel-kichernd zu lachen anfing.

Wenn ihr sehen wollt, warum, dann besucht unsere Monsterkinder in ihrer kunterbunten Welt.

Wir wünschen euch allen ein schaurig-schönes Wochenende!

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Wir lieben ihre Monster, ihre Ornamente, ihre Farben… Die Künstlerin Niki Amann begleitet den Eichhörnchenverlag schon seit seiner Gründung. Erst als Freundin, dann auch als Urheberin unseres zweiten Bilderbuchs MONSTERKINDER.
Nun zieht es sie aus unserer Nachbarschaft im schönen Brandenburg in die ebenfalls schöne Schweiz. Grund genug für uns, gemeinsam mit dem Arbeitskreis Arbeitskreis Offene Kirche Roddahn e. V. eine kleine Retrospektive über ihr bisheriges Schaffen zu wagen und mit einer bunten Ausstellung einen schönen Abschied zu feiern!

Am 8. Juni 2019 um 14:00 Uhr werden wir die FAREWELL MONSTERPARTY feierlich eröffnen. Kommt vorbei* und nutzt die Gelegenheit in den quirlig-spritzigen, manchmal auch grausam-melancholischen, immer lebensfeiernden Bilderkosmos der Niki Amann einzutauchen!

FAREWELL MONSTERPARTY
Malerei und Zeichnung von Niki Amann
08.06. – 29.06.2019

Vernissage: 08.06.2019, 14:00 Uhr
Laudatio: Nina Alice Schuchardt (Kunsthistorikerin und Verlegerin)

Finissage: 29.06.2019, 14:00 Uhr
Weitere Öffnungszeiten nach Absprache (kontakt@eichhoernchenverlag.de)
Kuratorin: Nina A. Schuchardt

* Für Berliner*innen, die gern mit dem Zug zur Ausstellung kommen würden, richte ich gern einen Shuttle vom Bahnhof Neustadt(Dosse) zum Veranstaltungsort und zurück ein! Eine kurze Mail an kontakt@eichhoernchenverlag.de (Nina A. Schuchardt) genügt.

Muss ich mehr sagen? Der Nikolaus hat uns ein Bande kleiner Monsterkinder in die Stiefel gesteckt und wir haben schon jede Menge Spaß damit!

Jetzt warten sie darauf, bei euch einziehen zu dürfen.

(hier geht’s zum Shop)

Einige Testleser hatten die Monster übrigens auch schon. Schwerwiegendster Kritikpunkt: Die Monster sehen gar nicht so gefährlich aus… unter den Weihnachtsbaum werden sie aber trotzdem gewünscht.

Es hat sich auch schon herausgestellt, dass die Monsterkinder nicht nur etwas für ganz kleine Kinder sind, sondern durchaus auch Grundschulkinder und Leseanfänger begeistern.

Es ist schon gut, dass wir keine Altersempfehlungen auf unsere Bücher drucken. Kunst ist immer für alle da!

Immer wieder merke ich an solchen Reaktionen auch, wie wunderbar vorurteilsfrei und direkt Kinder ihrer Umwelt begegnen. Ihr Feedback ist unschätzbar wertvoll und die Maraschino-Kirsche auf meiner Arbeit.

Zum Glück gibt es Kinder! 🙂

Noch sind die Monsterkinder in der Grafik/Layout-Abteilung in den fähigen Händen Antje Rothers, aber bald schon sollen sie sich auf den Weg in die Druckerei machen, um von dort noch rechtzeitig euren Weihnachtsbäumen und Feststuben zuzufliegen! Bis dahin gibt es jetzt auf der Homepage unter Bücher und hier im Blog einen kleinen Vorgeschmack.

Eine kurze Anekdote aus der Kunstausstellung für Kinder am 3. Oktober möchte ich euch außerdem nicht vorenthalten. Viele Kinder und Erwachsene hatten an diesem Tag Freude an den Monsterkindern, die dort alle samt Texten versammelt waren. Viele größere Kinder haben sich die Bilder angesehen und die Texte gegenseitig vorgelesen, viele Erwachsene haben sich Zeit genommen ihren kleineren Kindern vorzulesen und über das Treiben der Monsterkinder zu schmunzeln und zu lachen. Das war sehr schön zu beobachten. Das schönste Erlebnis in Bezug auf die Monsterkinder war für mich an diesem Tag aber die Begegnung mit einem Baby. Dieses Kind konnte noch nicht sprechen, es war vielleicht auch noch nicht ganz im bilderbuchinteressierten Alter und von der erhöhten Position auf Papas Arm konnte es bestimmt die Figuren der Monsterkinder gar nicht erkennen – denn diese waren auf kinderfreundlichen 100 bis 130 cm Höhe angebracht – aber es hat die Farben gesehen und es hat gelacht. Es hat gelacht und gelacht und gelacht und sich bei jedem Schritt an der Bilderreihe entlang neuerlich gekringelt und es hat immer noch gelacht, als die Eltern samt Baby die Ausstellung wieder verließen. Dieses Lachen war so schön und so ansteckend, dass alle anderen im Raum mitlachen mussten und es hat mir einmal mehr vor Augen geführt, auf wie vielen unterschiedlichen Ebenen Bilder Bedeutung entwickeln und Freude schenken können.

Mehr davon! Ich freue mich auf die Vorweihnachtszeit. 😉

 

Monsterkinder

Die Monsterkinder, sind Schöpfungen der Künstlerin Niki Amann.

Die Künstlerin hat im Zuge der Recherchen zu ihrer Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte ein halbes Jahr in den Reservaten der Kwakiutl in Kanada gelebt. Die in dieser Zeit erlebte und beobachtete Figurenwelt und Formsprache findet bis heute Widerhall in ihrem künstlerischen und gestalterischen Arbeiten. Monster sind ein wiederkehrendes Motiv in ihren Bildern, dem sie mit den Monsterkindern ein besonderes Maß an Bewegtheit und Lebensfreude eingehaucht hat.

In strahlenden Farbfeldern mampfen, stampfen, tuscheln und kuscheln sich die Monsterkinder durch das Buch und sind dabei gleich Spiegelbildern der kleinen Monster, die gelegentlich in uns allen wohnen und die ein Teil von jedem von uns sind.

Konzeptidee und die Texte zu den Monsterkindern stammen von Nina A. Schuchardt, die sich dafür von dem Popup-Buch „Kleine Monster“ von Jan Pieńkowski inspirieren ließ und dessen Charme und Witz in das Medium Pappebuch übersetzt hat.

Monsterkinder ist ab November/Dezember 2017 lieferbar und kann über unseren Onlineshop vorbestellt werden.

ISBN 978-3-9818726-1-3

Heute ohne viele Worte. Vielen Dank euch allen, die ihr den Eichhörnchenverlag, die Patent-Papierfabrik Hohenofen und muckout zum Türöffner-Tag mit der Sendung mit der Maus besucht habt. Eure Neugier, euer Einfallsreichtum, euer Enthusiasmus und eure Geschichten haben diesen Tag tatsächlich zu einem Bücherfest mit vielen wunderbaren Momenten werden lassen, den wir noch lange in Erinnerung behalten werden. Wir nehmen viele Eindrücke mit und gehen mit Schwung daran, neue Ideen für euch auszubrüten!

Bis bald!

 

Als Praktikantin im Eichhörnchenverlag hat Katharina Schulze derzeit Einblick in all unsere laufenden und in Planung befindlichen Projekte und Aufgaben. Dabei ist sie – ohne das hier zu viel verraten werden soll! – auch auf Monster gestoßen und hat sie zum Anlass genommen, folgenden hochspannenden Text zu schreiben. Viel Spaß!

von Katharina Schulze

Monster haben Hochkonjunktur, sowohl in der Literatur für Erwachsene als auch in der Jugend- und Kinderliteratur. Bereits in älteren Klassikern wie „Peter Pan“ oder „Alice im Wunderland“ begegnen uns allerhand zauberhafte Gestalten.

Ungefähr seit den 1960-er Jahren haben sich Monsterdarstellungen gewandelt und Einzug in die Kinderliteratur gehalten. Sie sind nicht mehr alleinig Platzhalter für Ängste, sondern agieren als freundliche Gestalten, die gar nicht so monströs sind. Was aber ist eigentlich ein Monster und wieso sind Monster und andere Phantasiegestalten in der Kinderliteratur so wichtig?

Die Definition eines Monsters ist nicht leicht und unterliegt stets einem gesellschaftlichen und historischen Wandel. Es stellt eine Abweichung der Norm dar und ist damit je nach gesellschaftlicher oder sozialer Gruppe unterschiedlich und verhandelbar. Was als Monster gekennzeichnet ist, macht somit auch immer deutlich, was als normal angesehen wird. Dass Monster gruselig sein müssen ist keine feststehende Größe. Im Mittelalter waren Monster durch ihre Andersartigkeit definiert, nicht dadurch, dass sie gruselig oder gefährlich waren. Auch wie ein Monster wahrgenommen und bewertet wird, hat sich immer wieder verändert und ist so vielfältig wie seine Erscheinungsformen. Es kann als Verbund mit dem Teufel, von Gott berührt, oder als Zeichenbringer gedeutet werden. Gerade außerhalb Europas wurden Monster als Mischwesen auch als besonders eng verbunden mit der anderen Welt angesehen. In der Literatur des  19. und 20. Jahrhunderts können Gestalten wie „Frankensteins Monster“ Kritik am menschlichen Größenwahn symbolisieren.

Auch in Kinderbüchern wird erforscht, was ein Monster ausmacht und wie es aussieht. Das Buch „Prima, Monster!“ geht zum Beispiel dieser Frage nach. Eben weil ihre Erscheinung so wenig festgelegt ist und viel Raum für Gestaltung lässt, eignen sich Monster optimal für Darstellungen in Kinderbüchern. Durch die Vielfalt der Formen und Farben sind sie bereits für die Kleinsten gut erfahrbar.

Wie bei Horrorfilmen ist die leichte Angst beim Lesen und Betrachten eines Buches über Monster Teil des Spaßes. Hier wird auch von thrill oder Angstlust gesprochen. Egal ob das Monster nun tatsächlich böse ist oder nicht, der Angst wird auf den Grund gegangen, ihr begegnet und ein Weg gefunden mit ihr umzugehen oder sie zu besiegen. Reale Ängste werden wahrgenommen. Sie existieren, müssen einen aber nicht hindern, sondern können einen weiterbringen. Auch werden diffuse Ängste durch den Körper des Monsters sichtbar, bekommen eine Begrenzung und sind so leichter zu betrachten. Ebenso kann es sein, dass man hinter die Fassade seiner Angst blickt, diese hinterfragt und dabei feststellt, dass das vermeintliche Monster gar keines ist. In „Der Raggeahase Boooo und die rosa Monsterkrabbe“ haben alle Tiere im Wald Angst vor der rosa Monsterkrabbe, die auf dem Weg in ihren Wald ist, ohne sie zu kennen. Reggaehase Boooo macht sich also auf den Weg, um die Krabbe kennenzulernen und stellt fest, dass diese überhaupt nicht böse und gefährlich ist.

Auswahl „Monsterbücher“ aus der Verlagsbibliothek. Zeichnung „Faunus“ (c) von Maike Schuchardt.

Eine weitere wichtige Rolle von Monstern in der Literatur ist, dass sie eine andere Welt, ein anderes Aussehen, eine andere Realität bieten und somit Ausdruck von Sehnsüchten sind und die Phantasie unterstützen. Unliebsame Regeln und Erfahrungen wie ins Bett gehen, waschen, über den Kopf entscheiden gelten für Monster nicht. Sie erscheinen oft wild und unbeherrscht, wobei die Gradwanderung zwischen Wildheit und Gefahr einen Teil der Spannung ausmacht. In vielen Geschichten finden sich durchaus bekannte Anknüpfungspunkte an die Lebensrealität von Kindern. Sie sind dann aber in der Welt der Monster umgekehrt und weisen andere Details auf. In „Die Schule der kleinen Vampire“ gehen die Vampirkinder jeden Tag in die Schule, um zu richtigen Blutsaugern zu werden. Allerdings startet die Schule erst im Alter von 60 bis 70 Jahren. Und obwohl es in „Die kleine Hexe feiert Weihnachten“ ein ziemlich traditionelles Fest mit Keksen und Weihnachtsbaum gibt, sind die Gäste doch anders als gewöhnlich. Sie kommen nämlich in Form von Geier-, Bärenhexe und gar Weihnachtshexe daher. Geschichten, in denen sich die Kinder selbst in Monster verwandeln, gehen noch einen Schritt weiter, denn hier erleben die Kinder die Abenteuer nicht als Zuschauer, Gäste oder in der Konfrontation mit dem Monster, sondern durchleben sie selbst. Ein klassisches Beispiel für solch eine Verwandlung ist „Wo die wilden Kerle wohnen“.

Durch das Aufzeigen anderer Realitäten stellen die Monster und ihre Lebensorte zudem auch bestehende Systeme in Frage. Regeln und Machtverhältnisse können völlig verändert oder umgekehrt erscheinen und machen so deutlich, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt.

Liste der erwähnten Bücher:

Barrie, James Matthew: Peter und Wendy, Illustratorin: Attwell, Mabel Lucie 1911, 1921.

Carroll, Lewis: Alice im Wunderland, Illustrator: Tenniel, John, 1865.

Shelley, Mary: Frankenstein, 1818 erstmals anonym.

Heitz, Markus: Prima, Monster!, Illustratorin: Tourlonias, Joelle, Baumhaus Verlag 2012.

Strohschneider, Jens: Der Reggaehase Boooo und die rosa Monsterkrabbe, Illustrator: Rusinek, Lukasz, Verlag Volandt und Quist 2013.

Niebisch, Jackie: Die Schule der kleinen Vampire. Die Prüfung, Ravensburger Buchverlag 1998.

Baeten, Lieve: Die kleine Hexe feiert Weihnachten, Illustratorin: Baeten, Lieve, Oetinger Verlag 1996.

Sendak, Maurice: Wo die wilden Kerle wohnen, Illustrator: Sendak, Maurice, Harper and Row 1963.

Sekundärliteratur:

Tollkötter, Anna: „Kinder brauchen Monster“. Lustvolles Gruseln im Bilderbuch, 2012. Online im Internet: URL: http://www.deutschlandfunk.de/kinder-brauchen-monster.1202.de.html?dram:article_id=228152

Hoydis, Julia: Horror- und Gruselliteratur: Unheimlicher Nervenkitzel. Online im Internet: URL: http://www.boysandbooks.de/fileadmin/templates/images/PDF/Erzaehlmuster_Horror_und_Gruselliteratur.pdf

Dettmar, Ute: Angst: Lust und Schrecken in der Kinder- und Jugendliteratur. Online im Internet: URL: http://www.kids-media.uzh.ch/dam/jcr:00000000-7a61-1c98-ffff-ffffa6e183a9/dettmardefinitiv.pdf