Was willst du werden, wenn du groß bist?

Was willst du werden, wenn du groß bist?

In unseren beiden neuen Bilderbüchern AUS DEM TAGEBUCH EINER FOTOGRAFIN. TEIL I und TEIL II begleitet die Fotografin Carla Pohl zwölf Frauen in ihrem beruflichen Alltag. Ein guter Grund für uns, einen Blick auf die Darstellung von Berufen in Kinderbüchern zu werfen, denn: Lernt man einen Menschen neu kennen, wird oft schon am Anfang eines Gesprächs gefragt: “Und was machst du so?”  Das meint fast immer, die berufliche Tätigkeit, und nicht, welche Hobbys man beispielsweise hat.

Die Wahl des Berufs ist ein wichtiges Merkmal, wenn wir versuchen, uns ein Bild von jemandem zu machen. Auch mein jüngstes Kind stellt momentan jedem, den es kennt und noch nicht kennt, die Frage: “Was willst du werden, wenn du groß bist?” Kinder können also schon sehr früh den Beruf als Teil der Erwachsenenwelt wahrnehmen und erahnen, dass auch sie einmal ein Teil dieser Welt werden und damit ebenfalls einen Beruf ergreifen werden. 

Es ist daher nicht verwunderlich, dass es allerhand Bücher gibt, die sich mit Berufen beschäftigen. Darunter sind Portraits, in denen ein bestimmter Beruf vorgestellt wird und das Kind einen Einblick in dieses Arbeitsfeld bekommt. In diesen Büchern sind bestimmte Berufe deutlich verbreiteter als andere, zum Beispiel Polizistin, Bauer oder Tierärztin. 

In der Kinderbuchreihe “Little People, Big Dreams” werden bekannte Menschen aus aller Welt und deren beruflicher Werdegang gezeigt, und welche große Bedeutung die Ergreifung dieses Berufes für die dargestellten Personen hatte. Das Buch “Marie Curie” zeigt zum Beispiel auf, wie herausragend es für eine Frau ihrer Zeit war, zu studieren, und beleuchtet die große Bedeutung der Entdeckung der Elemente Radium und Polonium und der Radioaktivität durch Marie Curie, für die sie schließlich den Nobelpreis bekam. Das Bilderbuch “Mein Opa ist der Schäfermax” bringt Kindern den nicht so weit bekannten Beruf des Schäfers nahe.

Außerdem gibt es Wimmelbücher wie “Ein Wimmelbuch der Berufe”, die über Bilder Einblicke in die Berufe geben. Durch den Wimmelbuchcharakter ist es möglich, eine Vielzahl von Berufen gleichzeitig aufzuzeigen. In unserem Beispiel sind neben Tierärztin und Bauarbeiter zum Beispiel auch Musiker dargestellt. Im Buch “Coronavirus”, illustriert von Axel Scheffler, werden vor allem solche Berufe gezeigt, die während der Pandemiezeit besonders wichtig für die Gesellschaft waren, auch wenn diese sonst nicht besonders viel Aufmerksamkeit erfahren, wie Verkäufer, Krankenpfleger oder Paketdienstleister. 

Medien, und damit auch (Bilder-)Bücher, haben einen nicht unerheblichen Einfluss darauf, welche Berufe Kinder als junge Erwachsene ergreifen. Die Studie “Medien und Berufsvorstellungen von Kindern: Eine experimentelle Studie zum Einfluss von Kinderbüchern auf das Berufsspektrum von Kindergartenkindern” untersucht, ob Medien Einfluss auf das Wissen und die Vorstellungen von Berufen haben und ob kindgerechte Medien schon im sehr jungen Alter das Kindern bekannte Berufsspektrum erweitern können. Die Bandbreite an Kindern bekannten Berufen ist insgesamt klein und zeigt zwischen Jungen und Mädchen noch einmal Unterschiede. Die möglichen Berufsfelder für Mädchen erscheinen in der Wahrnehmung kleiner. Spitzenreiter sind laut einer Erhebung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei den Mädchen Tierärztin, bei den Jungen Polizist. Aber auch Pilot, Lehrer, Arzt, Feuerwehrmensch, Astronaut, Fußballer und Schauspieler sind unter Jungen beliebt, ebenso wie Prinzessin unter Mädchen, wobei es sich hier ja kaum um einen Beruf im klassischen Sinne handelt.
Dass die meisten Menschen diese Berufe dann doch nicht ergreifen, hat viele Gründe. So beeinflussen der soziale Hintergrund der Familie und die Bildungsbiografie der Eltern die späteren Zukunftsaussichten der Kinder immer noch sehr stark. Auch ob ein Beruf innerhalb der Familie und später im Freundeskreis mit Anerkennung verbunden ist, nimmt Einfluss auf die Entscheidung. Schließlich kristallisieren sich außerdem immer mehr eigene Neigungen und Fähigkeiten heraus und die Kinder schätzen Berufe und ihre Herausforderungen realistischer ein. 

Beitragsautorin: Katharina Schulze-Bergner

Quellen

Brüggemann, Tim; Gehrau, Volker; Handrup, Jutta: Medien und Berufsvorstellungen von Kindern: Eine experimentelle Studie zum Einfluss von Kinderbüchern auf das Berufsspektrum von Kindergartenkindern, Diskurs Kindheits- und Jugendforschung Heft 2-2015, S. 203-220, unter:  https://elibrary.utb.de/doi/pdf/10.3224/diskurs.v10i2.19419 (letzter Aufruf: 26.09.2025).

FAZ Redaktion: Die Berufswünsche der Kinder: https://stellenmarkt.faz.net/karriere-lounge/berufsorientierung/die-berufswuensche-der-kinder/ (letzter Aufruf: 26.09.2025) .

Sonntag, Agnes: Wenn ich groß bin …, 01.05.2022, unter: https://www.spiegel.de/tests/kinder-und-jugendbuecher-ueber-berufe-wenn-ich-gross-bin-a-de8753d7-631a-4157-bb2d-c1a08f08b81b (letzter Aufruf: 24.09.2025).  letzter Aufruf: 26.09.2025)

Kinderbücher

Berlin.Tille, Peter; Prölss, Siegfried: Mein Opa ist der Schäfermax, 1987, VEB Postreiterverlag Halle.

Göbel, Doro; Knorr, Peter: Was machen die da?. Eine Wimmelbilder-Geschichte über Berufe, Beltz&Gelberg, 2013.

Sánchez Vergara, Maria Isabel; Frau Isa: Marie Curie (Little people, big dreams), 9. Auflage 2023, Insel Verlag. 

Scheffler, Axel: Coronavirus. Ein Buch für Kinder. 2020, Beltz&Gelberg.

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