Heute ist der Tag der gewaltfreien Erziehung

Heute ist der Tag der gewaltfreien Erziehung

Unsere IDA geht ihren eigenen Weg durch die Welt und kann dabei ganz auf sich vertrauen. Um Kindern diese Möglichkeit zu geben, ist zuallererst ein gewaltfreies Aufwachsen nötig, für das wir als Eltern, Umfeld und Gesellschaft Sorge tragen. Um auf die Wichtigkeit einer gewaltfreien Erziehung hinzuweisen, gibt es in Deutschland seit 2004 den Tag der gewaltfreien Erziehung, der immer am 30. April begangen wird. Der Tag dient dazu, daran zu erinnern, dass Gewalt an Kindern niemals eine Lösung ist und soll den Kleinsten und Hilflosesten eine Lobby geben. (1)

Laut des UNICEF-Berichts “A Familiar Face. Violence in the lives of children and adolescents” erleben weltweit bereits rund drei Viertel der zwei- bis vierjährigen Kinder weltweit, das sind ungefähr 300 Millionen Mädchen und Jungen, körperliche oder verbale Gewalt durch ihre Erziehungsberechtigten in ihrem eigenen zu Hause. (2)

Um diese Situation zu verbessern, hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen 1989 die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet, welche mittlerweile von fast allen Staaten der Erde unterzeichnet wurde. Die Konvention gilt für alle Kinder bis 18 Jahren und schreibt unter anderem das Recht auf den Schutz des Lebens und der Unversehrtheit, aber auch Respekt und Förderung von Begabungen fest. (3)

In Deutschland gibt es aktuell Bestrebungen, die Kinderrechte zu stärken und diese im Grundgesetz zu verankern. Denn obwohl Kinder auch Trägerinnen und Träger aller Grundrechte und gleichzeitig besonders schutzbedürftig sind, ist dies aus dem Verfassungstext bisher nicht explizit ersichtlich. Deshalb gibt es schon lange Diskussionen darüber, Rechte von Kindern im Grundgesetz festzuschreiben und somit sichtbar zu machen. An der aktuellen Umsetzung gibt es aber auch Kritik: Politiker*innen, Jurist*innen, Kinderschutzorganisationen und Wissenschaftler*innen halten die geplanten Formulierungen für zu ungenau und kritisieren, sie enthalten unnötige Wiederholungen. Manche gehen sogar davon aus, dass der vorliegende Entwurf den Kinderschutz schmälere und hinter geltendes Recht zurückfalle. Konservative Kreise schätzen indes die Gefahren höher ein als den Nutzen und sind grundsätzlich gegen eine Änderung des Grundgesetzes. (4)

Die UN-Kinderrechtskonvention gilt verbindlich mit dem Rang eines einfachen Bundesgesetzes seit 1992 in Deutschland. (5) Erst im Jahr 2000 wurde in Deutschland das „Recht auf eine gewaltfreie Erziehung“ festgeschrieben, vorher waren Schläge als „Erziehungsmaßnahme“ nicht verboten. (3) Insgesamt hat sich in Deutschland die Einstellung zu Gewalt in der Erziehung im Sinne der Gewaltfreiheit positiv verändert und sich ein gewisser Konsens zur gewaltfreien Erziehung herausgebildet. Das belegen auch Studien, in denen Eltern gewaltfreie Erziehung als ihren Erziehungsstil benennen, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Cordula Lasner-Tietze. (6)

Anders als vor 30 oder 40 Jahren sehen viele Eltern ihre Kinder heute als eigenständige Persönlichkeiten, die Vertrauen, Sicherheit und Freiheit erleben sollen, so Lasner-Tietze, und die „Erwachsene an ihrer Seite haben, die die Welt erklären und das Kind Erfahrungen machen kann, indem es mit Neugier und Lust die Welt entdecken kann.“ (6) Obwohl körperliche Gewalt abnimmt, verstärken sich dafür andere Faktoren, die auch zu Gewalt zählen. Heute steht mehr die psychische Gewalt im Vordergrund, die den Eltern oft nicht bewusst ist und auch Eltern trifft, die besonders engagiert sind, damit aber auch sehr viel Druck auf ihre Kinder ausüben, wie die Erziehungswissenschaftlerin Alexandra Langmeyer vom Deutschen Jugendinstitut bemerkt. (6)

Insgesamt ist Deutschland auf einem guten Weg, trotzdem gibt es noch viel zu tun, denn immer noch machen viele deutsche Kinder Gewalterfahrungen. Laut einer Kriminalstatistik für das Jahr 2019 werden etwa fünf bis zehn Prozent der Kinder von ihren Eltern schwerwiegend und relativ häufig körperlich bestraft. Die Corona-Pandemie verstärkt dies, da sie Familien in die Isolation zwingt, Spannungen verschärft und somit mehr Konfliktpotenzial schafft, welches in Gewalt enden kann. Gleichzeitig ist die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe derzeit stark eingeschränkt. (7)

Nehmen wir also den heutigen Tag als Anlass, noch stärker auf uns und die Welt um uns herumzuschauen, zu unterstützen und zu helfen, um allen Kindern eine liebevolle, gewaltfreie Kindheit zu ermöglichen.

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Quellen:

(1) Helena: Tag der gewaltfreien Erziehung: Jeder Klaps ist einer zu viel!, 2018, unter:  https://www.ma-gazin.de/tag-der-gewaltfreien-erziehung/ (letzter Aufruf: 14.04.2021).

(2) Unicef: A Familiar Face. Violence in the lives of children and adolescents, November 2017, unter: https://data.unicef.org/resources/a-familiar-face/ (letzter Aufruf: 14.04.2021).

(3) Jugendstiftung Baden-Württemberg: Kinder haben Rechte!, unter: https://www.menschenrechte.jugendnetz.de/menschenrechte/kinderrechte/ (letzter Aufruf: 14.04.2021).

(4) Otto, Jeanette: Kinderrechte im Grundgesetz. Hört! Uns! Zu!, 21.04.2021, In: Zeit Nr. 17/2021, unter: https://www.zeit.de/2021/17/kinderrechte-grundgesetz-gesetzesentwurf-kinderschutz-rechtsschutz-familie, (letzter Aufruf: 29.04.2021).

(5) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Kinderrechte ins Grundgesetz, 22.01.2021, unter: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/kinder-und-jugend/kinderrechte/kinderrechte-ins-grundgesetz (letzter Aufruf: 14.04.2021).

(6) Wagner, Albrecht: Tag der gewaltfreien Erziehung: Das Problem heißt heute psychischer Druck, 30. April 2018, unter: https://www.mdr.de/wissen/mensch-alltag/tag-der-gewaltfreien-erziehung-100.html (letzter Aufruf: 14.04.2021).

(7) Langosch, Nele: Mehr Gewalt gegen Kinder und Mütter in der Corona-Zeit?, 21.08.2020, unter: https://www.baby-und-familie.de/Coronavirus/Mehr-Gewalt-gegen-Kinder-und-Muetter-in-der-Corona-Zeit-558405.html (letzter Aufruf: 14.04.2021).

Titelbild: Vienna 2010-11-20 ‚Kinderrechte‘ Smart Mob 025, 20 November 2010, Österreich, Wien, Stephansplatz, Attribution: Wolfgang H. Wögerer, Vienna, Austria, unter: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vienna_2010-11-20_%27Kinderrechte%27_Smart_Mob_026.jpg, (letzter Aufruf: 29.04.2021).

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