Tipps zum Lesenlernen – Welttag des Buches

Tipps zum Lesenlernen – Welttag des Buches

Heute ist Welttag des Buches und das ist uns natürlich ein besonderer Feiertag!

Ich (Nina A. Schuchardt) durfte unserer Regionalzeitung der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) zu diesem Anlass von dem Wunder des Lesenlernens, das ich im vergangenen Jahr in unserem Haus erleben konnte, berichten. Die ständige Erreichbarkeit und vielfältige Nutzung von Büchern in unserer persönlichen Lebens- und Arbeitswelt hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt. Den Artikel könnt ihr hier lesen.

Einige Gedanken, die ich euch aus unseren Erfahrungen zusammengefasst habe, könnt ihr außerdem hier nachlesen:

8 Tipps wie dein Umgang mit Büchern deinem Kind das Lesenlernen erleichtert:

Vorlesen! → Vorlesen ist schön. Die vertraute Nähe beim Vorlesen und die dabei gemeinsam verbrachte Zeit sind unheimlich wertvoll. Außerdem bereitet das Vorlesen Kindern den Weg, auf dem sie später selber entdecken können, dass das Lesen von Büchern Spaß macht und erleichtert das spätere Lesenlernen. „Vorlesen schafft ein uneinholbares Startkapital für das Lesenlernen“ zu diesem Fazit kommt die Vorlesestudie 2018 von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung. Das Vorlesen wirkt dabei gespächs- und bindungsfördernd, aber auch direkt sprachfördernd, indem es zum Beispiel den Wortschatz erweitert. Das Vorlesen sollte dabei auch nicht erst ab einem bestimmten Alter beginnen. Schon das gemeinsame Betrachten erster Pappebilderbücher im Säuglingsalter macht Spaß und legt die ersten Grundsteine.


2. Das eigene Lesen nicht verstecken → Wenn du selber liest und Bücher dir etwas bedeuten darf dein Kind das auch gerne wissen. Vielleicht wird dein Kind dich auch manchmal fragen, was du da gerade liest oder warum das jetzt spannender für dich ist, als z.B. Lego bauen oder Malen. Dann erzähle doch ein bisschen von den Inhalten deiner Lektüre und warum dich diese interessiert.


3. Bücher benutzen → Lesen, nachschlagen, verschenken. Was machst du mit deinen Büchern? Zeig deinem Kind, dass Bücher mehr sind als nur Papier mit Farbe. Es stecken Geschichten und Informationen darin und manchmal auch Zeichen besonderer Verbundenheit, wenn ich zum Beispiel ein bestimmtes Buch einer besonderen Person schenke. Sehr wichtig finde ich, Bücher als Sachbücher und Nachschlagewerke sichtbar zu machen und dafür auch den längeren Weg zum Bücherregal zu gehen, statt mit dem Smartphone zu googeln. Dein Kind wird lernen, dass Bücher Gebrauchsgegenstände sind, die es benutzen darf und soll und keine empfindsame Deko und es wird lernen, dass es sich in Büchern aktiv Wissen aneignen kann und davon nachhaltig profitieren. Getreu dem Motto: Mann muss nicht alles Wissen, man muss nur wissen, wo es steht.


4. Alte Bücher erreichbar halten → Es gibt immer wieder Momente, in denen es auch für größere Kinder schön ist, noch einmal in ihre alten Bilderbücher zu schauen und sich an diese ersten Geschichten zu erinnern. Die alten, halb erinnerten Geschichten lassen sich auch von Leseanfänger*innen leicht lesen, weil die Erinnerung einen Teil der Lesearbeit abnehmen kann. Außerdem sind Pappebücher und Bücher für kleinere Kinder in der Regel in leicht lesbarer Schrift gesetzt und haben einen überschaubaren Umfang. Nach der Lektüre hat man aber trotzdem schon ein ganzes Buch geschafft und das ist toll!


5. Selber auswählen lassen → Manche Kinder haben keine Lust zu Lesen, weil sie bestimmte Bücher lesen sollen, die die Erwachsenen toll finden, weil man zum Beispiel so viel darin lernen kann. Das funktioniert selten und es ist auch ein bisschen kurz gedacht. Auch die scheinbar nur dem Lesevergnügen dienenden Geschichten vermitteln oft viel Wissen und wichtige Kernkompetenzen. Empathie zum Beispiel kann kaum ein Sachbuch vermitteln, eine mitreißende Geschichte aber schon. Grundsätzlich gilt darum: Es gibt keine schlechte Lektüre, solange das Kind daran Interesse und Freude hat. Dreht doch den Spieß aus Punkt 2 einmal um und fragt, was genau das Kind an der Lektüre der Wahl so gut findet.


6. Vandalismus aushalten→ Viele von uns können es nur sehr schwer aushalten, wenn in Büchern gemalt, geschrieben, Seiten geknickt oder gar eingerissen werden. Ich persönlich sehe so etwas inzwischen recht entspannt. Ich habe eingesehen, dass es wirklich kein Drama ist, eine gerissene Seite auch mal ganz einfach mit einem Stück Klebestreifen zu flicken, weil der Gebrauchswert des Buches erhalten bleibt und verstanden, dass besonders das Malen in Büchern für Kinder eben auch ein Aneignungsprozess ist. Trotzdem ist es ok, wenn mir ein Buch sehr wichtig ist oder besonders viel bedeutet entsprechende Einschränkungen zu formulieren: „Bitte geh mit diesem Buch sehr vorsichtig um, denn es bedeutet mir sehr viel. Bitte schau es dir nur in Ruhe am Tisch an und lass die Stifte irgendwo anders liegen.“
Kindern, die sehr gern in Büchern malen, kann man auch gut mal ein Blankoheft oder ein Blankobuch anbieten, in denen sie ganz nach Herzenslust gestalten können. Außerdem gibt es einige tolle Mitmachbücher zu kaufen.


7. Vorlesen! → Dein Kind kann jetzt selber lesen? Wunderbar! Höre trotzdem nicht auf vorzulesen. Es ist immer noch schön, es sich mit einer vertrauten Person gemütlich zu machen und einer Geschichte zu lauschen. Es ist immer noch schön gemeinsam der Liebe zu spannenden, schönen oder aufregenden Büchern zu frönen. Es wird immer noch dem Wortschatz deines Kindes und vielleicht ja auch deinen eigenen erweitern und wenn ihr manchmal über das Gelesene sprecht, wird es auch euer reflektierendes Denken üben. Kurzum lest vor, so oft und so lange ihr könnt, denn es ist wunderschön und es ist gut für euch!


8. Vorlesen lassen und genießen → Irgendwann kann es sein, dass ihr nun manchmal selbst vorgelesen bekommt. Bleibt geduldig und entspannt, wenn das am Anfang noch etwas holperig klingt. Gerade zu Beginn müssen nicht alle Wörter beim lauten Lesen perfekt ausgesprochen sein und wenn die ersten eigenen Wörter geschrieben werden (Lesen und Schreiben sind eng miteinander verknüpft), muss auch die Rechtschreibung nicht stimmen. Wichtiger ist es, die Konstruktion von Wörtern aus Lauten grundsätzlich kennenzulernen und die Handkoordination zu üben. Darum lieber erst mal weniger korrigieren und Fehler auch mal unkommentiert stehen lassen. Kurzum: Lehnt euch zurück und genießt die Zuwendung, die euch nun zurückgeschenkt wird und wenn mal einer müde wird, könnt ihr euch in Zukunft mit dem Lesen abwechseln. Wie schön!


Buchtipps:

Pappebuch: „Landtiere“ von Gerd Knappe und Susanne Haun, Eichhörnchenverlag, 14,90 €. (ausschließlich in Großbuchstaben gesetzt, einfacher und leicht verständlicher Wortschatz, Gedichte).


Materialien zum selbstständigen Lesenlernen: „Lies mal“-Hefte (Nr. 0 – 8) von Peter Wachendorf, Jandorf Verlag, 3,30 € bzw. 3,90 € pro Heft. (intuitiv verständliches Lernmaterial zum selbstständigen Arbeiten für Vor- und Grundschulkinder).


Spannende Geschichten für Leseanfänger*innen: Erstlesebücher aus der Reihe „Leselöwen“, Loewe Verlag, 5,00 € – 7,95 €. (leicht lesbarer Satz in Fibelschrift und mit Leserätseln). und Erstlesebücher aus dem Moritz Verlag, ca. 10,00 €. (leicht lesbare Schrift, sehr schöne und spannende Geschichten).


Mitmachbücher zum kreativ werden: „İda’nin Yolu / Idas Weg“ von Fulya Gezer, Eichhörnchenverlag, 16,00 €. und „Mach dieses Bilderbuch fertig“ von Keri Smith, Verlag Antje Kunstmann, 15,00 €. (Machen Spaß und zeigen, dass Bücher mehr können, als nur gelesen zu werden).

Alles, was euch Spaß macht!

Beitragsautorin: Nina A. Schuchardt

Beitragsbild: Vorlesen im Garten mit Nina A. Schuchardt und Kind. Buch im Bild: “Ein Zebra unterm Bett” von Markus Orths und Kerstin Meyer aus dem Moritz Verlag. (c) privat.

Im Eichhörnchenverlag arbeiten wir derzeit an der Erstellung einer digitalen Pressemappe. Katharina Schulze hat dafür ein paar Fragen an die Verlagsgründerin Nina A. Schuchardt formuliert. Einige davon stellen wir euch nach und nach hier auf dem Blog vor:

Katharina Schulze: Was sind die besonderen Herausforderungen dabei, auf dem Land ein Unternehmen zu führen?

Nina A. Schuchardt: Zunächst einmal: Ich lebe und arbeite gern auf dem Land. Ich mag die Stille und die Einsamkeit hier. Ich schätze die Möglichkeit rausgehen und dabei trotzdem ganz allein sein zu können und ich liebe es, der Natur in all ihren Facetten und ihrem täglichen Wandel zuschauen zu können. Daraus schöpfe ich innere Ruhe und Zufriedenheit, während ich mich bei allen Freuden und Vorteilen des Stadtlebens zu meiner Zeit in Berlin oft wie in einem Stapel Schuhkartons eingesperrt fühlte und unfrei bei dem Gedanken, mit jedem Schritt vor die Tür immer im öffentlichen Raum zu stehen.

Die Herausforderung des Landlebens bezogen auf die Verlagsarbeit und Unternehmensführung besteht eindeutig in der Schwierigkeit mit Kolleg*innen, Partner*innen und Kund*innen in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Der regelmäßige persönliche Austausch fehlt ganz klar und das nicht nur in der Pandemie, wenn auch gerade ganz besonders und ist auch nicht per Mail und Telefon zu ersetzen.

In diesem Sinne geht an dieser Stelle ein herzlicher Gruß an alle, die noch auf eine Antwortmail von mir warten. Ihr seid nicht vergessen!

Ich bin dankbar dafür, dass wir zumindest eine Internetverbindung haben, die meistens zuverlässig ist (auch wenn wir in unserer Zeit hier auch schon den ein oder anderen Tag ohne Strom angesammelt haben) und inzwischen auch fast alle mit den Möglichkeiten der Videokonferenz vertraut sind. Das hilft. Trotzdem freue ich mich natürlich, wie so viele andere auch, auf den Moment, wenn echte persönliche Begegnungen wieder möglich sind und werde dem Aspekt der persönlichen Vernetzung als Teil der Verlagsarbeit in Zukunft sicher noch mehr Aufmerksamkeit schenken.

Beitragsbild: Antje Rother und Nina A. Schuchardt bei der Arbeit an dem Bilderbuch LANDTIERE von Gerd Knappe und Susanne Haun auf dem Hof des Eichhörnchenverlags. (c) privat.

Die Osterferien sind nah und viele sind pandemiebedingt sowieso die meiste Zeit zu Hause. So auch wir! Wir werden die Ostertage nutzen, um wieder einmal viele Päckchen, Briefe und Karten an Freunde und Familie zu schicken, am liebsten natürlich auf unseren allerneuesten Neuzugängen im Kartensortiment und ihr?

Habt ihr unsere Klappkarten mit Collagen von Elisa Brückner und Gedichten von Gerd Knappe schon entdeckt oder die neuen Postkarten mit dem kleinen Löwen William von Karoline E. Löffler?

Schaut doch mal rein und dann schreibt mal wieder! 😉

Beitragsautorin: Nina A. Schuchardt

Irgendwie ist Ostern ein ganz besonderes fest für uns. Die Sonne kommt raus, alles wird wach und warm, es ist Frühling und es gibt einen guten Grund wieder einmal „Das Osterhasenfell“ von Friedrich Wolf aus dem Regal zu ziehen. Das alles ist in jedem Jahr schön, aber in diesem Jahr ganz besonders!

Um gebührend zu feiern haben wir darum beschlossen, die Künstlerin und Gestalterin Maike Schuchardt, die ihr schon von unserem Bilderadventskalender ADVENT AM WALDESRAND kennt, zu bitten, uns einige ihrer Arbeiten fernab des Buches für euch zu überlassen und siehe da, sie hat „ja“ gesagt!

Bis einschließlich 11. April findet ihr zahlreiche bunte Stofftiere mit Potenzial zum Verlieben und wunderbare Keramikanhänger von Maike Schuchardt exklusiv in unserem Shop.

Wir wünschen euch viel Freude beim Stöbern, Entdecken und nach Hause holen!

PS: Jeder Bestellung bis Ostern (auch den Bücherbestellungen) legen wir ein kleines Keramikvögelchen gratis dazu. Schnell sein lohnt sich, denn der Vorrat ist begrenzt. 😉

Beitragsautorin: Nina A. Schuchardt

Beitragsbild: Keramikanhänger PURZEL (braun). Fotografie (c) Eichhörnchenverlag.

Im Eichhörnchenverlag arbeiten wir derzeit an der Erstellung einer digitalen Pressemappe. Katharina Schulze hat dafür ein paar Fragen an die Verlagsgründerin Nina A. Schuchardt formuliert. Einige davon stellen wir euch nach und nach hier auf dem Blog vor:

Katharina Schulze: Wie kommst du mit den Künstler*innen und Autor*innen zusammen?

Nina A. Schuchardt: Das ist eine gute Frage und die Antwort darauf überrascht mich manchmal selbst. Einige der Künstler*innen kenne ich schon länger mehr oder weniger gut. Mit Susanne Haun zum Beispiel arbeite ich seit meinem Studium an verschiedenen Projekten zusammen. Mit der Zeit ist aus dieser punktuellen Zusammenarbeit eine sehr fruchtbare Beziehung und auch eine Freundschaft geworden. Mit Niki Amann verbindet mich ebenfalls eine sogar noch längere Freundschaft und auch Elisa Brückner kannte ich bereits über eine Ecke, wenngleich wir vor unserer gemeinsamen Arbeit am WINDKIND kaum persönlichen Kontakt hatten.

Andere Autor*innen und Künstler*innen dagegen lerne ich über gemeinsame Freunde oder ganz ohne Vorgeschichte in Ausstellungen, über Messen oder im Internet kennen. Mit Gerd Knappe bin ich beispielsweise über einen gemeinsamen Freund in Kontakt gekommen. Bis heute gehört das für mich zu den ganz glücklichen Zufällen in dieser Verlagsgeschichte. Es ist eine bunte Mischung.

Übrigens merke ich, dass mir momentan gerade auch solche Begegnungen mit weniger engen Freunden und entfernteren Bekannten sowie das zufällige Kennenlernen bei bestimmten öffentlichen Veranstaltungen wie Ausstellungseröffnungen oder Messen für die kreative Arbeit fehlt. Das ist eine Beobachtung, die gerade viele Menschen teilen, denke ich. Wir werden alle vieles nachzuholen haben, wenn diese Pandemie irgendwann vorüber ist, aber auf diesen Aspekt der sozialen Interaktion freue ich mich inzwischen ganz besonders.


Beitragsbild: Ausstellungsansicht mit Besucherin der Kunstausstellung „Farewell Monsterparty“ von Niki Amann, 2019. (c) S. Horovitz.

Kennt ihr diese eigenartigen Momente, in welchem man sich fragt, welche verrückten Geschichten zu ihrem Eintreffen geführt haben? Kennt ihr das, wenn sich das Leben anfühlt, als sei es ein Roman und man selbst darin nur irgendeine Figur, von der man nicht weiß, welche Funktion der Autor / die Autorin ihr zugedacht hat und worauf die Geschichte überhaupt hinauslaufen soll?

Ich fühle mich seit März 2020 immer wieder als sei ich in einem dystopischen Roman gelandet, wobei das seit der US-Wahl im November besser geworden ist. Trotzdem bleibt dieses Hintergrundrauschen. Manchmal frage ich mich, wie lange wir wohl brauchen werden, uns wieder an die “Normalität” zu gewöhnen, wenn die Abstandsregeln aufgehoben sind? Wird es überhaupt eine Rückkehr zu den vorherigen Mustern geben oder machen wir es dann vielleicht auch anders, besser sogar? Eine leise Hoffnung habe ich, der Roman könnte auf der letzten Seite noch einen klitzekleinen utopischen Ausblick bieten, die Andeutung einer Möglichkeit. Ich jedenfalls würde gern ein paar meiner Verhaltensmuster verändern. Vor allem möchte ich von allem mehr. Nicht unbedingt mehr konsumieren, aber doch mehr begegnen. Ich möchte mehr Menschen treffen, mehr Perspektiven hören, mehr Kunst und Literatur erleben. Ich kann mir vorstellen, dass momentan viele Menschen diesen Hunger bei gleichzeitiger Erschöpfung teilen.

Und dann gibt es da noch die Geschichten, die einem das Leben zur Betrachtung vor die Füße wirft, wie die Bilderbuchempfehlung eines Freundes. “Wie kam der Fisch in den Wald?” Wer unserem Instagram-Account folgt weiß, dass wir öfter Verwunderliches, Ärgerliches oder Schönes im Wald finden und so erwarten wir bei unserem Wandeln unter Bäumen durchaus einiges. Dieser Fisch allerdings fühlte sich doch besonders kurios an. Nachdem das Kind ihn im Moos beerdigt hatte, haben wir uns auf unserem weiteren Weg allerlei Gedanken darüber, gemacht, wie sein letzter Weg wohl ausgesehen haben könnte. Welche Geschichten hat er wohl gelebt und welche auch nicht?

R.I.P. kleiner Fisch.

Wir sind nun bereit für ein neues Kapitel, eine neue Geschichte.

Beitragsautorin: Nina A. Schuchardt

Titelbild: Toter Fisch im Wald. Fotografie, (c) privat.

Im Eichhörnchenverlag arbeiten wir derzeit an der Erstellung einer digitalen Pressemappe. Katharina Schulze hat dafür ein paar Fragen an die Verlagsgründerin Nina A. Schuchardt formuliert. Einige davon stellen wir euch nach und nach hier auf dem Blog vor:

Katharina Schulze: Wie bist du auf die Idee gekommen, einen eigenen Verlag zu gründen?

Nina A. Schuchardt: Ich bin in einem kunst- und kulturaffinen Umfeld aufgewachsen, das mich früh in die Welt der bildenden Künste, der Musik, des Theaters und der Literatur eingeführt hat. Als ich mich nach dem Abitur entschloss, Kunstgeschichte zu studieren, habe ich trotzdem – eher nicht von meiner Familie, aber doch von Freund*innen und Bekannten – oft die Frage gehört, was ich damit denn später mal anfangen wolle? Mit den Kultur- und Geisteswissenschaften sei schließlich kein Geld zu verdienen. Oft verbunden mit dem Hinweis, ich solle doch besser „etwas vernünftiges“ studieren.

Das ist eine Frage, die ich damals meistens als übergriffig empfunden habe, denn sie implizierte für mich die eigene Neigung und Leidenschaft sei es nicht wert, in größerem Umfang verfolgt zu werden, wenn sie nicht auch sicher monetär ausbeutbar wäre, ja verdiene nicht einmal die eine Chance, die in einem Versuch liegt. An schlechten Tagen habe ich auf diese Frage darum geantwortet, ich würde eigentlich auf Imbissbudenverkäuferin oder Taxifahrerin studieren. An guten Tagen habe sagte ich, dass ich mir zum Beispiel vorstellen könnte, in einem Kunstbuchverlag zu arbeiten, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatte, wie die Arbeit in einem Verlag eigentlich genau aussieht. Ich denke, dass in dieser Antwort auf eine unbequeme Frage das Samenkorn meiner späteren Verlagsgründung lag.

Die Idee zu einem eigenen Bilderbuchverlag reifte dann ab Anfang 2015. Da war mein Kind gerade ein Dreivierteljahr alt und schon ein echter Bücherwurm. Ich fand die Zeit, die wir gemeinsam mit dem Betrachten und Vorlesen von Bilderbüchern verbrachten richtig schön und unheimlich wertvoll und war gleichzeitig zunehmend frustriert davon, weil es so wenige Pappebücher gab, die uns beide gleichermaßen Freude gemacht hätten. Die bildnerisch spannendsten Pappebilderbücher in unserem Regal waren bis auf wenige Ausnahmen schon seit Generationen in der Familie. Das fand ich als betrachtungsgeschulte Person unbefriedigend und ich merkte, dass mir das auch die Lust an der gemeinsamen Bilderbuchbetrachtung mit meinem Kind schmälerte.

Der tatsächliche Gründungsimpuls entstand aber in einer Ausstellung der Künstlerin Susanne Haun, die ich 2015 kuratiert und auch gemeinsam mit meinem, dann schon ein Jahr alten Kind besucht hatte. In dieser Ausstellung konnte ich erleben, dass mein Kind und ich von den gleichen Bildern, aber auf ganz unterschiedlichen Ebenen angesprochen und fasziniert wurden und ich erkannte, dass genau das der Moment war, den ich in Pappebüchern oft vermisste und entsprechend selbst umsetzen wollte.

Zum Glück hat Susanne Haun dann auch gleich zugesagt, mit mir an einem ersten Bilderbuch zu arbeiten. Daraus wurde dann das Bilderbuch LANDTIERE von Gerd Knappe, Susanne Haun und Thomas Lemnitzer.

Beitragsbild: Die ersten fünf Bücher des Eichhörnchenverlags. (c) Eichhörnchenverlag.

Im Eichhörnchenverlag arbeiten wir derzeit an der Erstellung einer digitalen Pressemappe. Katharina Schulze hat dafür ein paar Fragen an die Verlagsgründerin Nina A. Schuchardt formuliert. Einige davon stellen wir euch nach und nach hier auf dem Blog vor und weil gestern Tag des Eichhörnchens war, macht die Frage nach dem Verlagsnamen den Anfang:

Katharina Schulze: Wie bist du auf den Namen Eichhörnchenverlag gekommen?

Nina A. Schuchardt: Ich habe einmal ein Eichhörnchenkind gefunden und aufgepäppelt, das offenbar aus dem Kobel gefallen und von seiner Familie verlassen worden war. Aus dem Familienkreis kam kurz vor der Verlagsgründung dann der Vorschlag, auf diese Geschichte Bezug zu nehmen.

Es hat sich übrigens herausgestellt, dass das Eichhörnchen blind war, weshalb auch das Verlagshörnchen im Logo eine Augenbinde trägt. Ich denke, dass das gerade für einen Bilderbuchverlag eine interessante Einladung zur Beschäftigung mit dem Sehen als Fähigkeit und Prozess ist. Der Begriff des Sehens führt für mich dabei weit über das rein visuelle Sehen hinaus und bedeutet mir vielmehr Entdecken, Erforschen und Begreifen im weiteren Sinne.

Das Eichhörnchen selbst erhielt von uns damals den Namen Mad Eye Artemis Moody nach der Romangestalt mit dem magischen Auge aus den Harry Potter-Büchern und der griechischen Göttin des Waldes.


Mehr über das blinde Eichhörnchen in unserem Logo könnt ihr unter Das Logo und das Eichhörnchen und unter Das Logo und das Eichhörnchen – Teil II. Von blinden und sehenden Eichhörnchen… nachlesen.

(c) Beitragsbild: Eichhörnchen. Collage von Susanne Haun.

Über den Tellerrand publiziert

Susanne Haun ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Sie ist klug, hochgebildet und vielseitig interessiert. Sie ist bewundernswert strukturiert, ausdauernd und sorgsam. Sie ist herzlich und empathisch. Sie gehört zu den Menschen, die hundert Fäden in der Hand halten und gleichzeitig verfolgen können, ohne sie je zu verknoten. Erstaunlich!

Dies ist meine persönliche, von jahrelangem Vertrauen und Sympathie geprägte Sicht auf den Menschen Susanne Haun. Es ist gleichzeitig auch ein Teil meiner professionellen Einschätzung der Künstlerin und ihres Œuvres. Mit Blick auf das Œuvre würde ich die Aufmerksamkeit ergänzend auf die oft wiederholte Dualität von gewichtigem, komplexem und manchmal schwerem Inhalt und leichter, als visuell besonders ansprechend und oft als schön empfundener Form lenken. Ich würde außerdem die Komplexität, Vielfalt und Größe dieses Œuvres betonen, denn die bloße Zahl der darin enthaltenen Werke, geschaffen in Jahren täglicher Arbeit, ist für sich schon beeindruckend.

Die Idee, aus diesem umfangreichen Fundus eine übersichtliche, handhabbare, für Laien und Kenner der Kunst Susanne Hauns gleichermaßen ansprechende Werksübersicht zu erstellen, erschien mir noch Anfang März 2020, als wir uns das letzte Mal persönlich trafen, vollkommen utopisch. Die Quadratur des Kreises! Und doch ist genau das entstanden. Ein umfangreicher, aber kurzweiliger Überblick über 7 Jahre kreatives Schaffen. Ein Potpourri unterschiedlichster Themenkomplexe von täglichen Selbstporträts der Künstlerin über zeichnerische Auseinandersetzungen mit Reiseeindrücken, kunst- und philosophiegeschichtlichen Fragen und aktuellem Zeitgeschehen, wie der neuen Lebensrealität mit dem Coronavirus Covid-19.

Die 52 Seiten starke Broschüre SUSANNE HAUN | WERKSCHAU 2013 – 2020 ist in einer limitierten Auflage von 250 Stück erschienen. Jedes Exemplar ist mit einer individuellen Nummer und der Signatur der Künstlerin versehen. Den Exemplaren mit den Nummern 1 – 10 ist außerdem eine Radierung beigegeben (mehr dazu unten). Begleitet werden die mehr als 80 (durchgängig farbigen) Abbildungen von Zeichnungen Susanne Hauns auf Papier, Leinwand, Glas und anderen Objekten von Statements der Künstlerin und kurzen Essays der Kunsthistorikerinnen Meike Lander, Cristina Wiedebusch und Nina A. Schuchardt. Unübersehbar wird deutlich, dass Susanne Haun um sich herum einen umfangreichen und vielschichtigen Kosmos errichtet hat, dem neben ihren haptisch erfahrbaren Arbeiten auch deren kontinuierliche Dokumentation und Einordnung auf ihrer virtuellen Präsenz, ihrem Blog, sowie der stetige Austausch mit den Betrachter*innen angehören.

Ein rascher Einblick in die Broschüre SUSANNE HAUN | WERKSCHAU 2013 – 2020.

Die Erstellung dieser WERKSCHAU war ein Kraftakt, an welchem wir ein großes Stück gewachsen sind und ich bedanke mich an dieser Stelle ausdrücklich bei allen, die an seiner Bewältigung beteiligt waren! Das Ergebnis erfüllt mich mit Stolz und Zufriedenheit, insbesondere da ich darin selbst noch so viel Neues über das Œuvre Susanne Hauns lernen durfte, nicht zuletzt in den Essays der Kolleginnen.

Inzwischen sind die ersten Exemplare der WERKSCHAU längst ausgeliefert und wir haben bereits viel Lob erhalten, was uns unglaublich freut und bestärkt. Wir haben auch manchmal gezielt nach Kritikpunkten gefragt und auch auf diesem Weg konstruktives Feedback erhalten. Vielen Dank dafür! Ein Kommentar, den wir so öfter gehört oder gelesen haben und der manchmal im Mantel der Kritik daher kommt, ist dieser: Die Broschüre ist viel zu günstig!

Ja, das stimmt. Der Preis der Broschüre ist gerade dazu geeignet, ihre Druck- und Versandkosten zu decken. Mehr nicht. Keine der an der Entstehung der Broschüre beteiligten Personen verdient wirklich daran, obwohl sie alle viel persönliche Zeit und Kompetenz investiert haben. Die Broschüre ist damit Teil eines größeren Dilemmas, in welchem Kunst- und Kulturschaffende viel zu oft unter- oder unbezahlt arbeiten, einfach, weil sie glauben, dass ihre Arbeit zu wichtig ist, für sie oder für andere, um sie des Geldes wegen nicht zu tun. Ein Thema, das einer ganz eigenen Betrachtung an anderer Stelle bedarf. Füttern wir dieses Problem, wenn wir eine Broschüre zu niedrig bepreisen? Vielleicht. Würden wir zur Lösung des Problems beitragen, wenn wir uns für einen höheren Preis entschieden hätten? Ich glaube nicht. Ich glaube nicht, dass es der richtige Weg ist, den Zugang zu Kunst und Kultur teurer zu machen, als er ohnehin schon ist, denn damit erreichten wir nichts als Ausgrenzung. Dabei ist gerade die erschwingliche Präsentation von Kunst eine der besonders großen Freuden an der Arbeit im Eichhörnchenverlag. Dies ist ein Aspekt, den ich gerade in Bezug auf die Bilderbücher LANDTIERE von Susanne Haun und Gerd Knappe und KLEINE VOGEL-WUNDERKAMMER von Jesko Donst besonders oft erlebe. Mehr als einmal habe ich von Kund*innen gehört, die unsere Bücher gerade deshalb so glücklich machten, weil sie sich ein oder gar mehrere Originale der Künstler*innen eben nicht leisten könnten. Darin liegt der immense Wert unserer Arbeit, nicht in ihrem Preis.

Dies nun von der Seele geschrieben bleibt zu sagen, dass wir alle natürlich mit jedem neuen Buch hoffen, irgendwann einmal eine nennenswerte Summe mit unserer Arbeit zu verdienen. Wenn ihr also ein Produkt aus dem Eichhörnchenverlag erworben habt und zufrieden damit seid, dann empfehlt uns doch euren Freunden und Lieblingsbuchhändler*innen weiter, die hier direkt einen Blick in unser Verlagsprogramm werfen können und abonniert unseren Newsletter. Wer es sich leisten kann, kann auch gern das ein oder andere Bilderbuch extra zum Verschenken oder ein paar Postkarten dazu bestellen. Irgendwann rechnet es sich dann nämlich auch. 😉

Bewunderern von Susanne Hauns Kunst im Besonderen sei empfohlen, eine der Nummer 1 – 10 der WERKSCHAU zu erwerben. Diesen Nummern ist eine originale Radierung beigegeben und sie kosten entsprechend 120,00 €. Diese speziellen Nr. 1 – 10 können nur bei der Künstlerin Susanne Haun direkt erworben werden. Sie ist über ihre Website oder via info@susannehaun.de erreichbar.

Beitragsautorin: Nina A. Schuchardt

Die neuesten Bücher des Eichhörnchenverlags nehmen uns mit in die bunte Welt des kleinen Löwen William und auf eine Reise mit der schönsten Naturgewalt der Welt.

Pünktlich zu Weihnachten – und nun leider auch zum neuen Lockdown – sind unsere neuesten Bilderbücher KLEINER LÖWE WILLIAM von Karoline Elke Löffler und WINDKIND von Gerd Knappe und Elisa Brückner erschienen. Habt ihr sie schon entdeckt?

KLEINER LÖWE WILLIAM – Ein ganz normaler besonderer Tag

Der kleine Löwe William in der Badewanne (Ausschnitt), aus dem Bilderbuch KLEINER LÖWE WILLIAM (c) Collage von Karoline E. Löffler.

Das Bilderbuch KLEINER LÖWE WILLIAM von Karoline E. Löffler ist ein Silent Book (ohne geschriebene Worte) mit hohem Identifikationspotential schon für die Allerkleinsten.

In ganzseitigen Collagen lässt es die Betrachter*innen ganz nah am Alltag des kleinen Löwen William mit seinen kleinen und großen Abenteuern teilhaben. Die Worte und Geschichten zu den Bildern kann jede*r immer wieder neu für sich erfinden. Gerade im gemeinsamen Betrachten der Bilder entsteht so ein besonderes und inniges Erlebnis, verbunden mit einer Einladung zur Reflexion des eigenen Alltagserlebens.

WINDKIND – Eine imaginierte Reise mit dem Wind

Kind und Baum im Wind (Ausschnitt), aus dem Bilderbuch WINDKIND (c) Collage von Elisa Brückner.

In einer Zeit, in der das Reisen momentan fast unmöglich ist und wir in unser wohliges Daheim verbannt sind, nimmt uns das WINDKIND mit auf seine Reise und lässt uns alles sehen, was auch dem Wind vor die Augen weht:

„Wo er alles war / Was er alles sah / Wohin weiß nicht woher / Woher weiß nicht wohin / Streicht übers Land / Vagantengleicher / Wilder Windig Landstreicher […]“

Das Pappebuch WINDKIND vereint die beiden Genres Bilderbuch und Lyrikband zwischen zwei Buchdeckeln.
Vorn entfalten die tief-träumerischen Collagen der in Zernitz aufgewachsenen Künstlerin Elisa Brückner, begleitet von dem Kinderohren eingängigen Gedicht „Ein Drache im Wind ein Kind“ von Gerd Knappe, ihren ganzen Zauber.
Hinten im Buch erforscht Gerd Knappe in vier Gedichten mit dem gemeinsamen Titel „WILDER WINDIG – 4 Arten vom Wind zu schreiben“ die Spielarten des Windes noch einmal ausführlicher in lyrischer Form.
Dieser Dualität der Genres Bilder- und Lyrikbuch wird im WINDKIND auch mit der Wahl und Verbindung zweier Kartonsorten Ausdruck verliehen. Eine echte Besonderheit und ein Hingucker für Freunde der Buchkunst.

Beitragsautorinnen: Katharina Schulze und Nina A. Schuchardt