Bücherliebe

Bücherliebe

Neben dem Glück, an der Entstehung Bücher des Eichhörnchenverlages beteiligt zu sein, habe ich auch einen kleinen Testleser zu Hause, der mit mir immer wieder unsere alten und neuen Lieblinge anschaut. Seit einiger Zeit nun erlebt mein Kind Bücher auch auf eine viel bewusstere Weise und genießt nicht nur die Farben und den Spaß beim Umblättern, sondern entdeckt auch ganz konkrete Tiere und Gegenstände darin.

Es bereitet mir große Freude, meinem Kind dabei zuzusehen, wie es sich mehr und mehr die Welt der Bücher erschließt und manchmal schon vertieft irgendwo in der Wohnung sitzt und konzentriert in einem Buch blättert. Die gelesenen Worte ergeben auf einmal Sinn und werden manchmal direkt in die Tat umgesetzt wie bei den MONSTERKINDERN: „Zwei kleine Monster kuscheln“. Und manchmal müssen wir nach dem Betrachten der LANDTIERE auch direkt die Oma anrufen, denn da gibt es tatsächlich einen Hund, der so ähnlich aussieht wie der von Oma.

Es ist auch immer wieder interessant, wenn wir ein neues Buch haben oder eines aus dem Bestand zum ersten Mal oder nach langer Zeit wieder anschauen zu beobachten, welche Dinge am faszinierendsten sind und am meisten begeistern. Für mich gänzlich unverständlich ist die frühe Liebe meines Kindes zu Autos. Gern sucht es diese in allen Büchern oder Zeitschriften und ist schon sehr enttäuscht, wenn in einem Buch keine zu sehen sind. Zum Glück fährt auch der KLEINE LÖWE WILLIAM an seinem aufregenden Tag ein kleines Rennen in seinem roten Flitzer. Vielleicht auch einmal ein Thema für ein Buch im Eichhörnchenverlag? Es bleibt spannend.

Wir wünschen euch ein wundervolles Wochenende, genießt das warme Wetter und ein schönes Buch!

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Titelbild: Bücherregal, (c) Fotografie: Joseph Bergner.

Er ist oft nicht so aufregend und präsent wie das Titelblatt eines Buches oder die Rückseite, die uns mehr über den Inhalt des Buches verrät, aber das Erste, was wir von einem Buch im Bücherregal sehen und damit nicht minder wichtig: der Buchrücken.

Im heutigen Blogbeitrag widmen wir uns dieser schmalen Seite eines Buches, an der der Buchblock am Einband befestigt ist.

Journalistin Julia Rothhaas beschreibt den Buchrücken wie folgt: „Denn der Buchrücken ist der Agent zwischen Auge und Kopf, der uns ein Gefühl vermittelt – und nicht nur Titel und Autor nennt. Wir sehen kurz hin und haben auch nach längerer Zeit wieder ein Gespür dafür, wie die Lektüre war. Der Buchrücken ist wie das Loch, in das Alice im Wunderland fällt, die Eingangstür zu den bunten Welten dahinter und den Gefühlen, die wir beim Lesen hatten“.  (1)

Meistens enthält der Buchrücken den Autor, den Titel und den Verlag und ist auf gestalterischer Ebene eher zurückhaltend gestaltet, da an dieser Stelle die Fakten im Vordergrund stehen und das Auffinden des Buches erleichtert werden soll. Aufwändiger, vielleicht sogar mit einem Bild versehen, sind eher weniger Buchrücken, oft einfach wegen des fehlenden Platzes. Bei einer Dilogie, Trilogie oder anderen Mehrteilern, Schubern oder Sammelbandausgaben spielt das Design des Buchrückens eine größere Rolle. Sie sind oft zusammenhängend gestaltet oder sich in einigen Punkten ähnlich, sodass man sie als zusammengehörend ausmachen kann. (2)

Lange Zeit spielte der Buchrücken in der Geschichte des Buches keine Rolle. Im Mittelalter wurden die meist großen und schweren Bücher liegend aufbewahrt, der Rücken wurde sogar oft mit einer Vorrichtung versehen, die es erlaubte, das Buch anzuketten und vor Diebstahl zu schützen. (1) Da der Buchrücken verdeckt war, wurde der jeweilige Titel durch ein Stück Pergament oder Papier gekennzeichnet, welches an einem Band aus dem Buch heraushing. (3)

Mit der Erfindung des Buchdruckes kamen auch immer mehr Bücher in Umlauf und im 16. Jahrhundert reichte der Platz nicht mehr aus, um die Bücher wie bisher liegend aufzubewahren. Die Lektüre wurde aufgerichtet, allerdings erstmal mit dem Rücken nach hinten. „Die Bücher waren zum Schutz armiert, sie trugen Metallschließen“, sagt Andreas Wittenberg, Referatsleiter der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin. „Weil man sie daran auch gut aus dem Regal ziehen konnte, wurden sie mit dem Vorderschnitt, also den Seiten, in Richtung Betrachter aufgestellt.“ Die Privatbibliothek entwickelte sich mehr und mehr zum Statussymbol und die Bücher wurden je nach Einrichtung, Geschmack und Geldbeutel vom Buchbinder gebunden, denn man kaufte nur den gedruckten Teil, nicht den Einband dazu. (1)

Der heute verbreitete Schutzumschlag, der das Bücherregal bunt und schön macht, kam erst Ende des 19. Jahrhunderts in Umlauf. Dieser wurde von den Bibliotheken tatsächlich oftmals entsorgt – er diente zu dem Zeitpunkt eben nur zum Schutz beim Transport und noch nicht als Werbemittel. (1)

Langsam wurde es dann doch üblich, in Kloster-, Palast- und in Handbibliotheken die Bücher in den Regalen mit dem Rücken nach vorne aufzubewahren. Bis ins 20. Jahrhundert wurden Buchrücken mehrheitlich aufwendig gestaltet und verziert, zum Beispiel mit Goldprägungen, Silberprägungen, Farbprägungen und Farblosprägungen oder Blindprägungen, handverzierten Ornamenten oder kostbaren Rückenvignetten. (4)

Autor, Titel und Verlag sind die wichtigsten Informationen, die uns der Buchrücken liefert. Wie diese allerdings auf dem Buchrücken angeordnet sind, unterscheidet sich stark voneinander. Eine verbindliche Norm für die Laufrichtung auf einem Buchrücken existiert in Deutschland, Österreich und der Schweiz beispielsweise nicht. (3) Die meisten Bücher im deutschsprachigen Raum werden allerdings von unten nach oben beschriftet, weil die Verlage davon ausgehen, dass der Großteil der Leser Rechtshänder ist und somit ein Buch mit der rechten Hand aus dem Regal nimmt und während der Suche nach einem Buch den Kopf nach links neigt. So sind die Titel im Regal schnell lesbar und der gewünschte Titel schnell gefunden. (5)

Bei englischsprachigen Werken ist es genau andersherum. Im Gegensatz zum linksdrehenden Längstitel wird hier beim rechtsdrehenden Längstitel der Titel von oben nach unten abgebildet. Man muss also bei einem im Regal stehenden Buch den Kopf nach rechts neigen, um den Titel lesen zu können. (4) Sind die Bücher dick genug, kann ihr Titel auch horizontal aufgebracht sein.

Ein Vorteil der angelsächsischen Variante ist, dass der Titel auch lesbar ist, wenn das Buch mit der Vorderseite nach oben flach im Regal liegt. Das Cover und der Text auf dem Buchrücken können also gleichzeitig gelesen werden. (5) Außerdem kann diese Variante sinnvoll sein, wenn die Lesbarkeit des Rücktitels wichtig ist wie auch bei buchähnlichen Publikationen wie einem Geschäftsbericht oder Katalog. Auch großformatige Publikationen wie Fotobücher profitieren von dieser Variante. (4)

Wie haben wir das nun im Eichhörnchenverlag gemacht? Da wir (bisher) keine Reihe und nur zwei zusammenhängende Bücher herausgebracht haben, nämlich die KLEINE VOGEL-WUNDERKAMMER plus Begleitbuch, sind unsere Buchrücken unterschiedlich gestaltet und dem Design und dem Format der verschiedenen Bücher angepasst. Was sich allerdings fast immer findet ist unser Logo, dass durch seine Form ziemlich perfekt Platz auf einem Buchrücken findet. Und man weiß immer, wo die Bücher des Eichhörnchenverlags im Regal stehen. Bis auf eine Ausnahme ist immer der Titel des Buches zu lesen, oft auch der Name des/der Künstler*in.

Bei den LANDTIEREN findet sich gar keine Schrift auf dem Buchrücken, da Titel- und Rückseite aus einem weiteren zusammenhängenden Bild von Susanne Haun bestehen und ein Aufdruck dieses Bild eher gestört hätte. Die eindeutige Gestaltung des Buches gibt auch so Auskunft darüber, um welches Buch es sich handelt. Bei einer unserer Neuerscheinungen, dem WINDKIND, haben wir zum ersten Mal mit Goldfolienprägung gearbeitet, die sich auch auf dem Buchrücken wiederfindet und diesen zu etwas ganz Besonderem machen.

Schaut doch auch mal in euer Bücherregal und entdeckt die Feinheiten der Buchrücken. Es gibt erstaunlich viel zu entdecken.

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Quellen

1) Rothhaas, Julia: Umschlagplatz, 13. November 2015, unter: https://www.sueddeutsche.de/stil/buchruecken-umschlagplatz-1.2734411 (letzter Aufruf: 10.02.2021).

2) Merschmann, Yvonne: Ein schöner Rücken kann entzücken: Buchrücken, 26. August 2018, unter: https://seitenglueck.wordpress.com/2018/08/26/allgemein-ein-schoener-ruecken-kann-entzuecken-buchruecken/ (letzter Aufruf: 10.02.2021).

3) ZVAB – Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher: Rückblickend betrachtet – Von der Schönheit des Buchrückens unter: https://www.zvab.com/antiquarische-buecher/buchruecken.shtml (letzter Aufruf: 10.02.2021).

4) Beinert, Wolfgang: Buchrücken, 14. Mai 2020, unter: https://www.typolexikon.de/buchruecken/ (letzter Aufruf: 10.02.2021).

5) Michalski, Thomas: Haben Sie schon mal über die Ausrichtung von Buchrücken nachgedacht?, 19. März 2012, unter: https://thomas-michalski.de/2012/03/19/haben-sie-schon-mal-uber-die-ausrichtung-von-buchrucken-nachgedacht/ (letzter Aufruf: 10.02.2021).

Titelbild: Bücher des Eichhörnchenverlags. Fotografie: SH, (c) Eichhörnchenverlag.

Kurz vor Weihnachten machen wir mit dem heutigen Blogeintrag mal wieder einen Exkurs in die Kunstgeschichte und beleuchten eine besondere Mutter-Kind-Beziehung und die stillende Maria als Thema der Kunst.

Stillen ist für viele Menschen die erste Erfahrung von Nahrung, Intimität und liebevoller Beziehung. In der christlichen Ikonographie ist das Stillen in Gestalt der »Maria lactans« durch zahllose Andachts- und Gnadenbilder seit dem frühen Mittelalter bekannt. Hier wird die Brustweisung Mariens als klassisches Symbol ihrer Barmherzigkeit verstanden. (1) Das Motiv der Maria mit der unbefangen entblößten Brust mag manche durch seine Freizügigkeit überraschen, es findet sich aber quer durch die Kunst- und auch Religionsgeschichte. (2) Dürer, Cranach, Hans Baldung Grien, Jan van Eyck, Picasso, Gauguin oder Chagall – alle malten sie. Bis ins Heute hinein reichen die Darstellungsformen wie auch das Sinnbild von Correggios Madonna del Latte von Susanne Haun (Titelbild dieses Beitrags) zeigt. Auch in der Bildhauerei war die Maria ein beliebtes Motiv. Im Barock entstanden an Wallfahrtsorten Brunnen mit Marienfiguren, aus deren Brüsten das heilkräftige Wasser sprudelt, dem übernatürliche Kräfte zugesprochen wurden. So etwa Brunnen in Passau-Mariahilf oder in Rengersbrunn im Spessart – dort nennt man das klare Wasser auch „Liebfrauenmilch“. (3)

Die Idee von der göttlichen Milch in der christlichen Ikonografie geht zurück auf das alte Ägypten und das Motiv der Göttin Isis, die den Horusknaben stillt. Durch ihre Milch nimmt Horus göttliche Kräfte auf. (4) Zahllos sind die Darstellungen der Isis, die ihren Sohn auf dem Schoß hält, mit der linken Hand seinen Kopf stützend, mit der rechten ihm die Brust reichend. Häufig ließen sich Pharaonen selbst an Stelle von Horus abbilden, um an seiner statt an der göttlichen Brust zu trinken und so ihre irdische Macht göttlich zu legitimieren. Die göttliche Milch der Isis mache angeblich aus den Menschen Gottesmenschen. (5) Einen regelrechten Boom erlebte das Motiv im Mittelalter und Maria lactans, die stillende Gottesmutter, wurde zu einem eigenen Genre. (4)

Albrecht Dürer malte Maria und ihren Sohn in besonders liebevoller Weise mit seiner „Maria das Kind stillend“ von 1503. Maria hat auf dem Bild ihre Brust entblößt, der Sohn nuckelt friedlich daran, während er mit der linken Hand an der Kleidung der Mutter herumnestelt. Maria beugt ihr Haupt und lächelt, Dürer zeigt sie mit geöffnetem Mund und Zähnen, auch wenn sich das für die Zeit eigentlich nicht ziemt. Diese Darstellung verstärkt den Eindruck von einer einfachen Frau, die blondgelockt und mit leichtem Doppelkinn keine reine Schönheit ist. Dabei ist die Intimität des Christuskindes mit seiner Mutter auf Dürers Bild dieselbe, die der Betrachter selbst erfahren kann, wenn er die kleine Lindenholztafel betrachtet. Sie ist kleiner als ein DIN-A4-Blatt und man muss ihr ganz nah kommen, um alle Details sehen zu können. Ursprünglich konnte es gedreht werden. Auf der Rückseite ist eine Passage eines Marienhymnus zu lesen, die übersetzt lautet: „Nur die Jungfrau stillte mit ihrer vom Himmel her gefüllten Brust“. (6)

Im Spannungsfeld zwischen Göttlichkeit und Erotik, konkreter und mystischer Figur lebt die berühmte „Madonna von Melun“ des französischen Hofmalers Jean Fouquet, auch „Madonna Sorel“ genannt. Wahrscheinlich verbirgt sich hinter der blassen Gottesmutter die Geliebte Karls VII., Agnès Sorel. Dem hier eher desinteressiert wirkenden Christusknaben bietet sie ihre pralle Brust dar, von Intimität auf diesem Bild keine Spur. Das Gemälde wirkt mehr wie ein Standesporträt, auf dem die Frau ihre körperlichen Vorzüge präsentiert denn wie ein Andachtsbild. Andere Darstellungen zeigen sie bei Jean-Laurent Mosnier als Rokoko-Dame, bei Gauguin als tahitianische Naturschönheit, bei Paula Modersohn-Becker als Frau vom Land, die in ihrer vollkommenen Nacktheit wieder zur Urmutter wird. (4) Ein sehr modern erscheinendes, eigentlich aber barockes Mutterbild ist die Madonna von Theodor van Thuldens: Diese wendet sich nicht dem Kind zu, sondern einem Buch. (7)

Neuere Darstellungen gibt es von Picasso, Gauguin, Chagall, Armin Horovitz oder Michael Fuchs. Auch Susanne Haun als Künstlerin des Eichhörnchenverlages hat sich dem Sujet angenommen und eine Interpretation der Madonna del Latte von Correggio gezeichnet, die auch in der in Kürze erscheinenden Broschüre SUSANNE HAUN |WERKSCHAU 2013-2020 zu bestaunen ist. (8)

Neben der Intimität des Stillens, der engen Verbindung von Mutter und Kind, kommt den Mariendarstellungen noch eine andere Bedeutung zu. Denn Maria ist zugleich himmlische Mutter und irdische Ernährerin. Das Stillen symbolisiert somit auch, dass ihr Sohn ganz Mensch ist – und damit abhängig von Menschenmilch. Das hilflose, auf den Leib Mariens angewiesene Kind ist der menschgewordene Gott. (5)  

In der Antike war es noch vonnöten gewesen, die Göttlichkeit des Menschen Jesus von Nazareth festzuschreiben. Maria kam dabei die Rolle der „Gottesgebärerin“ zu. Diese Sichtweise war bis ins späte Mittelalter hinein selbstverständlich. Neuen Frömmigkeitsbewegungen ab dem 14. Jahrhundert erschien es nun sinnvoll, die andere Seite hervorzuheben. Christi Menschlichkeit wurde wiederentdeckt, um einen unmittelbareren Bezug zu Gott zu finden. Deshalb gewannen Bilder der stillenden Maria an Bedeutung, die nun die enge Beziehung Jesu zu seiner Mutter hervorhoben. (6) Sie zeigen auch die besondere Innigkeit, die in der Beziehung zwischen Mutter und Kind entstehen kann.

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Wir gehen in die Winterpause und sind im Januar wieder mit frischen Ideen, spannenden Blogartikeln und bunten Posts für euch da. Eure Bestellungen packen und versenden wir natürlich weiterhin umgehend, damit euch der Bilderbuchstoff auch im Lockdown nicht ausgeht!

Der Eichhörnchenverlag wünscht euch allen eine frohe Weihnachtszeit. Macht es euch trotz der aktuellen Lage schön und startet gut ins neue Jahr!

PS: Unsere Neuerscheinungen warten nur darauf, euch die Zeit zu Hause zu versüßen.

(c) Titelbild: Susanne Haun: EIGENE INTERPRETATION DER MADONNA DEL LATTE NACH CORREGIO | 2019 | 50 x 65 | Tusche auf Büttenpapier | Zeichnung | WZ–Nr. 2019.11.19.0001.

Quellen

(1) Gras, Claudia: Maria lactans Die Stillende in der Kunst, unter: https://www.altertuemliches.at/termine/ausstellung/maria-lactans-die-stillende-der-kunst (letzter Aufruf: 17.12.2020 )

(2) Wiener Dommuseum: Sonderschau über „Maria lactans“, 12. November 2009, unter: http://www.kath.net/news/24527 (letzter Aufruf:17.12.2020 )

(3) Feldmann, Christian: Sehnsucht nach dem zärtlichen Gott, 11.01.2019, Unter: https://www.dw.com/de/sehnsucht-nach-dem-z%C3%A4rtlichen-gott/a-47047069 (letzter Aufruf: 17.12.2020 )

(4) Kuhn, Nicola: Stillende Frauen in der Kunst: Öffentliches Stillen: erlaubt in Kirchen und Museen, 28.02.2016, unter: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/stillende-frauen-in-der-kunst-oeffentliches-stillen-erlaubt-in-kirchen-und-museen/13022796.html  (letzter Aufruf: 17.12.2020 )

(5) Danzer, Claudia: Marias Milch – ein unwichtiges, aber witziges Thema der Theologie, 30. April 2018, unter: https://y-nachten.de/2018/04/marias-milch-ein-unwichtiges-witziges-thema-der-theologie/ (letzter Aufruf: 17.12.2020 )

(6) Pollmer-Schmidt, Almut: Bild des Monats: „Maria das Kind stillend“ von Albrecht Dürer, 22.12.2013, unter: https://blog.staedelmuseum.de/bild-des-monats-maria-das-kind-stillend-von-albrecht-durer/ (letzter Aufruf: 17.12.2020 )

(7) Kunst und Kultur: Die Milch der höchsten Mutter. „Maria lactans“ als Thema des Wiener Dommuseums, 23. Dezember 2009, unter: https://www.derstandard.at/story/1259282621343/die-milch-der-hoechsten-mutter (letzter Aufruf: 17.12.2020)

(8) Haun, Susanne: Mein Sinnbild von Correggios Madonna del Latte – Zeichnung von Susanne Haun, 14.September 2020, unter: https://susannehaun.com/2020/09/14/mein-sinnbild-von-correggios-madonna-del-latte-zeichnung-von-susanne-haun/ (letzter Aufruf: 17.12.2020)

Manchmal muss man einfach raus, etwas Neues sehen und die eigenen vier Wände hinter sich lassen. Mich hat es zuletzt in unser Nachbarland Dänemark gezogen.

Dabei hat mich während der Reise nicht nur die große Familienschar samt zwei kleiner Wirbelwinde ordentlich auf Trab gehalten, auch das zauberhafte Meer hat mich wieder einmal komplett in seinen Bann gezogen.

Immer wenn ich an die See fahre, renne ich als erstes einmal die Dünen herunter an den Strand und schaue hinauf auf die große Weite, lausche dem Rauschen der Wellen und lasse mir den Wind um die Nasenspitze wehen. Dann fühle ich mich:

„Schwerelos aufgehoben | Einem Adler Engel gleich“.

Diese schönen Worte hat Gerd Knappe gefunden und zusammen mit Elisa Brückner unser neues Bilderbuch WINDKIND gemacht.

Seid ihr auch so begeistert vom Meer? Schreibt uns gern!

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Es ist wieder soweit – die Monster sind los. Am vielleicht gruseligsten Tag des Jahres können sie einem überall begegnen: skurrile und lustige Gestalten wohin das Auge blickt auf der Suche nach süßen Kleinigkeiten und Abenteuern.

Gar nicht so gruselig kommen unsere Monster daher. Besonders sind sie aber allemal und sie lassen uns gern an ihrem kunterbunten Alltag teilhaben. Mit den MONSTERKINDERN wird jeder Tag zur Monsterzeit.

Ein besonders schönes Erlebnis mit unseren Monsterkindern hatten wir beim Türöffner-Tag 2017 in der Patent-Papierfabrik Hohenofen, bei der die Monsterkinder von Niki Amann auch auf der großen Leinwand zu sehen waren. Als ein paar Monate altes Kind mit seinem Vater den Ausstellungsraum betrat, freute es sich so sehr über die bunten Farben und die außergewöhnlichen Figuren, dass es vor Begeisterung kringel-kichernd zu lachen anfing.

Wenn ihr sehen wollt, warum, dann besucht unsere Monsterkinder in ihrer kunterbunten Welt.

Wir wünschen euch allen ein schaurig-schönes Wochenende!

Beitragsautorin: Katharina Schulze

Im heutigen Blogbeitrag dreht sich alles um eine besondere Form des Bilderbuches: die Silent Books.

Unter dem Begriff sind textlose Bilderbücher zusammengefasst, die allein durch die Bilder eine fortlaufende Geschichte erzählen und hierfür keine Worte benötigen. In diese Rubrik können auch Bücher fallen, in denen sich einzelne Worte oder Lautmalereien finden, wenn die Geschichte auch ohne diese Einsprengsel funktionieren würde und sich selbst erzählt. In der Regel sind aber Titel und der Klappentext des Buches die einzige inhaltliche Beschreibung, welche der/die Lesende erhält, wodurch der Erzählfluss allein in den Bildern liegt. Die Illustrationen „ersetzen“ die Worte, sie müssen erkannt, entschlüsselt, gedeutet und eingeordnet werden, um sich die Geschichte zu erschließen. Das schult Aufmerksamkeit, Konzepterfahrung, Interpretationsleistung und vor allem die Fantasie, da viel weniger vorgegeben ist. So beschreibt Janine Hasse Silent Books auf ihrem Blog Die Rabaukin. (1)

Dabei sind textlose Bilderbücher nicht gleichbedeutend mit Silent Books, sie stellen eine Sonderform des Bilderbuchs dar. Imme Surkamp verweist in ihrer Bachelorarbeit „Einsatz von Silent Books zur Arbeit mit Geflüchteten in öffentlichen Bibliotheken“ zudem auf Frühe-Konzepte-Bücher, die an Kleinkinder adressiert sind und bei denen lediglich einzelne Objekte auf den Seiten dargestellt werden, die nicht miteinander in Zusammenhang stehen oder nur grob einem Themengebiet angehören und benannt werden sollen. Eine dritte Kategorie bilden Wimmelbücher, die vor allem zum Suchen und Erzählen einladen sollen. Weder Konzept-Bücher noch Wimmelbücher erzählen aber eine fortlaufende Geschichte. (2)

Manche Eltern sind verunsichert, wie sie ihrem Kind die Geschichte nahebringen sollen ohne einen Text als Orientierung. Auch kann das Lesen der Bilder als befremdlich wahrgenommen werden, da wir so sehr an das geschriebene Wort gewöhnt sind und sich eine Geschichte nochmal auf ganz andere Art erschließt und man auf andere Weise ins Gespräch kommt. Dabei kann sich beim Lesen von Silent Books eine ganz eigene Dynamik entwickeln, es umgibt das Lesen eine gewisse Ruhe, daher auch der Name. Diese Dynamik beschreibt Susanne Brandt für die Bücherzentrale Schleswig-Holstein. (3) Das Lesen von Silent Books ermöglicht stärker ein individuelles Tempo beim Lesen und Betrachten, da sie nicht an die Länge des Textes gebunden sind. Da Worte immer auch die Geschichte und viel der möglichen Interpretationen vorgeben, können Silent Books noch persönlicher sein. Kinder können ihre eigenen Details und für sie wichtige Dinge entdecken und die Geschichte nach den eigenen Vorlieben entdecken. Vor allem für Kinder, die noch nicht lesen können, bieten die Silent Books eine große Bereicherung, da das Kind selbst zu Leser*in und Gestalter*in der Geschichte wird und sich diese für sich oder mit anderen gemeinsam erschließen kann.

Über die wortlosen Geschichten kann man mit seinen Kindern direkt ins Gespräch kommen, sie können den Leseprozess aktiv mitgestalten, vielleicht sogar noch stärker als bei textbasierten Bilderbüchern. Kinder können so über ihre Ideen und Gefühle sprechen, was ihnen auch in der alltäglichen Kommunikation Sicherheit bieten kann. All das ist natürlich beim Betrachten jedes Bilderbuches möglich, in der Form der Silent Books wird es aber durch die textlose Erzählweise noch verstärkt.

Der Begriff Silent Books wird nicht einheitlich benutzt und vor allem in Deutschland werden meistens die Begriffe Bilderbücher ohne Worte oder textlose Bilderbücher verwendet. Dies erschwert das Auffinden der Bücher, da sie in der Recherche keine einzelne Kategorie bilden. Existiert eine Zusammenstellung von Silent Books oder sind sie verschlagwortet, werden andere Begrifflichkeiten wie ‚Bilderbücher ohne „Text“, “Geschichten ohne Worte“ „textlos“ oder ‚wortlos‘ benutzt. Käufer*innen müssen also nach konkreten Titeln suchen oder sich auf bestimmte Listen verlassen. Dadurch wird auch die Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit geschmälert. (1)

Trotz dieser Schwierigkeiten haben sich Silent Books als eigenständiges Genre etabliert und werden seit 2014 international durch den Silent Book Contest um eine neunköpfige Jury aus Verlegern, Agenten und Illustratoren ausgezeichnet.

Silent Books fallen eigentlich nicht unter mehrsprachige Bücher und doch bieten sie die Besonderheit, dass sie unabhängig von Sprache und Alphabetisierung verstanden werden können. Die Bilder fungieren als eine universelle Sprache, die sich jedem erschließt. Dadurch können sie Menschen jeden Alters und jeder Herkunft niedrigschwellig ansprechen. (3) Sie können also auch von jedem interpretiert werden, ohne dass der/die Lesenden die Sprache und Schrift des Landes beherrschen müssen, aus dem das Buch kommt. Silent Books können also Barrieren überwinden und  interkulturelle Kompetenzen schulen. Es ist leicht, zwischen den einzelnen Bildern einer Geschichte hin und her zu springen. Wird eine Szene nicht verstanden, kann in der Geschichte immer wieder zurückgeblättert werden, um Aufschluss zu erhalten. So kann der Inhalt, dem jeweiligen Niveau entsprechend, in Worte gefasst werden.

Diese Besonderheiten machen Silent Books zu wertvollen Helfern in der Arbeit mit geflüchteten Menschen. Für sie besteht eine erhöhte Gefahr, ohne Geschichten und gemeinsame Sprache zu leben, in einem Umfeld, in dem ganz andere Geschichten präsent sind. Silent Books können hier ein Anknüpfungspunkt sein. (3)

Ein Beispielprojekt ist das 2011 ins Leben gerufene Projekt „Silent Books from the world to Lampedusa and back“, welches vom IBBY Italia ins Leben gerufen wurde. Beschrieben wird es auch vom Börsenblatt, dem Fachmagazin der Buchbranche. (4) Das IBBY – International Board on Books for Young People, versteht sich selbst als nicht-kommerzielle Organisation, die ein internationales Netzwerk von Menschen aus der ganzen Welt repräsentiert, die Kinder und Bücher zusammenbringen möchte. Das Projekt beinhaltet die Erstellung einer Sammlung von Silent Books. Dazu wurden IBBY-Sektionen weltweit aufgerufen Silent Books in mehrfacher Ausfertigung (fürs Archiv, die Bibliothek und eine Ausstellung) nach Lampedusa zu senden. Insgesamt konnten im Jahr 2013 111 Bücher aus über 23 Ländern und von insgesamt 4 Kontinenten gesammelt werden.

Der zweite Teil des Projekts ist der Aufbau einer Bibliothek auf Lampedusa. Die Bibliothek soll sich dabei sowohl an die einheimischen als auch an die geflüchteten Kinder auf der Insel richten, um ihnen, egal welcher Herkunft sie sind, Zugang zu Büchern zu ermöglichen und das interkulturelle Verständnis zu fördern. Da es bisher keine Bibliothek auf der Insel gab, wird ebenso die Aufmerksamkeit auf ein Bedürfnis nach Literatur auf der Insel gerichtet. Außerdem beinhaltet das Projekt die Wanderausstellung „Silent Books final destination Lampedusa“ in der die Bücher weltweit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Auch in Deutschland und Österreich gibt es, seit dem seit 2008 die Zahl der jährlich in Deutschland gestellten Asylanträge steigt, in öffentlichen Bibliotheken verschiedene Bemühungen, Geflüchteten besseren Zugang zu Bildung und Literatur zu ermöglichen. Dazu zählen neben der Ausstellung von  kostenlosen Ausweisen, einem kostenlosen Internetzugriff oder der Nutzung unterschiedlicher Medienangebote auch die Arbeit mit Silent Books. (2)

Im Eichhörnchenverlag ist bisher die KLEINE VOGEL-WUNDERKAMMER als Bilderbuch ohne Worte erschienen. Und noch in diesem Jahr kommt KLEINER LÖWE WILLIAM, den die Bilderbuchfreunde durch seinen Tag begleiten können.

Beitragsautorin: Katharina Schulze

PS: Ein ganz großes Dankeschön für die Inspiration zu diesem Blogbeitrag geht an die Betreiberin des Instagram-Kanals kinderbücherei, die nicht nur zahlreiche hervorragende Kinderbuchempfehlungen für euch bereithält, sondern uns auch auf die zitierte BA-Arbeit „Einsatz von Silent Books zur Arbeit mit Geflüchteten in öffentlichen Bibliotheken“ von Imme Surkamp aufmerksam gemacht hat! Vielen Dank mit Gruß von Nina!

Quellen

1) Hasse, Janine: Silent books, Wetzlar 2020: https://dierabaukin.blog/2020/02/06/silent-books/ (letzter Aufruf: 07.10.2020).

2) Surkamp, Imme: Einsatz von Silent Books zur Arbeit mit Geflüchteten in öffentlichen Bibliotheken., Bachelorarbeit im Studiengang Bibliothekswissenschaft, Fakultät Informations- und Kommunikationswissenschaften, Technische Hochschule Köln, Köln 2017: https://publiscologne.th-koeln.de/frontdoor/deliver/index/docId/1004/file/BA_Surkamp_Imme.pdf (letzter Aufruf: 07.10.2020).

3) Brandt, Susanne: In allen Sprachen lesbar – „Bilderbücher ohne Worte“ für Familien aus verschiedenen Herkunftsländern, Bücherzentrale Schleswig-Holstein, 2015: http://www.bz-sh-medienvermittlung.de/in-allen-sprachen-lesbar-buecher-ohne-worte-fuer-familien-aus-verschiedenen-herkunftslaendern/ (letzter Aufruf: 07.10.2020).

4) Börsenblatt: „Silent Books“ für Flüchtlingskinder, 2015: https://www.boersenblatt.net/archiv/602406.html (letzter Aufruf: 07.10.2020).